Three Monkeys - Üç Maymun (2008)

Three Monkeys - Üç Maymun (2008)

Drei Affen
  1. , ,
  2. 109 Minuten

Filmkritik: Wie man nicht kommunizieren sollte

Als der Politiker Servet (Ercan Kesal) während einer nächtlichen Autofahrt in übermüdetem Zustand einen Mann überfährt, steckt er in einer Zwickmühle: Er ist mitten im Wahlkampf. Wenn die Öffentlichkeit von dem Unfall erfährt, ist seine politische Karriere zu Ende. Zwar wurde er nicht gesehen, doch ein Paar in einem vorbeifahrenden Auto hat seine Nummer notiert. Was tun? Rettende Idee ist ein Deal mit seinem Fahrer Eyüp (Yavuz Bingöl): Dieser soll für ihn die Schuld übernehmen und die Gefängnisstrafe absitzen. Im Gegenzug zahlt Servet über die gesamte Zeit Eyüps Gehalt an dessen Sohn Ismael (Ahmet Rifat Sungar). Darüber hinaus gibt's einen dicken Geldbetrag, wenn Eyüp aus dem Gefängnis entlassen wird.

Da braut sich was zusammen
Da braut sich was zusammen © Studio / Produzent

Eyüp willigt ein - und geht hinter Gitter. Währenddessen scheitert Ismael zum wiederholten Mal an der Aufnahmeprüfung für eine Universität und gerät vermehrt auf die schiefe Bahn. Dies veranlasst seine Mutter Hacer (Hatice Aslan), von Servet die Geldprämie im Voraus einzufordern. Dieser erklärt sich einverstanden - ist allerdings interessiert an einer Gegenleistung amouröser Natur. Die beiden kommen sich näher. Als Eyüp schliesslich nach neun Monaten aus dem Gefängnis entlassen wird, sind Konflikte vorprogrammiert.

Three Monkeys beginnt wie ein Horrorfilm im Stil von The Blair Witch Project: Verwackelte Bilder einer nächtlichen Autofahrt, ein Schrei, ein Schnitt, dann blitzt der Filmtitel auf der Leinwand auf. Wer sich dann aber auf einen Grusler freut, ist auf der falschen Fährte. Denn beim Film handelt es sich um ein intensives Familiendrama. Wie die drei Affen im Filmtitel, die sich Augen, Ohren und Mund bedecken, sind auch die Protagonisten - Mutter, Vater und Sohn - unfähig, offen miteinander zu kommunizieren.

Die Schauspieler agieren zurückhaltend, was aber der Qualität ihres Spiels keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. Gerade diese Zurückhaltung illustriert die Kommunikationsunfähigkeit der Protagonisten hervorragend. Leider spannt aber Regisseur Nuri Bilge Ceylan den Bogen zwischendurch zu weit und foltert den Zuschauer mit ewig langen Standbildern. Ausserdem richtet er, was die Symbolik betrifft, mit einer etwas gar grossen Kelle an. Das Gewitter ist zwar wunderschön aufgenommen und prächtig anzuschauen, aber als Metapher für Gefühlswelten ist es nun doch nicht gerade die innovativste Idee.

Auf der positiven Seite zu vermerken ist wiederum eine subtile und gelungene Darstellung von Handlungen und Gedankengängen mit blossen Andeutungen. Oft kommt der Schnitt früh, der Zuschauer muss sich den Rest selbst ausmalen und wird so zum aktiven Mitdenken aufgefordert. Dies macht Three Monkeys trotz ausgelutschter Symbolik zu einem intelligenten Stück Kino. Bloss: Wieso muss die Frau beim Klingeln ihres Handys in der Handtasche minutenlang suchen, während der Mann es (ebenfalls in ihrer Tasche) mit einem Handgriff findet? Gewisse Mysterien bleiben halt nach wie vor ungelöst.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Trailer Originalversion, 01:10