Before the Fall - Tres días (2008)

Before the Fall - Tres días (2008)

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  2. 93 Minuten

Filmkritik: Rachegelüste im Meteoritenhagel

"Ich steh' auf Autos..."
"Ich steh' auf Autos..." © Studio / Produzent

Ale (Victor Clavijo) lebt zusammen mit seiner Mutter Rosa (Mariana Cordero) in einer spanischen Kleinstadt. Eines Tages wird im Fernsehen eine wichtige Durchsage der vereinten Nationen übertragen: Ein riesiger Meteorit rast frontal auf die Erde zu. Alle Bemühungen der NASA, diesen zu zerstören, sind gescheitert, in genau drei Tagen wird er mit der Erde kollidieren und jegliches Leben zerstören. Punkt, Ende, aus.

Hoffentlich geht der Schuss nicht nach hinten los...
Hoffentlich geht der Schuss nicht nach hinten los... © Studio / Produzent

In der Stadt bricht totale Panik aus, die Leute fliehen, verbarrikadieren sich oder begehen Selbstmord. Ale flüchtet mit seiner Mutter aufs Land auf den verlassenen Hof seines Bruders. Dieser ist unauffindbar, doch dessen vier Kinder warten gelangweilt auf Daddys Rückkehr. Sie haben keinen Fernsehempfang und deshalb auch nicht die geringste Ahnung, was sich in der Welt gerade abspielt. Rosa und Ale verschweigen es ihnen. Denn dann erfahren die Kinder vielleicht auch nicht, dass im allgemeinen Drunterunddrüber mehrere Häftlinge aus den Hochsicherheitsgefängnissen geflohen sind - darunter auch der gemeingefährliche, psychopathische Kindermörder Soros, der mit der Familie noch eine Rechnung offen hat...

Die Ausgangslage von Before the Fall ist auf makabere Weise absurd: In drei Tagen werden alle sterben, doch gilt es bis dahin, vier Kinder vor einem Mörder zu schützen. Und auch vor der bitteren Wahrheit, dass in 72 Stunden sowieso alles zur Sau ist. Die heile Welt bewahren, während diese im Untergang begriffen ist - eine interessante Idee, die erfreulicherweise auch anständig umgesetzt ist.

Der vom Hollywood-Spanier Antonio Banderas produzierte Streifen beginnt als Katastrophenfilm, entwickelt sich schnell zum perfiden Psychothriller und endet schliesslich als Endzeit-Actionfilm. Im kurzen ersten Teil werden die Hauptfiguren nur ansatzweise eingeführt. Das ist im Hinblick auf einen folgenden Plot-Twist natürlich nachvollziehbar. Der Psychothriller-Teil, der von Angst und Paranoia durchtränkt ist, ist der stärkste Part des Filmes. Exzellente Soundeffekte tragen dazu bei, diese Angst auch auf Seiten des Zuschauers zu maximieren.

Abzug in der B-Note gibt's dann für die letzte halbe Stunde des Filmes, in der ein Finale im Stile eines mittelmässigen Actionthrillers geboten wird. Die Schlusseinstellung ist dann wenigstens wieder gut gelungen - wenn sie auch lediglich einen eher bemühten Neben-Handlungsstrang abschliesst, der wohl nur zu ebendiesem Zwecke überhaupt in die Geschichte eingebaut wurde.

An dieser Stelle sei wieder einmal die Warnung abgegeben, dass der Film aufgrund einiger harter Szenen nichts für zarte Gemüter ist. Doch kommen diese wohl auch kaum auf die Idee, sich einen Film anzusehen, der sich selbst ins Genre "Katastrophen-Psychothriller" einordnet. Insofern darf der Regieerstling von Francisco Javier Gutiérrez als durchaus gelungenes, stilistisch starkes Paranoiker-Kino verbucht werden. Eher weniger massentauglich, aber für Genrefans sehenswert.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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