O' Horten (2007)

O' Horten (2007)

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  3. 90 Minuten

Filmkritik: Das Leben ist zu kurz zum Warten

"Horten, c'est moi!"
"Horten, c'est moi!" © Studio / Produzent

Odd Horten (Baard Owe), 67, steht kurz vor seiner Pensionierung. Fast vierzig Jahre lang sass er in der Zugführerkabine der Norwegischen Bahn. Am Wochenende wird er zum letzten Mal seinen Dienst mit der Fahrt von Oslo nach Bergen antreten. Doch der sonst stets zuverlässige Horten verschläft zum ersten Mal - und verpasst seinen letzten Zug.

"Sehen Sie, pünkliche Einfahrt um 16:32!"
"Sehen Sie, pünkliche Einfahrt um 16:32!" © Studio / Produzent

Der letzte Zug im Leben Hortens ist zum Glück noch nicht abgefahren und so tastet sich der zurückhaltende und gutmütige Mann vorsichtig durch sein neues Rentnerleben. An seine neue Freiheit muss er sich erst gewöhnen. Stets mit seiner Pfeife unterwegs, begleiten wir den bedächtigen Horten durch seinen Alltag, der alles andere als gewöhnlich ist. So balanciert er irrtümlicherweise auf High Heels durch die vereisten Strassen Oslos und trifft Hund und Herrchen. Durch seinen neuen Freund wagt sich Horten sogar, frühere Träume zu leben. Es geht chaotisch zu und her und wer weiss, vielleicht meint es das Schicksal sogar gut mit Herrn Horten...

Regisseur Bent Hamer (Kitchen Stories) erzählt Das neue Leben des Herrn Horten auf lakonische und liebevolle Weise. Mit köstlich subtilem Humor schildert Hammer die erstaunliche Odyssee des scheuen Helden durch die kalten Nächte und verschneiten Landschaften. Die Tage sind kurz im tiefen Winter Norwegens und die Dunkelheit bringt manche einsame Seelen zusammen.

Es sind sehr unterschiedliche Menschen, mit denen Horten zusammentrifft, doch stets hält er inne und nimmt sich ihnen an. Das neue Leben des Herrn Horten ist der Film über einen ehrlichen Mann, der die Zeit noch lebt, die ihm bleibt. Dank der Einfachheit und seiner Liebe zum Detail gelingt Hammer ein herzerwärmender Film - ohne Pathos, ohne Kitsch.

Wer die eher ruhigen skandinavischen Filme mag, allen voran jene von Aki Kaurismäki, kann sich freuen! Für alle anderen empfiehlt sich der Streifen, um zurückzulehnen, den wunderbaren Soundtrack zu geniessen und mit einem genüsslichen Lächeln Horten zu beobachten - und vielleicht öffnet sich trotz winterlichen Temperaturen nicht nur Hortens Herz.

/ sst