In Bruges (2008)

In Bruges (2008)

Brügge sehen... und sterben?
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  3. 107 Minuten

Filmkritik: Places you must see before you die

Ich bin auch ein Tourist
Ich bin auch ein Tourist © Studio / Produzent

Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson) sind Profikiller. Nachdem sie in London einen Job erledigt haben, werden die beiden von Auftraggeber Harry (Ralph Fiennes) nach Brügge beordert. In der pittoresken alten Stadt sollen sie bis auf Weiteres einfach etwas Sightseeing machen und auf neue Instruktionen warten.

Brügge? Jawohl, Brügge! In fucking Belgien! Ray möchte gerne so schnell als möglich wieder aus dem Kaff verschwinden. Er ist verwirrt, nervös und deprimiert, weil ihm beim soeben erledigten Job - es war sein erster - ein folgenschwerer Fehler unterlaufen ist. Seine Laune bessert sich erst, als er die geheimnisvolle Chloë (Clémence Poesy) kennenlernt. Diese beweist ihm hautnah, dass Brügge mehr zu bieten hat als bloss schöne alte Häuser. Derweilen erhält Ken einen Anruf von Harry - und damit auch einen neuen Auftrag...

Brügge (Bruges) ist eine schöne, mittelalterliche Stadt mit vielen vielen alten Häusern, schönen Kirchen, romantischen Gassen und allem, was da sonst noch dazugehört. Mit etwas über 100‘000 Einwohnern bewegt sie sich in der Grössenordnung von Schweizer Cities wie St. Gallen, Luzern oder Winterthur. Doch offensichtlich gehört die Stadt - so propagiert wenigstens der Film - zu den Orten, die man gesehen haben muss, bevor man stirbt. Apropos Sterben: Gerade bei dieser Beschäftigung erweisen sich die Charaktere als äusserst zäh. Verraten werden soll hier nicht zu viel, nur dies: Es kann schon mal vorkommen, dass ein zweifach Angeschossener von einem (schönen alten!) Kirchturm fällt und nach der harten Landung noch genügend Lebensatem für die berühmten letzten Worte findet. Realistisch? Nein! Aber so was von egal.

Bereits im Titel In Bruges steckt eine gehörige Menge Schalk, der sich durch den ganzen Film durchzieht. Es der erste abendfüllende Spielfilm des 37-jährigen Engländers Martin McDonagh. Ein Greenhorn ist dieser aber keineswegs, hat er doch seit 2006 für seinen Kurzfilm Six Shooter schon einen Oscar in der Trophäensammlung stehen. Und auch sein Debut als Langspielfilm-Regisseur überzeugt. Kunstvoll gelingt der Spagat zwischen schwarzer Komödie und Drama, und man nimmt dem Film beides ab. Colin Farrell war nie besser und ist gleichzeitig tragischer Held als auch ein herrlich komischer miesepeteriger Möchtegern-Killer. Als gebürtiger Ire eignet er sich besonders gut für diese Rolle, darf er doch dafür einen richtig rauhen irischen Akzent sprechen - und bekanntlich ist ein solcher für ungehobelte Killerrollen nahezu ideal. Ralph Fiennes wiederum verkörpert die Rolle des Bösewichtes, dessen Prinzipien ihm in den Weg kommen, mit viel Lust. Komplettiert wird der exzellente Cast durch den väterlichen Brendan Gleeson sowie die betörend schöne Französin Clémence Poésy. Ihre Verkörperung der Chloë ist vor allem am Anfang auf wunderbar boshafte Weise verführerisch.

In Bruges ist eine ziemlich blutige, aber höchst unterhaltsame, komische und schön in Szene gesetzte filmische Sightseeingtour der etwas anderen Art. Allzu realistisch inszeniert ist diese nicht, doch gerade dies verleiht dem Film eine ganz eigene Komik. Gemieden werden sollte er allerdings von übersensiblen Zeitgenossen, denn es fliesst nicht nur ziemlich viel Blut, sondern der Humor verdient auch die Bezeichnung "schwarz" und ist an einigen Stellen recht deftig, wie beispielsweise in einer Szene, in welcher der Protagonist einen Kinderschänderwitz zum Besten gibt. Brügge ist jedenfalls eine schöne Stadt, immer eine Reise wert. Doch Achtung: Verschlägt es einem jemals dorthin, schaue man sich besser zweimal um. Es könnte ja sein, dass gerade ein Halbtoter vom schönen alten Kirchturm runterfliegt.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 31

S-E-A-L

Wie geil ist denn dieser film!! Drogen, Sex und ein rassistischer Gnom, was will man mehr!

Hervorragende Dialoge zwischen Ray und Ken. Sie vertreten zwar total verschiedene Ansichten, hamonieren aber ohnegleichen.

Der Film ist tragisch und witzig zugleich. Beim Reinziehen dieser delikaten Kost erlebt man richtige Gefühlsschwankungen. Dies nicht zuletzt wegen der perfekten Besetzung und deren Leistung beim Schauspielern.

Weiter so!

Ghost_Dog

lol wie freaky die sache ist, die szenen mit dem zwerg (inkl. schluss) sind so schräg, die dialoge wunderbar komisch. wirklich ein spezieller streifen!

Le-Chiffre

Muss sagen ist ein super Streifen geworden.

Der Anfang des Films ist super, wenig Action, dafür hammer Sprüche und Dialoge. Farrell konnte da wirklich überzeugen.
Über die ganze Dauer des Films ist es gelungen, zwischen Humor, Drama, Action, ein ideales Gewicht zu finden. Hat nie zuviel von etwas.
Dann der Schluss, den finde ich wirklich super gelungen.

Fazit: 5 Sterne

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Trailer Englisch, 02:27