Changeling (2008)

Changeling (2008)

Der fremde Sohn
  1. , ,
  2. 141 Minuten

DVD-Review: Dieser Knirps soll mein Sohn sein?!

Plauderlinie
Plauderlinie © Studio / Produzent

Los Angeles, im März 1928: Christine Collins (Angelina Jolie) ist eine alleinerziehende Mutter und arbeitet als Supervisorin in einer Telefonzentrale. Als sie eines Tages von der Arbeit heimkehrt, ist ihr Sohn Walter spurlos verschwunden. Verzweifelt alarmiert sie die Polizei. Fünf Monate später meldet sich diese bei ihr: Sie habe ihren Sohn aufgespürt, er sei von einem Landstreicher entführt und mitten in der Pampa von diesem zurückgelassen worden. Christine ist überglücklich.

"Liebling, du hast die Kinder geschrumpft!"
"Liebling, du hast die Kinder geschrumpft!" © Studio / Produzent

Stolz und im Beisein einer neugierigen Medienschar präsentiert die Polizei Christine das wieder aufgetauchte Kind. Kleiner Schönheitsfehler: Das Kind ist gar nicht Walter! Doch doch, das sei er schon, versichert Polizist J. J. Jones (Jeffrey Donovan) der zu Tode enttäuschten Christine. Ihr Sohn habe sich halt verändert in den fünf Monaten und aufgrund ihrer emotionaler Aufregung sei das völlig normal, dass sie ihn am Anfang nicht wiedererkenne. Und auch der Junge bestätigt, dass er Walter und Christine seine Mutter sei. Seltsam nur, dass er deutlich kleiner ist als zuvor, den Namen seiner Lehrerin nicht kennt und im Schulzimmer seinen Platz nicht findet.

Christine interveniert bei der Polizei, wird jedoch erneut abgeschmettert. Also wendet sie sich an die Medien und hält dabei Unterstützung von Reverend Gustav Briegleb (John Malkovich), der in seinen Predigten und einer eigenen Radioshow schon seit langem die korrupte Polizei von L.A. kritisiert. Der Fall wird so zu einem grösseren Medienereignis. Die unter Druck gekommene Polizei sieht sich zum Handeln gezwungen...

Clint Eastwood ist bekannt und berüchtigt für seine schwermütigen Dramen, so stammen ja auch Million Dollar Baby und Mystic River von ihm. Für Changeling hat er sich bei den wahren Geschichten von Christine Collins und den Wineville-Chicken-Morden (1928) bedient und diese gekonnt tragisch und schockierend in Szene gesetzt, so dass es einem Schauer über den Rücken jagt.

Die Story des Psychothrillers geht unter die Haut und ist sehr bewegend: Eine Mutter kommt von der Arbeit zurück und entdeckt, dass ihr Sohn verschwunden ist. Sie lässt die Polizei nach ihrem Sohn suchen, doch diese bringen einen falschen Jungen zurück. Christine Collins setzt alle Hebel in Bewegung, um ihr Ein und Alles aufzufinden und eckt damit bei der Polizei an, welche sie zwangsmässig in eine psychische Klinik einliefern lassen und von ihr verlangen, dass sie den falschen Jungen als ihren Eigenen akzeptiert. Aber welche Mutter würde das schon tun...?

Der Film dauert mit 140 Minuten leider etwas zu lange, aber dafür verliert er seine Spannung bis am Schluss nicht. Angelina Jolie spielt die Rolle der verzweifelten Mutter und gebrochenen, gedemütigten Frau ausgesprochen intuitiv und überzeugend, was ihr wohl vor allem deshalb so gut gelungen ist, weil sie sich gut in ihre Rolle hinein fühlen konnte, ist sie doch selbst Mutter vieler Kinder. Dass sie aber fast schon als wandelndes Knochengestell über den Bildschirm flimmert, passt zwar zu ihrer Filmrolle, aber schreckt einen als Zuschauer ab, vor allem dann, wenn man ihre knöcherigen Hände zu sehen bekommt. Die Kleidung, die sie in Changeling zu tragen bekam, kommen an ihr aber trotzdem gut zur Geltung und wurden zeitgemäss den 20er Jahren angepasst. Neben Jolie spielen auch weitere Schauspieler überzeugend, allen voran Jeffrey Donovan (Hitch), der den Part des bösen Polizisten Captain J.J. Jones übernommen hat. Sein Schauspielkollege John Malkovich (Burn After Reading) durfte zwar eine nettere und hilfreichere Filmrolle einnehmen, geht im Film selber aber eher baden.

Fazit: Allen Menschen mit Gerechtigkeitssinn, mit der Meinung, dass die Hoffnung zuletzts stirbt, und der Vorliebe zu Filmen mit Geschichten, die tatsächlich passiert sind, ist Changeling zu empfehlen. Der Psychothriller dauert zwar etwas lange, verspricht aber durchgehende Spannung ohne langweilige Sequenzen.

Wirklich vielfältiges Bonusmaterial ist auf der DVD nicht zu finden, dennoch lohnt es sich, das Making-of und die Interviews mit Clint Eastwood und Angelina Jolie anzuschauen.

/ cin

Kommentare Total: 10

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Mir hat der Streifen ordentlich gefallen. Meiner Meinung nach zu lang geraten. Im Mittelteil spürt man die Überlänge. Dafür sehr gut gespielt von Jolie. Storymässig ist es spannend, weil man wissen möchte was am Schluss Sache ist. Die letzten 30min sind recht heftig und bleiben haften.

solarkritik

Einer der besten Clint Eastwood-Filme als Regisseur !!

farossi

ein ziemlich heftiger film, hat mich enorm beschäftigt (und tut es immer noch...). in gewohnter eastwood manier erzählt, solide gespielt, stellenweise schonungslos und nachhaltig wirkend. ohne frage: sör eastwood versteht sein handwerk!

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