The Hurt Locker (2008)

The Hurt Locker (2008)

Tödliches Kommando - The Hurt Locker
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  2. 131 Minuten

Filmkritik: Bombenstimmung in Bagdad

Für einmal kam die E.O.D. zu spät.
Für einmal kam die E.O.D. zu spät. © Concorde Filmverleih GmbH

Die Jungs von der Explosive Ordnance Disposal (E.O.D.) der US-Army haben einen der härtesten Jobs der Welt. Sie entschärfen Bomben mitten in Kriegsgebieten. Mit ferngesteuerten Robotern oder, wenn's gar nicht anders geht, nur mit Zangen ausgerüstet in einem speziellen Vollschutz-Anzug. Als nur wenige Wochen vor dem Abzug einer Kompanie ein Teamleader (Guy Pearce) beim Einsatz in Bagdad stirbt, bekommen es Sergeant Sanborn (Anthony Mackie) und Specialist Eldrige (Brian Geraghty) mit einem neuen Chef zu tun: William James (Jeremy Renner), ein extrem wagemutiger Elitesoldat, der den Tod nicht zu fürchten scheint. Ohne mit der Wimper zu zucken, hantiert er an Sprengsätzen, die im Umkreis von bis zu 300 Meter für totale Zerstörung sorgen können und brüskiert dabei auch mal willentlich die Befehlskette. Seinen Kollegen ist er deshalb nicht ganz geheuer. Besonders als er sich um Beckham zu sorgen beginnt, einen Buben, der an der Strasse in Kasernennähe mit DVDs handelt, und plötzlich verschwunden ist.

Die einzige Frau, die ordentliche Actionfilme zustande bringt, ist wieder da! Kathryn Bigelow zeigt mit The Hurt Locker, dass sie das Handwerk des Adrenalinkinos auch nach einer sechsjährigen Pause immer noch beherrscht, und liefert gleichzeitig das Portrait einer gebrochenen Persönlichkeit, wie man sie sonst nur aus Autorenfilmen kennt. Wie schon in 28 Weeks Later gibt Jeremy Renner den skrupellosen Elitesoldaten. Die Stars im Film (Ralph Fiennes, Guy Pearce und Evangeline Lilly) haben Kurzauftritte und/oder sterben meist nach kurzer Leinwandpräsenz. Unser Man on a Mission ist Renner als Staff Sergeant James. Im Grunde ein Irrer, bei dem man aber nicht darum herum kommt, ihn doch zu mögen.

Ja. The Hurt Locker ist ein Film, der im Irakkrieg spielt. Dafür ist der mitreissende Streifen aber erfreulich "unamerikanisch". Es fehlt sowohl der Hurra-Patriotismus der im Bild wehenden Fahnen, als auch die arabischfeindlichen Untertöne. (Das Drehbuch stammt vom Journalisten Mark Boal, der schon die Vorlage für den ebenso gelungenen In The Valley of Elah lieferte.) Stattdessen ist es eine Aneinanderreihung von an sich simplen Entschärfungsaufträgen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Bigelow inszeniert das spannend, handwerklich perfekt und oft auch atemberaubend. So wirkt es oft wie eine Doku, wobei eine Schiesserei in der Wüste als besonders effektiv hervorgehoben werden muss. Dafür wird auf notgeile Kämpfer, Saufgelage, dümmliche Soldatenspielchen, arschlochige Vorgesetzte und sich als Helden herausstellenden Milchbubis verzichtet. Nur die einsame Ehefrau - allein mit dem Nachwuchs zuhause - muss kurz als Kriegsfilmklischee herangezogen werden. Aber auch sie ist nur ein Teil der emotionalen Probleme, mit denen sich Soldat James im wesentlichen herumschlägt. Frau und Kind zuhause sind ihm genauso egal wie die riesige Auswahl am Frühstücksflöckli im US-Supermarkt. Eigentlich will er nur Bomben entschärfen. Er sammelt sogar Zünder und ähnliches, die ihn fast um die Ecke gebracht haben, unter seinem Bett. Vollste Identifikation mit dem Job also und der Krieg als regelrechte Droge. Deshalb sagt The Hurt Locker auch ganz viel über all die Männer aus, die sich heute noch freiwillig beim Militär melden.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Kommentare Total: 13

daw

Ich kann der Meinung von Chemic nur zustimmen.

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Warum gehen die drei Männer plötzlich alleine los und machen einen auf Held? Das passt irgendwie gar nicht....

Ansonsten sehr guter Film. Toll inszeniert und auch schauspielerisch sehr überzeugend. Werde ich mir sicher noch ein Mal anschauen.

Chemic

Nun ja, Hurt Locker ist ein guter bis sehr guter FIlm, ob er nun 6 Oscars wert ist vermag ich aber zu bezweifelen. Regie OK, Film naja, Drehbuch......no way!

Handwerklich gibts nichts zu meckern, nette optische Gimmicks, bombastischer Ton, stimmunsvoller Soundtrack....so wie nichts anders zu erwarten von Kathrin Bigelow.

Der Hund liegt meiner Meinung nach in der Story begraben die weder Fisch noch Fleisch ist. Bigelow wertet diese Geschehnisse zwar nicht, vollzieht aber eine gnadelose desmakierung des Soldatenmythos in dem sie den "Helden" als Junkie darstellt an dem die Ideale und der Sinn des Krieges (aus US-Sicht) völlig vorbeigehen. Das führt dazu das die letzten 30 Minuten des Filmes einen ganz starken Eindruck hinterlassen auch wenn sie hier die klassichen Stereotypen bedient. Hingegen ist auch klar das Bigelow eben diese Stereotypen und den Pathos als Stillmittel verwendet und daher der Streifen auch ein wenig polarisiert und falsch verstanden wird.

Doch alles zwischen dem explosiven Anfang und dem starken Schluss ist mir zu wirr, etwas zu surreal und teilweise einfach zu langweillig und kommt qualitativ nicht über das Level eines normalen Actioner hinaus. Die leidige Heckenschützenepisode mag vieleicht den Charakter von James ein wenig zu entwicklen ist aber einfach nur öde und sinnlos, die Rache der 3 an den Attentätern auf eigene Faust ist vergleichbar mit Horrofilmen wo der Protagonist sagt "ich geh mal kurz nach draussen um zuschauen was vor sich geht" und ist doch ziemlich billig und auch die Saufgelage und Pöbeleien wirken etwas deplaziert in der Linie des Filmes. Alle diese Elmente mögen vieleicht bei einem Film wie Jarhead bestens funktionieren da dieser sich nie als Actionfilm sieht, Hurt Locker möchte aber Drama und Actioner sein und das misslingt meiner Meinung nach doch ein wenig.

Für mich ist das auch der Hauptgrund warum der Film eptisch floppte. Für den Actionfan ist das Teil zu ruhig, für ein Drama zu oberflächlich, ergo lässt sich der Film nicht vermarkten. Dazu kommt das die Amis mittlerweile eh keinen Bock mehr haben auf Kriegsthematik in diesem Still. Desweiteren halte ich Jeremy Renner einfach nicht für einen guten Schauspieler, seine Kollegen im Film machen das weitaus besser. Dazu kommt das Film auch mit Guy Pearce, Ralph Finnes und David Morse warb, welche zusammen gerade mal 10 Min Screentime habenund was ich auch sehr enttäuschend fand.

Der Film ist gut, 4 Sterne fix, keine Frage aber aus meiner SIcht nicht auf dem Level wofür ihn die Academy hält. Politische Richtung schön und gut aber da hätte man auch Eastwood vor ein paar Jahren auszeichen können, Flag of our Fathers fand ich da deutlich konsequenter als The Hurt Locker.

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Was mich an diesem Film sehr angemacht hat, war die Thematik. Habe schon länger kein Film gesehen, der eine top aktuelle Story liefert. Die Erzählweise ist sehr packend insziniert worden, die Spannung stehts vorhanden und das Ende regt zum Nachdenken an.

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