Rendition (2007)

Machtlos

Rendition (2007) Machtlos

Oder: Syriana ohne Öl, dafür mit (mehr) Folter

"Chäpeli, grüezi."

"Chäpeli, grüezi."

Bei einem Selbstmordanschlag in Nordafrika wird der neue CIA-Leiter vor Ort getötet. Aufgrund mangelnder Alternativen wird dem junge Analytiker Douglas Freeman (Jake Gyllenhaal) die Beobachtung und Unterstützung der örtlichen Polizei bei der Suche nach den Drahtziehern anvertraut. Der Hauptverdächtige ist Anwar El-Ibrahimi (Omar Metwally), ein aus Ägypten stammender US-Ingenieur. Bei seinem Verhör wird sich Freeman bewusst, mit welchen brutalen Methoden sein Arbeitgeber gewillt ist, vorzugehen, um jede noch so kleine Information aus dem Gefangenen herauszupressen. Dabei kommen ihm Zweifel am Sinn dieser Aktionen, und er versucht, eine Rechtfertigung für dieses Vorgehen gegenüber dem Terrorismus zu finden.

Den Chef des Geheimdienstes und Leiter des Verhörs, Abasi Fawal (Igal Naor), beschäftigen neben der Aufklärung des Attentats, welches ihn treffen sollte, auch persönliche Probleme. So ist seine Tochter von zu Hause weggelaufen, da sie nicht zwangsverheiratet werden möchte und in ihren Schulfreund Khalid (Moa Khouas) verliebt ist. Was sie nicht ahnt, ist die fundamentalistische Haltung des jungen Moslems.

Wer zuerst blinzelt verliert!

Wer zuerst blinzelt verliert!

Währenddessen wartet Isabella El-Ibrahimi (Reese Witherspoon) am Flughafen von Washington auf die Ankunft ihres Mannes aus Kapstadt. Doch er taucht nicht auf. Aus Sorge, was mit ihm passiert sein könnte, wendet sich die hochschwangere Mutter an ihren ehemaligen Kommilitonen Alan Smith (Peter Sarsgaard), der inzwischen für Senator Hawkins (Alan Arkin) erfolgreich arbeitet. Mit seiner Hilfe erfährt sie von der Praxis der "extraordinary rendition", bei der Nicht-Amerikaner, die als Bedrohung für die nationale Sicherheit angesehen werden, entführt und ausserhalb der USA in geheimen Gefängnissen verhört werden. Verantwortlich für die Verschleppung ihres Mannes ist die Chefin der CIA-Terror-Einheit, Corinne Whitman (Meryl Streep).


Film-Rating

Drei Handlungsstränge, ein Ziel: Rendition (dt. Titel: Machtlos) macht keinen Hehl daraus, politisch zu sein. Der Film will die amerikanische Bevölkerung wachrütteln, will zeigen, dass die Welt nicht in Gut oder Böse unterteilt werden kann und kritisiert die einschlägige Arbeitsweise der US-Geheimdienste. Es wird gefoltert, manipuliert und politisiert. Dabei werden die verschiedenen Opfer als Bauern auf dem Schachbrett dargestellt. Eine Massnahme, die man bereit ist einzugehen, wenn es dem Ganzen dient, und damit ist immerhin die nationale Sicherheit gemeint.

Diese Kritik ist löblich und nötig, doch der Film scheitert daran. Er dient zwar dem Zweck, nämlich der oben erläuterten Ansicht, doch die Mittel dazu werden nicht konsequent eingesetzt. Regisseur Gavin Hood (sein Film Tsotsi gewann 2006 den Oscar als bester fremdsprachiger Film) versucht, Alejandro González Iñárritus Menschlichkeits-Trilogie (Amores Perros, 21 Grams, Babel) nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch nachzuahmen, was ihm dank Kameramann Dion Beebe visuell recht gut gelingt, nicht jedoch beim Schnitt. Die Folge sind schnelle, überhastete Orts- und Handlungswechsel, was der Entwicklung der Geschichte und der Ausarbeitung der Charaktere nicht zu Gute kommt.

Der Zuschauer bekommt dadurch nie die Möglichkeit, mit einer Figur zu verharren und deren Motivation und Ansichten zu verstehen, sondern wird oft sogar während einzelner Szenen aus der Handlung in Nordafrika gerissen und findet sich in den kühlen Gängen der Washingtoner Politgebäude wieder. Dies wirkt sich auf die Charaktere aus.

So bleibt beispielsweise Jake Gyllenhaal blass und wirkt fehlbesetzt. Seiner Figur traut man es nicht zu, die Karriereleiter so schnell nach oben geschossen zu sein, um schon als Verantwortlicher in Nordafrika den CIA-Dienst zu verrichten. Einwandfrei hingegen sind Reese Witherspoon als verzweifeltes All-American Girl, sowie die zahlreichen arabischen Nebendarsteller, welche die emotionale Tragfähigkeit der Geschichte ausloten und so die Aufmerksamkeit in den meisten Szenen auf sich ziehen.

Letztlich ist Rendition aber ein Film, der aufgrund seiner Botschaft gesehen und bewertet werden will. Dies scheint ihm nicht besonders gut gelungen zu sein, ist er doch in den USA mit gemischten Kritiken gestartet - und gefloppt. Ob dem Film in Europa, das ja bekanntlicherweise kritisch der US-Aussenpolitik gegenübersteht (und ja auch schon in der Presse über geheime CIA-Gefängnisse lesen konnte), das gleiche Schicksal ereilt, wird sich weisen.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.0

 

14.11.2007 / hut

Community:

Bewertung: 3.9 (42 Bewertungen)

 

 

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