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Champions (2009)

Champions (2009)

Oder: Bünderfleisch auf Eis

Noch geht die Post nicht ab.

Noch geht die Post nicht ab.

Gigi Poltera (Marco Rima) hat die besten Zeiten hinter sich - genauso wie "sein" EHC Arosa. Während dem Hockey-Club die Pleite und der Zwangsabstieg droht, tingelt der Bald-Fünfziger als Pöstler durchs Tal. Dabei gehörte er vor zwanzig Jahren zu den Stars im Schanfigg - als Teil der Meistermannschschaft des lokalen Schlittschuh-Clubs. Die Cracks von einst sollen nun die Lücken in Spielerbestand füllen. Gigis Freund Sturzi (Andrea Zogg) fasst den Entschluss zum Comeback und überredet dicker gewordene Ex-Weggefährten wie den Dorfpfarrer (Hans-Peter Ulli) zum Mitmachen. Auch Gigi kramt seine Schleifschuhe hervor, in der Hoffnung, Ex-Frau Jenny (Stephanie Japp) wieder für sich zu gewinnen und um Eindruck beim Sohn (Marc Arnold) zu machen, der als Goalie-Talent gilt.


Film-Rating

Reto Dekumbis? Die Lindemanns? Nostalgisch veranlage Eishockeyfans können sich noch an die Namen der "Aroser Legenden" erinnern. Der EHC Arosa wurde 1982 zum letzten Mal Schweizer Meister, bevor er sich 1986 bös verschuldete und zwangsmässig in die 1. Liga abstieg. Einige Arosa-Spieler aus den Zeiten des Erfolgs haben Gastauftritte in der Feel-Good-Komödie Champions von Riccardo Signorell. Selber ein Ex-Profi, weiss der Bündner Regisseur, wie der Puck fliegt. Ihm schwebte im ursprünglichen Drehbuch das perfekte Abbild der Action auf dem Eis auf der Kinoleinwand vor (siehe OutNow.CH-Gespräch von 2003). Vom fertigen Film distanziert er sich mittlerweile und trat nicht einmal an der Premiere in Erscheinung. Die Hintergründe sind unklar, und man kann nur vermuten, wie das ursprünglich geplante Jungsportlerdrama ausgesehen hätte.

Was jetzt in die Kinos kommt, ist die Geschichte von alten Säcken, die es nochmals wissen wollen. Mit ihren Sprüchen treffen sie eher ins Schwarze als mit dem Hockeystock. Und Marco Rima konzentriert sich so sehr auf den Bündner Dialekt, dass im keine Zeit zum Blödeln bleibt. Alles, was ein Sportfilm braucht, ist aber mit dabei: Schnee-Jogging zu Rocky-Klängen. Ein Platzwart, den nichts erschüttern kann (der unverwüstliche Max Rüdlinger mit SKA-Mütze). Und das alles entscheidende Spiel, das in letzter Sekunde entschieden wird. Die Klischees werden musikalisch untermalt von Schweizer Recken wie Phenomden oder Adi Stern. Unverkennbar: Man zielt aufs grosse Publikum und verhaut nur wenig. Ein geheimnisvoller Transvestit, der per Heli ins Schanfigg kommt, und "lustige Szenen" mit Brechreiz hinter der Goalie-Maske wollen nicht zum wohlig-gmögigen Kern der Geschichte passen. Ausserdem wird Jörg Schneider als Patron alter Schule gar ruppig aus dem Film entfernt. Da machen sich die unterschiedlichen Ansätze in der Drehbuchphase bemerkbar.

Am stärksten ist Champions hingegen dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Die besten Bilder liefern nicht die Hockeymatches, sondern die Sequenz, bei der der Verbandsfunktionär die Eistauglichkeit der Open-Air-Arena testet. Und weil der Bündner Dialekt zu den beliebtesten der Schweiz gehört, folgt man auch den holprigsten Geschichten gerne. Viele Sprüche, vor allem die vom Ex-Hockey-Profi Reto "Frischi" Frischknecht, der sich selber spielt, haben Kultcharakter.

Champions ist ein Nostalgie-Trip für Arosa-Fans (sowohl von der legendären Mannschaft als auch vom Kurort). Eine Rückbesinnung auf die alten Werte und kein Rima-Vehikel. Der Komiker hält sich angenehm zurück, und trotzdem gibt's genug zum Schmunzeln, wenn die alten Herren ihre voluminösen Ranzen in die Kamera strecken.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

30.12.2009 / rm

Community:

Bewertung: 2.9 (25 Bewertungen)

 

 

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