Slumdog Millionaire (2008)

Slumdog Millionaire (2008)

Slumdog Millionär
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  3. 120 Minuten

DVD-Review: From Zero to Hero

Vo Lozärn gäge Wäggis zue...
Vo Lozärn gäge Wäggis zue... © Studio / Produzent

Jamal (Dev Patel) sitzt gerade auf dem heissen Stuhl und eine ganze Nation schaut zu. Eine Frage trennt ihn noch vom Gewinn von 20 Millionen Rupien - ungefähr 500'000 Schweizer Franken. Doch in diesem Augenblick ertönt der Gong und die indische Version von "Wer wird Millionär?" geht für heute zu Ende. Jamal muss wohl oder übel noch einen Tag auf seine grosse Chance warten. In der Zwischenzeit wird er von der Polizei gefoltert und verhört, weil diese glaubt, dass er sich irgendwie durch die Sendung mogelt.

Ech nähmt gärn die blau Chogle
Ech nähmt gärn die blau Chogle © Studio / Produzent

Während diesem Verhör erzählt Jamal, wie er sich sein ganzes Leben auf diese Fernsehsendung "vorbereitet" hat. Das Ganze nahm bereits seinen Lauf, als er noch ein kleiner Junge war. Mit eigenen Augen muss er mit ansehen, wie seine muslimische Mutter in einem religiös motivierten Aufstand getötet wird. Von nun an waren er und sein grösserer Bruder auf sich allein gestellt. Auf ihrer Flucht treffen die beiden auf die kleine Latika, und Jamal merkt sofort, dass sie sein Schicksal ist.

Was hängst du denn hier so rum?
Was hängst du denn hier so rum? © Studio / Produzent

Wie viele Waisenkinder in den Slums von (damals noch) Bombay leben die drei auf und von der Müllhalde. Doch eines Tages erscheint ein vermeintlich gutherziger Samariter mit zwei Flaschen Cola und der Versprechung auf ein besseres Leben. Dieser entpuppt sich jedoch als skrupelloser Geschäftsmann, der sich eine Armee von Bettelkindern "ausbildet". Erneut fliehen die Brüder und müssen Latika tragischerweise zurücklassen. Jamal jedoch denkt nicht daran Latika einfach aufzugeben und kämpft sich von ganz unten nach oben, um schliesslich bei der alles entscheidenden Millionenfrage anzugelangen.

Acht Oscars gab es 2009 an den Verleihungen in Los Angeles für einen Film, der nicht mit Stars glänzen kann, dafür mit seiner Geschichte, den Stimmungen, den Gefühlen und natürlich den vielen Farben. Slumdog Millionaire überragte den Event und katapultierte damit nicht nur Regisseur Danny Boyle entgültig in die A-Klasse des Berufes. Auf dem sicheren Weg dorthin war der Herr zwar schon mit Trainspotting oder The Beach, aber angekommen ist er definitiv mit seiner herrlichen Umsetzung des Buches "Rupien! Rupien!".

Kaum hat der Film angefangen, ist man als Zuschauer auch schon mittendrin in einer wunderbaren Geschichte eines jungen Mannes, der aus dem Nichts kommt, dem das Schicksal in den indischen Städten immer wieder Steine in den Weg legt, und der sich auf schier unglaublichem Weg ins Fernsehstudio zur bekannten Show kämpfen muss. Dabei erleben wir bedrückende Momente in den Slums, farbige Einschübe und witzige Momente mit den Darstellern der Kinderversionen der Charaktere.

Was an Slumdog Millionaire beeindruckt, ist die gute Mischung aus aktuellen Szenen im Fernsehen und den diversen Rückblicken in die Jugend von Jamal. Die enthalten zwar ein bisschen viel Zufälligkeiten, und am Schluss auch (Bollywood-typische) Dramatik, aber im Grossen und Ganzen passt das ganze Bild hervorragend zusammen und lässt den Zuschauer halt einfach nicht mehr los. Auch wenn die Gangstergeschichten eher mühsamere Szenen mit sich bringen. Die werden jedoch durch die Call-Center-Sequenzen sowie die "Toilet-Scene" mehr als nur wettgemacht.

Fazit: Ob der Hype um Slumdog Millionaire gerecht ist, muss jeder selber für sich entscheiden. Fakt ist, dass der Film ein bisschen Bollywood für Normalos bietet, ohne dass alle zehn Minuten ein Song performt wird. Hervorragende Story, tolle Bilder, passende Darsteller. Ein toller Film, den man geniessen muss.

Die vorliegende Single-Edition von Slumdog Millionaire bietet zwar nur wenige, aber dafür sehr interessante Bonusfeatures. Angefangen mit der ausführlich erklärten (und zu den besten des Filmes gehörenden) Szene auf der Toilette in den Slums, bis hin zu den Interviews mit Dev Patel, Freida Pinto und natürlich Danny Boyle. Während die ersteren beiden kaum aus dem Schwärmen für Film und Geschichte hinauskommen, gibt's bei Boyle auch Hintergründe und Informationen zu hören über seine Beweggründe und seine Begeisterung für die Story. Das macht sich auch im Audiokommentar bemerkbar, der optional zuschaltbar ist und das Filmerlebnis noch interessanter und spezieller macht.

In technischer Hinsicht wird man vor allem durch einen wunderbaren und wuchtigen Ton verwöhnt, der in bester Qualität durch die Boxen jagt. Das Bild hat zwischendurch ein bisschen Mühe mit den schnellen Schnitten, macht aber ebenfalls einen sauberen und farbenfrohen Eindruck.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Kommentare Total: 14

farossi

eigentlich ein hervorragender film, muss ich schon sagen. dennoch gibt's von mir nicht die höchstwertung.

ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wie das ding 8 oscars abräumen konnte. ok, er ist originell erzählt, hastig aber toll geschnitten und gut gespielt. aber die musik? nö, nicht so mein ding... die hälfte oscars hätten imho gereicht, aber was heisst das schon.

sicherlich ein sehenswerter film - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Markus

Danny "Trainspotting" Boyle liefert eine astreine, toughe, Liebesgeschichte ab. Geniale Bilder und eine brilliante Story.

Genau so müssen Filme sein.

muri

DVD-Review: From Zero to Hero

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Trailer Englisch, 02:05