Der Baader Meinhof Komplex (2008)

Der Baader Meinhof Komplex (2008)

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  3. 150 Minuten

Kommentare Total: 29

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aru

Filmkritik: Jung, dumm und stolz darauf!

psg

Boah, da wird der Film ja in den höchsten der höchsten Töne gelobt! Der Trailer sah jedenfalls viel versprechend aus. Wenn's wirklich so gut wird wie Sophie Scholl (was ich trotzdem immer noch stark bezweifle), dann können wir uns ja echt auf etwas Grosses gefasst machen...

aru

Der Film selber ist viel besser noch als der Trailer. Viel tiefgründiger. Ich würde u.U. glatt nochmal reingehen, so gut ist er und das passiert mir nicht oft! Auf jeden Fall go luege!

gargamel

Zitat aru (2008-09-24 03:38:06)

Der Film selber ist viel besser noch als der Trailer. Viel tiefgründiger.

ja, das erlebt man wirklich nicht oft! der film ist besser als der trailer! und tiefgründiger! am ende wohl sogar noch länger?! 😄

gargamel

ernsthaft: ich hab' das ding nicht gesehen, aber deine kritik zeigt wunderbar auf, wo das problem dieser art filme ("der untergang" geht in dieselbe richtung) liegt: sie tun so, als wären sie objektive abbilder der realität und der zuschauer geht aus dem kino und denkt: "genau so war's".

Beispiele gefällig?

Zitat aru (2008-09-22 14:43:00)

Alle drei Hauptdarsteller lassen einen genau spüren, wie damals die Stimmung in diesem Trio gewesen sein muss.
[...]
Die sture Dummheit und Unbelehrbarkeit dieser jungen Möchtegern-Revoluzzer lässt einen schaudern. Der Film zeigt: dies waren keine wahren Revolutionäre, mit klaren Zielen im Kopf und durchdachten Methoden.
[...]
Der Film zeigt auch, wie Dummheit neue Dummheit produziert. Ulrike Meinhof, eigentlich eine gebildete, kluge Frau, entwickelt sich im Kontakt mit Baader und Ensslin zu einer weiteren Idiotin.

alles statements, die film und historie als völlig kongruent auslegen, was ganz einfach falsch und naiv ist.

pb

ich habe kürzlich eine Diskussionsrunde auf der ARD bzgl. dieses Films gesehen, in der selbst die darsteller untereinander sich nicht einig waren, wie genau ihre tätigkeiten im film auf tatsachen beruhen würde. verwunderlich waren dabei teilweise die aussagen von martina gedeck.

aber um dem film zumindest in D zum erfolg zu verhelfen, ist wohl eine verflachung der tatsachen auf unterhaltungsniveau "nötig".

schmoov

Habe die Diskussionssendung bei "Anne Wille" auch gesehen und bin etwas erstaunt über die äusserst positive Kritik hier. Vielleicht ist es ja ähnlich wie bei "Das Leben der Anderen". In CH war man durchwegs begeistert. Erst bei dem Besuch auf einer deutschen Website oder im Gespräch mit einem Deutschen, kamen Zweifel auf, ob der Film tatsächlich so gut war.
Das Thema ist hochkomplex und ich glaube, es gelingt nur sehr wenigen "Geschichtsspielfimen", die Lage der Opfer und Täter ausgewogen wiederzugeben und gleichzeitig auch der Historie einigermassen treu zu bleiben. Ich wäre daher etwas vorsichtig mit der vollen Punktezahl. Bin aber zumindest gespannt, ob der Film tatsächlich sooo gut ist.

silveira

sorry, aber deine kritik ist ziemlich schwach. es beginnt beim levi zitat, der mit dieser aussage selbst ins klo gegriffen hat. diese aufarbeitung musste regelrecht erzwungen werden und hat erst auf druck der 68er stattgefunden! zugleich zeigt die tatsache, dass du dieses zitat gewählt hast, dass du selbst von der auseindandersetzung der nachkriegskinder mit ihren eltern nicht viel weisst oder verstanden hast. ich find es es auch gefährlich, wie du diesen film als historische quelle benutzt und daraus deine schlüsse ziehst. er ist zweifellos hervorragend inszeniert, die settings sind aufwändig und glaubwürdig. wahrscheinlich hast du dich durch die "unfilmische" dramaturgie täuschen lassen. durch den anfang und das ende, die einfach aus den geschichstbüchern gepflückt wurden und irgendwie beliebig wirken (die geschichte der raf geht nicht mit schleyer zu ende!) die aneinanderreihung von ereignissen, die verhinderung von sympathie bzw. antipathie mit figuren widerspricht der "üblichen" filmischen logik. letztendlich ist baader-meinhof aber spektaktel. spektakel wie es von eichinger zu erwarten ist. unterhaltung, aber kein meisterwerk. ein meisterwerk über die geschichte der raf gelingt wohl nur über verfremdung und abstraktion. Sicher nicht über erzwungene und nicht erreichbare objektiktivität wie sie uns der film vorgaukeln will. auch die ikonische bildsprache: mehr voyerismus als auseinandersetzung mit einem sogenannten mythos. die raf war nicht mythos sondern realität.

aru

Also zu aller erst: ich bin in Deutschland aufgewachsen, bin halb Deutsche und halb Französin. Meine historischen Kenntnisse sind mehr als genügend um diesen Film bewerten und einordnen zu können. Ich betrachte diesen Film keineswegs als historische Quelle, das wäre absurd. Und natürlich weiss ich, dass die Geschichte der RAF nicht mit der Ermordung Schleyers schlagartig zu Ende ist. Das behaupten weder ich, noch der Film.
Auch ist klar, dass die Schauspieler eine Interpretation der Stimmung abgeben. Ich sage lediglich: es kommt einem realistisch vor, es *könnte* durchaus so gewesen sein. Wissen werden wir es eh nie wirklich.
Was die Mythosfrage angeht: die RAF war bittere Realität, doch es hat sich schon damals ein Mythos um diese Organisation gebildet, der auch lange noch angehalten hat. Eines der erklärten Ziele von Eichinger (und Bleibtreu hat das ebenfalls gesagt) war es, dem ganzen die Coolheit, den Mythos eben, zu nehmen und ein realistischeres Bild dieser Zeit und dieser Menschen zu zeigen. Dass es eben keine noblen Helden mit noblen Zielen waren, sondern ein paar dumme Unzufriedene die nach dem Regierungswechsel nicht verstanden haben, dass die Dinge sich geändert hatten und einfach weiter randalieren wollten.Dieses Ziel erreicht der Film meiner Meinung nach. Und ein Film muss auch nach seiner Zielsetzung bewertet werden.
Es tut mir Leid, wenn euch meine positive Kritik des Filmes nicht gefallen hat, aber aus meiner Sicht der Dinge, sowohl von meinen historischen Kenntnissen her als auch dramaturgisch und formell ist der Film hervorragend gelungen. Ich behaupte nicht, dass der Film eine Geschichtsstunde ist, aber er ist sehr nah dran an dem Buch auf dem er basiert und das ist extrem genau recherchiert, gilt sogar als Referenzwerk zur RAF-Zeit. Ach ja: und was ist schlimm daran, etwas aus Geschichtsbüchern zu holen? Gerade das ist ja schon fast ein Gütesiegel an sich. Der Film ist auch keineswegs typisches Eichinger Spektakel. Es ist ein Film, natürlich mit filmischen Charakteristika, aber er ist nicht auf Effekthascherei aus obwohl er extrem beeindruckend ist.
Mit dem Trailer meinte ich das übrigens so: der Trailer bezieht sich sehr auf die aktionreichen Momente des Films und macht dennoch Lust. Der Film selbst beinhaltet natürlich all das und noch viel mehr. Man hat also endlich mal einen Trailer, der einem nicht einen guten Film nur vorgaukelt.Ich habe schon zig Trailer gesehen, die gut aussahen und wo der Film selbst extrem schlecht und lächerlich/blöd ausfiel. So war mein Kommentar gedacht.

[Editiert von aru am 2008-09-24 13:52:36]

[Editiert von aru am 2008-09-24 13:53:44]

[Editiert von aru am 2008-09-24 13:55:30]

silveira

ich war wohl etwas harsch. eigentlich möchte ich deine kenntnisse der dt. geschichte nicht in frage stellen, ich kenn dich ja gar nicht (die tatsache, dass du deutsche wurzeln hast, kann aber grundsätzlich nichts über diese kenntnisse aussagen). was ich anzweifle und mehr für ein publizistische fingerübung der produzenten halte ist dieser ganze "mythos". in der extremen linken gibt es sicher noch symphatisanten aber in der breiten bevölkerung hat die raf wohl nie unterstützung genossen und die wenigsten mögen baader und ensslin für "cool" gehalten haben. der film soll darstellen was passiert ist, ok. nach eichinger zerstören die tatsachen also jegliche identifikation mit der gruppe. du musst aber zugeben, dass der film, im gegensatz zur realität, genug potenzial bietet zbsp baader cool zu finden. das ganze bullenschweine geprolle, mit waffen rumspielen und in geklauten, schnellen wagen durch die nacht jagen, noch im knast sich mit den wärtern prügeln, es gibt genug leute die das cool finden. ich finde eichinger etwas verlogen, mit seiner aufarbeitung, als würde er für die allgemeinheit arbeiten. der will kohle machen, punkt. noch zu den motiven und politischen ansichten der raf leute: die fertigst du schon etwas simpel, regierungswechsel und so. da musst du schon mehr ins detail gehen, da schwirrten viele theorien umher, die über einen simplen regierungswechsel hinausgehen. als würde sich mit einem regierungswechsel die gesellschaft ändern. aber wie gesagt, der film bietet meiner meinung nach beste unterhaltung, nie langweilig, 1a schauspieler und der surroundsound kracht so richtig. spektakel halt.

schmoov

@ aru

Die Kritik zu kritisieren sollte man wohl besser lassen, so lange man selbst den Film nicht gesehen hat. Ich stelle mir einfach die Frage, ob der Film wirklich so gut sein soll. In D gehen die Meinungen dazu bereits weit auseinander. Und wenn der Bleibtreu dann noch das politische Interesse jener Generation preist (vgl. ARD, "Anne Wille", letztes Statement) und sich über die heutige Unverdrossenheit in politischen Fragen auslässt, ja dann, dann muss wohl doch stark bezweifelt werden, dass die RAF im Film "entromantisiert" wird.

aru

Ich denke wer aus dem Film geht und Baader u. Ensslin cool findet, hat sicher etwas nicht verstanden. Gerade das, finde ich, lässt der Film eigentlich nicht zu. Aus meiner Sicht zu Recht.
Dass man mehr ins Detail gehen müsste, damit hast Du zweifelsohne Recht. Leider ist der Platz für uns hier auf eine bestimmte Zeichenzahl begrenzt, sonst wären meine Ausführungen, gerade über die politische Lage, sicher ausgiebiger und differenzierter ausgefallen. Ich hatte zu dem Film 19 Seiten Notizen. Zum Vergleich: normalerweise sind es 4-9.
Auch dass das Aufwachsen in Deutschland kein Garant für eine gute Ausbildung und noch weniger für gute Geschichtskenntnisse ist, ist mir bewusst. Dazu kann ich nur sagen: ich habe mich vor der Visionierung nochmals in das Thema eingearbeitet, ich wäre nicht in den Film zum kritisieren gegangen, hätte ich nicht gewusst was ich tue und ich bin in einem Historikerhaushalt aufgewachsen, bei dem solche und andere historische Themen schon fast zu den täglichen Unterhaltungen/Diskussionen gehörten. :)
Ich hoffe, das klärt die Lage noch ein bisschen besser auf. Ansonsten bleibt uns noch die Floskel: über Geschmack lässt sich nicht streiten. Aber das ist wirklich eine schlimme Floskel :D ;)

gargamel

Zitat aru (2008-09-24 13:44:57)

Dass es eben keine noblen Helden mit noblen Zielen waren, sondern ein paar dumme Unzufriedene die nach dem Regierungswechsel nicht verstanden haben, dass die Dinge sich geändert hatten und einfach weiter randalieren wollten.

du siehst die welt schon etwas schwarz/weiss, meine liebe: auf der einen seite die "idioten", "dummen unzufriedenen" und "randalierer", die nichts anderes waren als "ein haufen schwer erziehbarer schulkinder", auf der anderen seite die deutsche gesellschaft, die nach einem regierungswechsel plötzlich zu einem fröhlichen haufen von gutmenschen wurde (ich bin etwas polemisch, ich weiss)...

ich will hier keinesfalls die aktionen der raf verteidigen, aber ich sehe durchaus, wie man in der damaligen zeit als junger idealist auf diesen falschen dampfer geraten konnte. nur schon alle die alten nazis, die einfach in einem neuen politischen kleidchen weitermachten, als hätte es das dritte reich nie gegeben (schleyer z.b. war mitglied der ss...).

und zu deiner bemerkung, du könnest sehr wohl zwischen historie und filmischer aufbereitung unterscheiden: gerade diesen eindruck hatte ich eben nicht beim lesen deines eingangsposts...

[Editiert von gargamel am 2008-09-24 15:39:34]

aru

@ gargamel - in meiner Kritik sage ich genau das: es ist nachvollziehbar, wieso die RAF so viele Mitläufer und Sympathisanten hatte

Zu meiner Meinung über die RAF-Leute stehe ich. Ich denke nicht, dass solches Benehmen, obwohl vielleicht erklärbar und nachvollziehbar, je zu dulden war. Deutschland war auch sicherlich kein nur mit Gutmenschen bevölkertes Land. Aber wenn man in der Lage ist zu übersehen, dass man eine Regierung hat, die die SPD beinhaltet und so weiter macht wie bisher (und schlimmer), dann fehlt es irgendwo an einer Grundintelligenz, oder zumindest am Willen nachzudenken, sich selbst in Frage zu stellen und seine Sturheit/Starrheit aufzugeben.

muri

Geht doch bitte erst den Film mal gucken, bevor ihr euch hier gross ins Zeug legt. Vielleicht ist er ja gar nicht so, wie es der Trailer verspricht und "aru" hat mit ihrem Review vollkommen recht?

Also. Hopp. Eigene Meinung bilden!

gargamel

lieber muri, wir diskutieren ja gar nicht direkt über den film, sondern über die raf und deutschland zu dieser zeit. ich denke, das hat hier schon auch platz...

den film werde ich nicht schauen gehen, da ich mit eichingers art "geschichtsfilme" zu drehen gar nichts anfangen kann. sein anspruch zu zeigen "wie es wirklich war" ist meines erachtens nicht einlösbar. ich halte diese art von geschichtslektionen nicht nur für zu simpel sondern sogar für gefährlich.

aru

@gargamel - ich finde man kann hier durchaus auch über Geschichte diskutieren, das schon. Aber einen Film so abzukanzeln, ohne ihn gesehen zu haben finde ich herablassend. Man kann nicht à priori sagen: "Der taugt nichts, weil der Rest von ihm nichts taugt/mir nicht gefällt". Da kritisiert man ins Leere und Basislos. Das ist als würde ich z.B. grundsätzlich nicht in Renéee Zellweger Filme gehen, weil ich ihre Art zu schauspielen nicht mag und würde dann sagen, der Film muss schlecht sein, weil sie drin ist.

Da hat muri schon recht.

gargamel

Zitat aru (2008-09-24 16:27:11)

@gargamel - ich finde man kann hier durchaus auch über Geschichte diskutieren, das schon. Aber einen Film so abzukanzeln, ohne ihn gesehen zu haben finde ich herablassend. Man kann nicht à priori sagen: "Der taugt nichts, weil der Rest von ihm nichts taugt/mir nicht gefällt". Da kritisiert man ins Leere und Basislos. Das ist als würde ich z.B. grundsätzlich nicht in Renéee Zellweger Filme gehen, weil ich ihre Art zu schauspielen nicht mag und würde dann sagen, der Film muss schlecht sein, weil sie drin ist.

Da hat muri schon recht.

nicht ganz...

erstens sage ich nicht "der film ist schlecht" sondern "der film wird mir nicht gefallen", was nicht ganz dasselbe ist. zweitens habe ich durch deine kritik, die den film aus gründen lobt, die für mich eben gerade kritikpunkte wären, einen recht guten ansatzpunkt.

pb

na ich bin gespannt. ich bin nach der zweiteiligen serie (ARD?) eigentlich davon ausgegangen, dass das wichtigste gesagt wurde und halte einen film auf diesem level (im unterhaltungsgenre) als eher unnötig... aber dann, ich dachte schon Munich sei too much und dann kam ein Meisterwerk dabei raus...

euros

Zitat pb (2008-09-24 18:00:48)

na ich bin gespannt. ich bin nach der zweiteiligen serie (ARD?) eigentlich davon ausgegangen, dass das wichtigste gesagt wurde und halte einen film auf diesem level (im unterhaltungsgenre) als eher unnötig... aber dann, ich dachte schon Munich sei too much und dann kam ein Meisterwerk dabei raus...

Naja, hab gestern Abend "Baader"2002 gesehen, wenn das als Referenz gelten sollte, ist "Besser" kaum schwierig.

pb

nene, das war es nicht...

silveira

@pb du meinst wohl todesspiel von heinrich breloer? ein mischung aus doku und spielfilm von 1997 glaub ich, 20 jahre deutscher herbst. sehr gut gemacht, aber unausgewogen.

El Chupanebrey

Zitat aru (2008-09-22 14:43:00)

Primo Levi hat einmal über die Deutschen gesagt, er kenne kein anderes Volk, dass sich so ehrlich und gut mit seiner beschämenden Vergangenheit auseinandersetzt.

Naja...😴

_mel_

irgendwie schon noch heftig, wenn einem so vor augen geführt wird, was damals alles abgegangen ist. finds gut, dass der film nicht wertend ist. aber zu denken gibt er allemal. die schauspieler sind top, allen voran moritz bleibtreu und bruno ganz. die geschichte ist sehr komplex und der film hat vielleich einige längen, daher nur empfehlenswert, wenn man aufnahmefähig ist.

scarface

Hauptdarsteller spielen hervorragend, wobei dies nicht unwesentlich dem Regisseur Edel zu verdanken ist.
Speziell herauszuheben ist Martina Gedeck, die den Wandel der Meinhof vom kritischen Menschen zur zweifelden Terroristin erschreckend gut darstellt.

Ein grossartiger Terroristenporno, bei dem man sich am blinden Fanatismus und Kaltblütigkeit der Terroristen aufgeilen kann.

Erreicht aber nicht die Perfektion von "Das Leben der anderen".

muri

Filmkritik: Revolution in Deutschland

stein-3

"Jung, dumm und stolz darauf!" Genau so kamen mir die RAF-Terroristen im Film auch vor. So waren sie wohl auch in der Realität: gewaltbereit, egozentrisch, rechthaberisch und alles gepaart mit Dummheit und Grössenwahn.
Ist es Zufall, dass das "Volk", das ja angeblich gerettet werden muss im Film gar nicht vorkommt? Ist irgenwann ein Arbeiter zu sehen? Hatte die RAF überhaupt Kontakt zu "normalen" Mitgliedern der arbeitenden Klasse? Offenbar haben "die Massen" vor allem in den Köpfen der RAF-Mitglieder existiert bzw. die RAF wusste was gut fürs Volk ist, ohne es zu kennen. Das zeigt doch recht deutlich wes Geistes Kind diese Organisation war.
Mir hat "Der Baader-Meinhof Komplex" als Film nicht so zugesagt. Zwar ist er gut gespielt und nett anzuschauen, aber den Blick für die Zusammenhänge hat er nicht. Er zerfällt ziemlich schnell in die einzelnen, spektakulären Szenen. Und als Psychogramm der Beteiligten funktioniert er auch nicht. So wirken die Figuren wie Schachfiguren, die ihr Schicksal nicht selber in der Hand haben. Aus Schweizer Sicht positiv: Bruno Ganz kommt unbeschadet über die Ziellinie.

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Ich persönlich hätte mir noch mehr Tiefe in die ganze Geschichte gewünscht. Dennoch der Baader-Meinhof Komplex ist ein guter Film. Der Streifen lebt sehr stark von den Schauspielern. Die alle eine tadelose Leistung abliefern. Dazu vermag Uli Edel die Spannung, den Unterhaltungswert und die Gefühlslagen gut zu kombinieren.

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Ich habe die Zeit der RAF gerade noch am Rande mitbekommen, erinnere mich noch gut an die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin Schleyer und seine Ermordung. Ich wusste einfach, dass die RAF Terroristen waren, mehr nicht.
Jetzt mit diesem Film wurden mir diese Leute nähergebracht. Zu Beginn hat man noch Sympathien für diese Leute, versteht, warum sie so handeln. Je länger der Film dauert, desto mehr merkt man dann aber, dass es nicht mehr um eine Sache geht (obwohl sie einem das vorgaukeln wollen), sondern nur noch um Gewalt, um das Recht-haben-wollen. Unglaublich, wie sich die Regierung im Gericht hat vorführen lassen und sie den Terroristen ihre Forderungen (nach mir unglaublichen Haftbedingungen) auch noch erfüllt haben.
Alle Schauspieler sind brillant besetzt und über Bruno Ganz müssen wir gar nicht reden: grossartiger Darsteller! Der Film selbst hat mich während den 2.5h gefesselt, wirklich gut gemacht. Auf Blu-ray ein Genuss - in Bild und Ton.

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