Cloverfield (2008)

Cloverfield (2008)

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  2. 85 Minuten

DVD-Review: Der teuerste Hobbyfilm aller Zeiten...

Feuer Frei!
Feuer Frei! © Studio / Produzent

Rob (Michael Stahl-David) hat einen Job als Vizepräsident einer Firma in Japan angenommen und verlässt Amerika. Doch zuvor schmeissen seine Freunde eine Abschiedsparty, die Kumpel Hud (TJ Miller) mittels Videokamera festhält. Der filmt zwar lieber Marlena (Lizzy Caplan), doch die versucht krampfhaft, die Kamera zu ignorieren. Als Beth (Odette Yustman) auftaucht, wirds kompliziert. Denn natürlich ist Rob in sie verliebt, aber die Kommunikation zwischen den Beiden klappt so gar nicht.

Das ist alles auch relativ unwichtig, als plötzlich die Erde bebt. Die Lichter der Stadt gehen aus und die Nachrichtensender vermuten ein Erdbeben. Unsere Partygruppe geht aufs Dach des Hauses um einen besseren Blick zu haben und sieht auf einmal Feuerbälle am anderen Ende von New York. Was ist da los? Ein neuer Terror-Anschlag?

Die Blue Man Group in Action
Die Blue Man Group in Action © Studio / Produzent

In Panik rennt die Meute auf die Strasse, wo ihnen der Kopf der Freiheitsstatue entgegengeflogen kommt. Jetzt wissen auch Rob und Kumpels, dass etwas Gröberes im Gang ist. Das Militär greift ein und unser Kamerakind Hub hält weiter auf alles drauf, was sich bewegt. Unter anderem auch auf ein scheinbares Monster, das zwischen den Hochhäusern durch trampelt und alles niedermetzelt, was ihm in die Quere kommt.

Die Stadt ist in Panik, das anfänglich nur vermutete Monster entpuppt sich als realer Albtraum und ausgerechnet Beth meldet sich via Handy aus ihrem Haus. Sie ist eingeklemmt und kann sich nicht bewegen. Grund genug für Rob, Hud und Gefolge, sich den Warnungen des Militärs zu widersetzen und sich auf die Suche nach ihrer Freundin zu machen. Auch wenn das heisst, dass der Weg in die Richtung führt, in der auch das Monster wütet. Und das hat noch einige, kleinere, Überraschungen parat.

Blair Witch Project war ein Phänomen: Der Film wurde als Video vermarktet, welches von einigen Teenagern mit ihren Kameras aufgenommen worden war und die letzen Tage ihres Lebens dokumentierte. Eine Pseudomythologie und viel Trara führten zu einem gigantischen Erfolg, und es ist eigentlich erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis das Konzept wieder aufgegriffen wurde. Heute, knapp ein Jahrzehnt später, kam Cloverfield in die Kinos und hier konnte sich Mr. Lost, alias Produzent J.J. Abrams, richtig austoben. Mit penibler Geheimhaltung und einer bisher ungesehenen Internetwerbekampagne schraubte er die Erwartungen in die Höhe und lockte so ein Millionenpublikum in die Kinos. Wirkliche Begeisterung löste der Film allerdings nicht aus. Vor allem wegen der voran gelaufenen Pseudohype war man von dem nichtssagenden Film eher enttäuscht und man fragte sich, warum ein solches Theater um ein Film veranstaltet wurde, der nicht einmal die Antworten zu den Fragen lieferte, welche die Werbekampagne ausgelöst hatte.

Cloverfield arbeitet, wie auch Blair Witch Project mit der First-Person-Perspektive und überlässt es sozusagen dem Cast, die Action aufzuzeichnen. Damit ist er in guter Gesellschaft, denn die Filme Diary of the Dead und der spanische [REC] kamen ebenfalls im gleichen Jahr in die Kinos, was einen Vergleich natürlich aufdrängt. Cloverfield ist in dieser Hinsicht klar der spektakulärste und kann vor allem mit pompös inszenierten Bildern und intensiver Action punkten, während die anderen mehr auf Horror und Intensität setzen. Auch wenn es in Cloverfield einige Herzinfarktmomente hat, ist er primär ein Katastrophenfilm, bei dem man nicht von ausserhalb zuschaut, sondern durch die Teenies mitten drin ist. So erlebt man die Panik, das Chaos und die Verluste hautnah mit. Das ermöglicht ein völlig neues Filmerlebnis, man ist so nahe wie noch nie an der Action und erlebt wirklich intensive Momente.

Wie auch die anderen Filme, welche in dieser First-Person-Perspektive gedreht wurden, birgt Cloverfield ein grosses Manko. Da der Film als "geborgenes Video" verkauft wird, welches die Ereignisse aus den Augen der Teenager dokumentiert, hat man lange keine Ahnung, was rund herum abläuft. Deshalb streift Cloverfield sehr nahe am simplen Porträtieren von Chaos vorbei, denn ausser vereinzelten Newsmeldungen gibt es nichts, was irgendwelche Informationen liefert. Deshalb muss man sich mit einer symbolischen Geschichte zufrieden geben, welche oberflächlich und ohne Tiefe ein Katastrophenspektakel abfackelt, das zwar sehr kurzweilig ist, aber nur beim ersten Mal schauen einigermassen interessant ist. Da weder über den unbekannten Agressor, noch über dessen Herkunft irgendwelche Informationen geliefert werden, bleibt man auch recht ratlos zurück. Bei den Schauspielern ist es leider auch nicht anders, denn diese bleiben grösstenteils gesichtsloses Frischfleisch, erwecken kaum Sympathien und dümpeln auch in Sachen Dialoge auf den Niveau "saublöd". Die beiden Sätze "Oh my god!" und "go go go" fassen etwa 50 % des Gesprochenen zusammen.

Dass Cloverfield wenig Inhalt hat, darüber kann man hinwegsehen, schliesslich wird viel Spannung geboten. Die teilweise sehr stupiden Dialoge können auch als natürlich angesehen werden, denn wer bringt schon viel Intelligentes über die Lippen, wenn ein Monster gerade die eigene Stadt zerstört. Der wirkliche Killer ist aber die Kameraführung. Während [REC] noch versucht hat, die Handlung einigermassen sauber einzufangen, wird bei Cloverfield geruckelt und gewackelt, dass es einem richtig schlecht wird und die Übersicht im Minutentakt flöten geht. Klar muss hier die Kameraführung etwas unsauberer als bei "normalen" Kinofilmen sein, aber hier ist es schlichtweg too much und da selten das gefilmt wird, was wirklich interessant ist, hilft das dem Film auch nicht.

Fazit: Schaut euch Godzilla an, damit ihr wisst worum es sich handelt, und dann seht euch Cloverfield an, damit ihr wisst, wie es ist. Hier kann man die Action hautnah miterleben und sich mit den Teenagern der Panik und dem Chaos aussetzen. Da aber kaum Hintergrundinformationen geliefert werden, braucht es oft sehr viel Orientierungsvermögen, um zwischen all dem Geruckel noch zu erkennen, wo sie eigentlich stehen. Ebenfalls darf man keine hohen Anforderungen in Sachen Storytiefe und schauspielerische Fähigkeiten stellen. Letztendlich ist Cloverfield aber kein Film in normalen Sinne, sondern ein Erlebnis, welches wohl noch einige Nachahmer und Sequels haben wird und mit [REC], der zur gleichen Zeit entstanden ist, wohl zum Referenzprodukt in diesem First-Person-Genre geworden ist.

Die DVD hat einige Vorteile zum Kino. Das 80-minütige Gewackel wirkt sich kaum auf den Bauch aus, und viele Bilder, besonders die Special Effects wirken um einiges schärfer als im Kino, was man vom Ton allerdings kaum sagen kann. Der Bass donnert zwar kräftig, doch alles andere wirkt sehr dumpf und arbeitet kaum mit Surround. So geht viel von der Atmosphäre verloren. Das Bonusmaterial enthält neben dem obligatorischen Audiokommentar die üblichen Outtakes, Deleted Scenes und einigen Trailer. Die wirklich interessanten Dokumentationen sind aber zum einen ein langes Making Of des Filmes sowie Beiträge über die Special Effects, welche gute Einblicke in die ursprünglich streng geheimen Dreharbeiten geben.

/ db

Kommentare Total: 34

HomerSimpson

Zitat rem (2012-03-03 10:28:45)
Zitat Chemic (2010-05-06 11:46:54)

JJ Abrams ist ja soooo kreativ! 😄

http://www.bloody-disgusting.com/news/20083

Hat sich wohl jetzt als falsch herausgestellt 😴

Aber eigentlich sahen die Aliens ja irgendwie ähnlich aus ;)

rem

Zitat Chemic (2010-05-06 11:46:54)

JJ Abrams ist ja soooo kreativ! 😄

http://www.bloody-disgusting.com/news/20083

Hat sich wohl jetzt als falsch herausgestellt 😴

Chemic

JJ Abrams ist ja soooo kreativ! 😄

http://www.bloody-disgusting.com/news/20083

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