Autumn - Sonbahar (2008)

Autumn - Sonbahar (2008)

Herbst
  1. ,
  2. 99 Minuten

Filmkritik: Vom Meer in den Schnee und zurück

"Kontinent fünf senkrecht"
"Kontinent fünf senkrecht" © Studio / Produzent

Yusuf (Onur Saylak) ist einer der Studenten, die sich in den 90er-Jahren für den Sozialismus in der Türkei eingesetzt haben. Er wurde verhaftet und zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach zehn Jahren Haft wird er aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig entlassen. Stark angeschlagen und ständig hustend, macht er sich auf die Reise in seine Heimat, einem kleinen Dörfchen in der Nähe der georgischen Grenze.

Auch ne Variante zum duschen...
Auch ne Variante zum duschen... © Studio / Produzent

Dort angekommen, muss er feststellen, dass sein Vater in der Zwischenzeit gestorben und seine Mutter ziemlich krank ist. Von ihr erfährt er auch, dass seine Schwester geheiratet hat und weggezogen ist. Vieles hat sich verändert im Dorf. Yusuf findet kaum Anschluss bei den Bewohnern, mit Ausnahme seines Jugendfreundes Mikhail (Serkan Keskin). Die beiden verstehen sich noch immer bestens, mit ihm schafft es Yusuf, ein wenig aus seiner tristen Welt auszubrechen.

Als die beiden Freunde eines Abends in der nächsten Stadt ausgehen, lernt Yusuf die Prostituierte Eka (Megi Koboladze) kennen. Es entsteht eine skurrile Freundschaft zwischen den beiden, doch es ist mehr als fragwürdig, ob diese auch auf lange Zeit halten wird...

Sonbahar von Özcan Alper ist ein sehr ruhiger und trister Film. Es wird kurz aufgezeigt, wie es den politischen Gefangenen während ihrer Haft ergangen ist. Danach präsentiert Alper vorwiegend Bilder aus der monotonen Berglandschaft, in welcher Yusuf aufgewachsen ist. Lange Shots, viel Natur und wenig Dialog und Musik. Für den Protagonisten geht es wohl vorwiegend darum, das Geschehene zu verarbeiten.

Der ganze Film wirkt sehr real und hat schon fast den Charakter einer Dokumentation. Onur Saylak spielt seine Rolle sehr überzeugend: Die Krankheit, welche ihm schwer zusetzt, die ständigen Gedanken an die harte Zeit im Gefängnis und die wenigen Glücksmomente im Leben von Yusuf - all diese äusserst unterschiedlichen Gefühlsstimmungen weiss er sehr gut rüberzubringen. Bei den meisten Charakteren rund um Yusuf hat man wirklich das Gefühl, dass sie gar nicht schauspielern, sondern so sind wie immer.

Sonbahar erzählt eine traurige Geschichte mit interessantem Hintergrund. Allerdings wird's manchmal etwas sehr ruhig, und mit der Zeit erscheinen die langen Shots in die Natur hinaus fast endlos und wirken insgesamt eher ermüdend als ansprechend. Einiges mehr an Hintergrund und viel weniger Nachdenkszenen hätten dem Film bestimmt nicht geschadet.

/ Philipp Jann [pj]