Jerusalema (2008)

Jerusalema (2008)

Oder: African Gangster

"Sie nennen mich auch Mackie Messer"

"Sie nennen mich auch Mackie Messer"

Entgegen seinem Namen ist Lucky Kunene (Jafta Mamabolo) kein Glückspilz. Er wurde in eine arme Familie hineingeboren, die sich in der ländlichen Provinz Township Soweto durchschlagen muss. Lucky ist tüchtig und intelligent, und so schafft er die Aufnahme an eine Universität. Auf diesem Weg will er sich und seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen.

Unglücklicherweise erhält er kein Stipendium und müsste sich das Studium selbst finanzieren. Er begibt sich auf die Suche nach einem Job und macht Bekanntschaft mit einigen zwielichtigen Herrschaften, die ihn auch sogleich anstellen. Zusammen mit seinem besten Freund Zakes (Motlatsi Mahloko) stiehlt er Fahrzeuge, meist von reichen, weissen Leuten. Er verdient viel Geld, welches er für Luxus ausgibt - seine Ausbildungs-Pläne legt er auf Eis. Eines Tages sagt er einem grösseren Coup zu: Ein Elektronik-Geschäft soll ausgeraubt werden. Der Plan gelingt nicht, die Polizei kriegt Wind von der Sache, und es kommt zu einer Schiesserei: Wer nicht tot ist, wird eingebuchtet. Nur Lucky und Zakes entkommen.

Saturday Night Assault

Saturday Night Assault

Jahre später: Lucky (nun dargestellt von Rapulana Seiphemo) lebt in Johannesburg und hat der Gewalt abgeschworen. Er gründet die Hillbrow People's Housing Trust, welche sich für die Mieter in seinem Wohnhaus einsetzt. Schnell wächst sein Geschäft, und Lucky wird zum erfolgreichsten Unternehmer der ganzen Stadt. Doch seine kriminelle Vergangenheit holt ihn früher ein, als ihm lieb ist.


Film-Rating

Jerusalema ist der erfolgreichste südafrikanische Film seit Jahren. In seinem Heimatland hat er fast jeden möglichen Rekord gebrochen und wurde nun sogar als Beitrag für den Auslandsoscar eingereicht. Dies überrascht gerade deshalb, weil der Film nicht von irgendwelchen Fördergeldern profitieren konnte. Regisseur und Drehbuchautor Ralph Ziman wurde durch wahre Begebenheiten zu diesem Film inspiriert.

Im Verlauf des Films begeht Lucky sogenanntes "Housejacking". Ein Wohnhaus wird ohne Erlaubnis des eigentlichen Besitzers von Gangstern besetzt. Diese quartieren Leute in den Wohnungen ein, sorgen für deren Sicherheit und kassieren direkt die Miete. Der Besitzer ist fast immer machtlos und muss das Wohnhaus aufgeben. Bei uns undenkbar - in Südafrika Realität.

Drum herum wurde eine interessante Gangstergeschichte gebastelt, mit der Figur Lucky im Mittelpunkt. Ganz klassisch gibt der erste Akt einen Einblick in dessen Jugend. Im späteren Verlauf wird dann der Aufstieg zum einflussreichen Geschäftsmann gezeigt, welcher nicht nur durch legale Geschäfte gelingt. Trotzdem ist Lucky als Identifikationsfigur geeignet, folgt der Charakter doch immer einer eigenen Moral und übertritt nie die Grenzen, die er sich selbst gesetzt hat - vom Finale mal abgesehen. Natürlich ist dies auch dem Hauptdarsteller Rapulana Seiphemo zu verdanken, der seinen Lucky mit Überzeugung verkörpert. Und auch das restliche Ensemble hat seine Arbeit gut gemacht. Was allerdings nicht allen Zuschauern Freude bereiten dürfte, ist das gesprochene Englisch im Film: Der afrikanische Slang ist nämlich nicht immer einfach zu verstehen, selbst für Leute, die gut im Umgang mit der englischen Sprache sind.

Die Geschichte ist an und für sich schon sehr packend, der Look des Films kommt dem zudem noch entgegen: Auf Hochglanz wurde verzichtet, statt dessen ist es staubig, dreckig und oftmals düster. Realismus pur. Dies ist der kaum vorhandenen Beleuchtung zu verdanken. Wo immer möglich wurde nämlich auf Scheinwerfer und Reflektoren verzichtet und nur mit den gegebenen Lichtverhältnissen gedreht. Trotzdem kommt auch der Humor nicht zu kurz, wenn Lucky und sein Kumpel zum ersten Mal ein Auto stehlen und keiner der beiden weiss, wie man eigentlich fährt. Dann muss halt kurzerhand der Bestohlene als Fahrlehrer hinhalten. Solche Szenen lockern die sonst sehr ernste Handlung auf.

Fazit: Jerusalema ist ein in sich stimmiger Film, der in seinem Heimatland zurecht ein grosser Erfolg wurde. Es bleibt zu hoffen, dass der Film auch hier einen Verleiher und somit sein Publikum finden wird.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.0

 

05.10.2008 / yle

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Bewertung: 4.4 (6 Bewertungen)

 

 

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