The Kite Runner (2007)

The Kite Runner (2007)

Drachenläufer
  1. ,
  2. 128 Minuten

DVD-Review: Afghanistan, wie's früher war!

"Sohn, nun darfst du einmal halten."
"Sohn, nun darfst du einmal halten."

Die Jugendfreunde Amir (Zekiria Ebrahimi) und Hassan (Ahmad Khan Mahmoodzada) verbringen jede freie Minute mit Drachensteigen in Kabul Ende der 70er-Jahre. Die zwei verbindet eine tiefe Freundschaft, obwohl sie aus verschiedenen Gesellschaftsschichten kommen. So ist Hassans Papa Ali (Nabi Tanha) der Diener im Hause von Amirs Vater (Homayoun Ershadi), ein gebildeter, reicher und prinzipientreuer Geschäftsmann, dessen Anwesenheit geschätzt und Ehre gepriesen wird. Jedoch kann er sich nicht in seinem Sohn wieder erkennen und schätzt dadurch Hassans Furchtlosigkeit umso mehr.

Trotz dieses gesellschaftlichen Unterschieds verbindet die Jungen die Freude an der Kunst des Drachenfliegens, welches vor allem darauf abzielt, den Drachen der Wettkampf-Gegner so zu schneiden, dass die Leine reisst und der in der Luft schwebende Segler dadurch fortan dem Sieger gehört. Hassans Intuition und Gespür für den Landeort machen ihn zum titelgebenden Drachenläufer.

"Hey, das Ziel ist da drüben!"
"Hey, das Ziel ist da drüben!"

Am Tag des lange herbeigesehnten Flugwettbewerbs endet das Spiel zwar mit dem Sieg der beiden Jungen, doch die Suche nach dem erkämpften Drachen führt Hassan in die Hände einer Jugendbande, welche ihn für seinen Mut massregeln wollen und körperlich schwer erniedrigen. Amir, der die Szene aus dem Hinterhalt beobachtet, hat nicht den Mut, einzugreifen. In der Folge zerbricht die Freundschaft, da Amir es nicht ertragen kann, Hassan zu sehen und so ständig mit seinem Verrat konfrontiert sein zu müssen.

Mit dem Einmarsch der Sowjetunion fliehen Amir und sein Vater über die pakistanische Grenze bis ins amerikanische Exil. Hier wächst er auf, besucht das College, lernt ein Mädchen aus der afghanischen Gemeinde kennen und gewinnt langsam den Respekt seines Vaters. Seine Zerbrechlichkeit weicht langsam der Erkenntnis seines früheren Handelns, was er durch das Schreiben seiner Biographie aufzuarbeiten versucht. Da kommt ein Telefon aus der alten Heimat mit der Botschaft, er könne alles wieder gut machen...

Ein Film über Afghanistan, oder genauer über Afghanistan, bevor es von den Sowjets eingenommen und von den Taliban "befreit" wurde. The Kite Runner schafft es, dem Volk ein Gesicht zu verleihen, dass wir sonst nur als bärtige, Turban- und Waffen- tragende Männer und durch Burkas verschleierte Frauen aus dem Fernsehen kennen. Doch es war mal anders in jenem von endlosen Wüsten geprägten Land. So hat der Film seinen Fokus nicht auf den politischen Entwicklungen. Er erzählt die Geschichte eines Antihelden, eines Menschen, der in seinem Leben Fehler beging und versucht, sie wieder gut zu machen.

Sehr zur Authentizität trägt bei, dass die Menschen grösstenteils Dari sprechen, eine der beiden afghanischen Hauptsprachen. Die Kinderdarsteller stammen aus Kabul selbst, die älteren Darsteller sind aus diversen Ländern des Orient und mussten zum Teil die Sprache kurzfristig lernen. Die Leistungen der Darsteller sind allesamt sehr beeindruckend. Mit ihrer Intensität ziehen einen die Jungen im alten, friedlichen Afghanistan in ihren Bann. Man fiebert mit ihnen mit und geniesst ihre Freundschaft. Doch dunkle Wolken ziehen bereits auf. Der erwachsene Amir kann seine Schuld auch nach 30 Jahren nicht vergessen, was ihn aus dem sicheren Amerika zurück ins mittlerweilen von Taliban kontrollierte Kabul führt. Die intensive Gefühle der Schauspieler springen auf das Publikum über und lassen sicher niemanden kalt.

Natürlich hat Marc Foster mal wieder die Gelegenheit wahrgenommen, ausgiebig überwältigende Landschaftsbilder zu präsentieren. Die Musik ist sehr stimmig und verführt dazu, sich auch noch den Soundtrack zum Film zu kaufen. Einzig zu bemängeln ist wohl das unglaublich kitschige Ende. Die letzte Drachenszene schliesst zwar den Kreis, ist aber schon fast lächerlich. Hier hätte ein Schnitt beim letzten Abendessen gereicht.

Das Zusatzmaterial vermag ebenso wie der Hauptfilm zu fesseln. Eigentlich ist die als "Dialoge von Drachenläufer" Entstehungsgeschichte von Buch und Film und die "Bilder von Drachenläufer" genannten Einsichten in weitere Details des Films mittlerweilen Standard. Doch die Informationen sind so interessant, dass man sie sich einfach komplett ansehen muss. Wer mag, kann den Audiokommentar von Marc Foster, Khaled Hosseini und David Benioff zum Film aktivieren. Der Kinotrailer darf natürlich nicht fehlen, und Khaled Hosseini wirbt in einer kurzen Bekanntmachung vor dem Film dafür, Afghanistan humanitär zu unterstützen.

Fazit: Ein ruhiger Film, der nicht ganz jede kitschige Klippe umschifft, doch ganz sicher seine Zuschauerinnen und Zuschauer ins Herz zu treffen vermag.

/ nwe

Kommentare Total: 11

WideScreen03608

Es war schon eine Weile her, als ich das Buch gelesen hatte. Im Grossen und Ganzen wurde das Buch aber sehr gut umgesetzt und gibt den Inhalt ziemlich genau wieder.

Kiri kann ich überhaupt nicht zustimmen, was das Ende angeht. Dieses Ende braucht es genauso, wie den Rest des Filmes. Es ist ein würdiges Ende und nimmt ja noch Bezug auf Worte, die Hassan zu Beginn des Filmes gesprochen hat. Wer das Ende weg disskutieren will, hat meines Erachtens die Geschichte nicht verstanden.

nwe

DVD-Review: Afghanistan, wie's früher war!

jack721

Ich habe auch zuerst das Buch gelesen und anschliessend den Film geschaut. Schade am Film fand ich vor allem das die Gedanken und Gefühle von Amir gegenüber des Buches etwas verloren gingen und somit nie so intensiv rüberkamen. Vielleicht wäre zwischendurch die Erzählform besser gewesen. Das Buch war auch brutaler und ein paar Szenen wurden im Film weggelassen oder anders umgesetzt. Die Schauspieler fand ich super. Auch der kulturelle Hintergrund fand ich interessant. Es wird im Film eindrücklich gezeigt wie die Menschen vor dem Einmarsch der Russen und der Machtübername der Talibans gelebt haben.

[Editiert von jack721 am 2008-05-19 22:58:38]

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