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The Zone - La zona (2007)

La zona

The Zone - La zona (2007) La zona

Oder: Ich bin in der Zone, holt mich hier raus!

Nix da! Ihr kriegt meine Migros-Murmeln nicht!!

Nix da! Ihr kriegt meine Migros-Murmeln nicht!!

Während der Rest von Mexico-City durch Gewalt und Verbrechen gezeichnet ist, herrscht in "La Zona" seit Jahren eitler Sonnenschein: Das Villenviertel ist durch hohe Mauern und Stacheldraht von der gefährlichen Aussenwelt abgeschottet, alles wird von Kameras überwacht. Die reichen Bewohner haben sich innerhalb der Mauern eine eigene kleine Gesellschaft aufgebaut, die ihnen Sicherheit und Frieden garantiert.

Stirb, du hässliche Lampe, stirb!

Stirb, du hässliche Lampe, stirb!

Doch dieser Frieden wird eines Nachts brutal gestört, als drei Jugendliche in die Zone eindringen und bei einem Einbruch eine alte Dame ermorden. Die Zonen-Bewohner reagieren mit Waffengewalt; im Kugelhagel sterben zwei der Eindringlinge und ein Wächter. Der dritte Täter, der 16-jährige Miguel (Alan Chávez), kann sich im Keller eines Hauses vor der wütenden Meute verstecken, wo er vom gleichaltrigen Alejandro (Daniel Tovar) entdeckt wird.

Während Alejandro versucht, Miguel zu helfen, versuchen die Zonen-Bewohner mit allen Mitteln, den Vorfall vor der Polizei zu vertuschen. Eine gnadenlose Menschenjagd beginnt, in der schon bald jeder Andersdenkende als Feind betrachtet wird und das Wohl der Gemeinschaft über das Leben von Einzelnen gestellt wird.


Film-Rating

Schon zu Beginn zeigt Regisseur Rodrigo Plá die deutlichen Gegensätze in La Zona auf: Die Kamera schweift gemächlich über die breiten, sauberen Strassen der Zone, die auch in einer reichen Vorstadt irgendwo in den USA gelegen sein könnte, und fährt die mit Stacheldraht bewährte Mauer hoch, hinter der die eng aneinander gedrängten Hütten und Häuschen der armen Bevölkerung ausserhalb sichtbar werden. Über all dem lauert eine von zahlreichen Überwachungskameras, die jeden innerhalb der Mauern von La Zona auf Schritt und Tritt verfolgen. Wie die Mauern unterscheiden auch die reichen Zonen-Bewohner deutlich zwischen einem Innen und einem Aussen, und man glaubt, in Sicherheit und Idylle leben zu können, solange man unter sich bleiben kann.

La Zona spricht klar eine Kritik an Zweiklassengesellschaften und an Selbstjustiz aus; so zückt schon beim ersten Auftauchen eines Eindringlings von aussen fast jeder eine Waffe und ballert wie wild drauf los. Doch dies ist nicht zwingend das, was die Stärke des Filmes ausmacht. Denn während die Rücksichtslosigkeit und Gewaltbereitschaft der Zonen-Bewohner gleich zu Beginn zu erkennen ist, hinterlassen besonders jene Szenen einen bleibenden Eindruck, in denen die Kälte und Abgebrühtheit dieser angeblichen besseren Menschen zu erkennen ist, etwa wo bürokratisch abgestimmt wird, wie weiter verfahren wird, wo systematisch jede widersprechende Stimme verstummen muss, und wo die Gemeinschaft schliesslich zum wütenden Mob wird.

Dass nicht die Eindringlinge von ausserhalb die wirklichen Feinde sind, sondern vielmehr das, zu dem die Bewohner der Zone in ihrer Angst vor dem Fremden und dem möglichen Verlust ihrer kleinen sichereren Welt allmählich werden, zeichnet sich schon bald ab. Umso eindrücklicher wirkt deshalb der weitere Verlauf der Geschehnisse, wenn sich nach einem eher gemächlichen Start die Ereignisse rasant zuspitzen und schliesslich in einer dramatischen Hetzjagd enden, welche die Unmenschlichkeit von Selbstjustiz und Korruption entblössen. Was zu Beginn noch aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt wurde, konzentriert sich im Verlauf des Erzählten auf die beiden Jungen Alejandro und Miguel, die inmitten des Chaos und der Angst eine leise Freundschaft aufbauen und einen Schuss Menschlichkeit und ja, vielleicht sogar etwas Hoffnung auf das Gute im Menschen erkennen lassen.

La Zona beginnt trotz des spektakulären Anfangs eher unscheinbar und langsam, entwickelt sich aber mehr und mehr zu einem packenden Drama um Selbstjustiz, Korruption und die selbstverliebte Haltung der Zonen-Bewohner, besser und wichtiger als die Menschen ausserhalb ihres sicheren Viertels zu sein. Dass Täter wie Opfer letztlich keine "Bösewichter", sondern (fast) normale Menschen sind, spricht zum einen für die tadellose Inszenierung und die starken schauspielerischen Leistungen, macht zum anderen das Finale nur umso eindrücklicher.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

04.09.2008 / pps

Community:

Bewertung: 4.5 (13 Bewertungen)

 

 

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