Maman est chez le coiffeur (2008)

Maman ist kurz beim Friseur

Maman est chez le coiffeur (2008) Maman ist kurz beim Friseur

Oder: Canadian Beauty

Pyjama-Werbung für "The Blue Butterfly"

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Québec, 1966. Es ist Sommer und die Kinder in der ländlichen Nachbarschaft freuen sich auf ihre Schulferien. Doch für die drei Geschwister Coco (Élie Dupuis), Benoît (Hugo St-Onge-Paquin) und Elise (Marianne Fortier) sollte der Sommer anders als erwartet verlaufen. Als ihre fürsorgliche Mutter (Céline Bonnier) Wind vom Ehebruch ihres Mannes (Laurent Lucas) mit einem Golfkollegen bekommt, verlässt sie ihr Zuhause und bricht nach London auf. Der nun alleinerziehende Vater ist mit der neuen Situation überfordert, doch die wirklich Leidenden sind die drei Kinder.

Wer zuerst lacht, hat verloren

Wer zuerst lacht, hat verloren

Die 15-jährige Elise fühlt sich verantwortlich und übernimmt die Rolle der Ersatzmutter in der Familie. Liebevoll kümmert sie sich um ihre zwei jüngeren Brüder, während sie sich mit einem taubstummen Fischer anfreundet und mit einem Nachbarsjungen ihre ersten Liebeserfahrungen macht. Dabei bekommt sie mit, dass nicht nur ihre Familie mit Problemen zu kämpfen hat. Währenddessen konzentriert sich Bruder Coco gänzlich darauf, in der Garage eine Seifenkiste zu bauen. Das jüngste der Geschwister, Benoît, scheint seine Mutter am meisten zu vermissen und verarbeitet dies mit der Zerstörung und dem Verstecken seiner Actionfiguren im Schrank. Für die ganze Familie wird dieser Sommer 1966 ein unvergesslicher werden...


Film-Rating

Nachdem uns die in Genf geborene Kanada-Schweizerin Léa Pool mit The Blue Butterfly folterte, ist sie nun mit einem weit erträglicheren Film zurück. Das Hauptthema des Filmes ist keineswegs neu, doch gut umgesetzt: Sogar hinter der schönsten Fassade der bünzligsten Vorstadt spielen sich dunkle Geschichten ab. Maman est chez le coiffeur erzählt seine Geschichte aus der Perspektive der Kinder. Diese Regie-Entscheidung trägt massgeblich zum Gelingen des Filmes bei. Die drei Jungdarsteller, allen voran Marianne Fortier, sind beeindruckend. Sie erinnern den Zuschauer immer wieder an die Freuden und Leiden der Kindheit und wirken absolut natürlich in ihren Rollen. Durch die Konzentration auf die Kinder kommen die Erwachsenenrollen etwas zu kurz. Die Problematik des alleinerziehenden Vaters wird nur am Rande aufgegriffen, und einige Nebenrollen wirken wie Karikaturen, was durch den kindlichen Blickwinkel jedoch Sinn macht.

Pool gelingt es zudem, die Sechziger Jahre bunt und lebhaft zu rekonstruieren und dem Film ein wahrhaftig sommerliches Flair zu verleihen. Die leichtfüssige Inszenierung steht in Kontrast zur doch eher ernsten Thematik des Filmes. Auch zu Lachen gibt es genug. So ist vor allem der Nachbarsbub, der in Lederhosen über seine österreichische Herkunft prahlt, eine amüsante Ergänzung.

Die Wahl der Songs, die den Film begleiten, ist passend ausgefallen, doch leider ist das Klaviergeplänkel des Scores leicht nervtötend. Auch funktionieren nicht alle Subplots: Die Freundschaft zwischen Elise und dem taubstummen, kuriosen Fliegenfischer mit grossem Herz greift etwas zu tief in die Klischeekiste und hat wenig Einfluss auf die Geschichte oder die Entwicklung von Elise.

Maman est chez le coiffeur funktioniert vor allem auf seiner nostalgischen Ebene. Er versetzt den Zuschauer zurück in die eigene Kindheit und die Zeiten, in denen man bei schönem Wetter täglich draussen am Spielen und Erleben war. Es sind diese Eindrücke, die stärker in Erinnerung bleiben als die eigentliche Geschichte. Maman est chez le coiffeur wird sich so diesen Sommer vermutlich hervorragend an den Open-Air Kinos machen.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.5

 

17.03.2009 / ma

Community:

Bewertung: 5.0 (9 Bewertungen)

 

 

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