bill - das absolute augenmass (2008)

  1. 94 Minuten

Filmkritik: Ein Leben in Genialität

"Es drüllt in meinem Kopf!"
"Es drüllt in meinem Kopf!" © Ariadnefilm

Max Bill war zweifellos einer der wichtigsten Schweizer Künstler des vergangenen Jahrhunderts und ein Multitalent sondergleichen. Bill war Maler, Skulpturist, Architekt, Typograf, aber vor allem: Designer. bill - das perfekte augenmass dokumentiert die Stationen des 1994 verstorbenen Künstlers, vom Rauswurf aus der Kunsti in Zürich bis zum Gewinn des "Praemium Imperiale", dem Nobelpreis der Künste.

Bills Leben ist eine Zeitreise durch die hügelige Geschichte des 20. Jahrhunderts. Immer wieder war er politisch aktiv, gestaltete etwa während des Zweiten Weltkrieges antifaschistische Bücher, die die Bevölkerung in Deutschland über die Gräueltaten ihres Führers hätten aufklären sollen. Sein jugendlicher Rebellismus kanalisierte sich später in eine ausgeprägte Zivilcourage, die er auch in der Politik auslebte. Diese offen dargestellte Haltung hatte jedoch seine Folgen: Bill wurde rund 50 Jahre fichiert, auch dann noch, als er in den Sechziger Jahren als Nationalrat tätig war.

Dieses Jahr wäre Max Bill 100-jährig geworden. Filmemacher Erich Schmid stand Max Bill sehr nahe, wusste um dessen ausgeprägte Geschichte und verfügte dazu über reichlich Filmmaterial. So fertigte er ein Portrait an, das einen ausserordentlichen Menschen zeigt, der seiner Kunst stets ein festes Fundament zugrunde legte. Seine "konkrete Kunst" verfügte über mathematisch-geometrische Grundsätze, die er sich im Bauhaus-Studium in Dessau einverleibte.

So ist ein Teil der Geschichte von Bill auch die der niemals endenden Linie von Prägung und Influenz. In seinen Jahren als Professor an der Kunstschule Ulm unterrichtete er Studenten aus der ganzen Welt, die später seine Designansätze global weiterverbreiteten. Ob eine Tasse oder ein Zug: Immer wieder kann es sein, dass man indirekt mit Max Bill in Berührung kommt.

Erich Schmid (Meier 19) verliert jedoch neben dem opulenten Oeuvre der Hauptfigur deren weiteres Leben nie aus den Augen. Viele private Aufnahmen zeigen Bill als Mensch, der relativ spartanisch lebte und der persönliche Schicksalsschläge in seiner Kunst verarbeitete. Aus negativer Kraft positive machen - dass ist eine Quintessenz des Films, der faszinierend eine Person zeigt, die sich in gewissen Charakterzügen erfrischend unschweizerisch gab.

/ uas

Kommentare Total: 2

Spaceodysee

Dieser Film hat nicht nur das absolute Augenmass, sondern ist auch absolut spannend mit ununterbrochenen Überraschungen bis zum fulminanten Ende.

uas

Filmkritik: Ein Leben in Genialität

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