Australia (2008)

Australia (2008)

Oder: Abenteuer und Romantik als Lebensstil

Zum Sterben schön

Zum Sterben schön

Um das Jahr 1940 reist die Engländerin Sarah Ashley (Nicole Kidman) zu ihrem Mann, der sich in Australien ihrer Ansicht nach zu lange um eine Farm in Familienbesitz kümmert. Die kühle Lady wird vom rüpeligen Viehtreiber Drover (Hugh Jackman) abgeholt, mit dem sie sich auch gleich in die Haare kriegt. Ihr Mann wurde ermordet und die Farm, Faraway Downs, steht kurz vor dem Ruin. Alles Land und alle Rinder rund um das weitläufige Gebiet herum gehören dem Viehbaron King Carney (Bryan Brown), der mit Hilfe seines Komplizen Neil Fletcher (David Wenham) alles daran setzt, auch dieses letzte Stück Land für sich zu gewinnen.

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Um dies zu verhindern, muss Sarah 1500 Stück Vieh durch die Wüste nach Darwin treiben und dort an die Armee verkaufen. Sarah schafft es, Drover als Leiter für diese Mission zu gewinnen. Mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe, darunter der Waisen-Junge Nullah (Brandon Walters), ein Aborigine-Mischling, ziehen sie also los. Der zweite Teil der Geschichte spielt etwas später, als Drover ein halbes Jahr für die Armee Vieh durch Australien treibt, Nullah plötzlich spurlos verschwindet und die Japaner kurz nach Pearl Harbor das australische Festland bombardieren.


Film-Rating

Baz Luhrmanns Filme sind Kino fürs Auge, da ist auch Australia keine Ausnahme. Und es war zu erwarten, dass er die Kulisse, die ihm dieser Kontinent bietet, zu nutzen weiss. Australiens Tourismusbehörde dürfte es freuen.

Schön sind nicht nur die Landschaften, sondern auch die drei Hauptdarsteller: Der Debütant Walters lässt mit seinen ausdrucksvollen Augen und seinen magischen Kräften bestimmt manch Mutter- oder Vaterherz höher schlagen. Es ist seine erste, aber wohl kaum seine letzte Kinorolle. Der 2008 zum Sexiest Man Alive erklärte Jackman macht seinem Titel mit seiner wenig geschliffenen Art und mit Bart und Brusthaar alle Ehre. Seine Darstellung überzeugt weit mehr als die von Kidman. Die wirkt wie - leider - so oft, etwas farblos und irgendwie nicht stark genug für diese Landschaft, zu schmal für diese grosse Geschichte. Die "Haucher", mit denen sie auch schon in Moulin Rouge ihren Emotionen Ausdruck verlieh, passten dort vielleicht ins Bild beziehungsweise zur Krankheit der Hauptfigur. Doch hier müssten sie Drover, dessen Ehefrau an Tuberkulose starb, zumindest beunruhigen. Stark ist sie da, wo sie Nullah die Geschichte vom Zauberer von Oz zu erzählen versucht, obwohl sie sich nicht mehr richtig dran erinnert und ihm das Lied "Over the Rainbow" vorsingt. Lied und Geschichte ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film.

Vieles könnte man noch sagen über diesen Film, aber es ist schwierig, ihn zu bewerten. Denn wenn er auch in seinen Einzelteilen gefällt, wenn einen auch die Bilder staunen lassen, die Romantik ans Herz geht, man mitlacht und - was sonst selten vorkommt - sogar ein paar Tränen verdrückt, so ist er als Ganzes einfach zu wenig überzeugend. Es ist nicht eine Geschichte, es sind - mindestens - deren zwei. Und diese wurden nicht ineinander verknüpft - es ist nicht ein Western, der auch ein Kriegsfilm ist und eine Liebesgeschichte - die Genres werden aneinandergeknüpft: Es ist ein Western und ein Kriegsfilm. Der Film hat mehr als ein Ende und jedes Mal ist es irritierender, dass es noch nicht das letzte war, wenn auch das wirkliche Ende dann ein bisschen versöhnlich stimmt. So könnten Western-Fans getrost nach Hause gehen, wenn die Rinder verschifft sind. Die Liebhaberinnen und Liebhaber des romantischen Fachs schauen bis zum Ende der Regenzeit, damit sie diesen Kuss nicht verpassen, der so nah gefilmt ist, dass man denkt, die Kamera sitzt auf Jackmans Wange, und überlassen dann ihre Sessel den Kriegsfilmfans mit Sinn für Pathos. Esoterisch Angehauchte und Magie-Gläubige werden dagegen wie diejenigen, die für den Zauberer von Oz schwärmen, schon konstanter auf ihre Kosten kommen.

Der Film, der sich im Übrigen noch länger "anfühlt", als er ohnehin schon ist, ist wie eine Supermarktaktion: Man kriegt zwei für eins. Aber eigentlich hätte eins gereicht.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.5

 

18.12.2008 / ema

Community:

Bewertung: 4.2 (101 Bewertungen)

 

 

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