Fracture (2007)

Fracture (2007)

Das perfekte Verbrechen
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  3. 113 Minuten

DVD-Review: Wo die Grossen spielen, fallen Späne

Endlich eine Jury ohne Von Rohr
Endlich eine Jury ohne Von Rohr © Studio / Produzent

Willy Beachum (Ryan Gosling) ist Gehilfe eines Bezirksstaatsanwalts, ein Job, der zwar ehrenvoll und gut ist, aber finanziell nicht viel abwirft. Deshalb ist er ganz aus dem Häuschen als ihm eine prestigeträchtige Privatkanzlei eine Stelle anbietet und er sich dort als erstes neue Möbel für sein Büro aussuchen kann. Jetzt gilt es nur noch, an seinem alten Arbeitsplatz aufzuräumen und die offenen Fälle abzuschliessen.

Ein Geist entfleucht
Ein Geist entfleucht © Studio / Produzent

Genau in diesem Moment kommt Ted Crawfords (Anthony Hopkins) Anklage ins Spiel - versuchter Mord an der eigenen Frau (Embeth Davidtz) durch Kopfschuss; Tatort: das pompöse Eigenheim, wo keine anderen Personen anwesend waren und der Gärtner bestätigt hat, dass niemand das Haus verlassen oder betreten hat, als die Schüsse fielen. Ein scheinbar klarer Prozess, da die Tatwaffe vorliegt und der mutmassliche Mörder dem diensthabenden Polizisten (Billy Burke) ein mündliches Geständnis abgeliefert hat. Überzeugt von der Simplizität des Falls sagt Willy zu und denkt, dass er gleichzeitig noch genug Zeit haben wird, die Unterlagen der letzten 8 Monate eines anderen Falls abzuackern, der ihm von seinem neuen Arbeitgeber aufgedrückt wurde.

Telekinese will geprobt sein
Telekinese will geprobt sein © Studio / Produzent

Doch dann kommt aus, dass die mutmassliche Tatwaffe unbrauchbar ist, weil sie noch nie abgefeuert wurde; es keine Blutspuren an Crawfords Kleidung gibt und der Polizist, der das Geständnis abgenommen hat, eine Affäre mit Crawfords Frau hatte. Plötzlich sind die Karten ganz neu gemischt und Willy wird von Ted psychologisch immer mehr in die Enge getrieben. Wenn er den Fall verliert, ist er wegen Schluderigkeit nicht nur seinen alten Job los, sondern kann aufgrund des grossen Medieninteresses mit einem derartigen Prestigeverlust auch seinen neuen Job nicht antreten. Gleichzeitig ist er ein Vertreter der Gerechtigkeit und als solcher will er Crawford unbedingt hinter Gitter bringen, die Frage ist nur wie.

Gerichtsfilme sind immer eine Sache für sich. Sie kommen zum Teil sehr steril daher, wie in The Client oder können ihre eher langweilige Natur in einen Horrorfilm einbetten, wie es in The Exorcism of Emily Rose praktiziert wurde. In Fracture bleibt der Gerichtssaal ein Nebenschauplatz und, obwohl dort die wichtigen Entscheidungen getroffen werden, wird die eigentliche Schlacht ausserhalb geschlagen, was das Psychogame spannend und vielseitig macht.

Obwohl es in Fracture eigentlich um einen Mord geht, wird die Gerichtsverhandlung sehr schnell zu einem knallharten Duell der Extreme: Auf der einen Seite der arrogante und aufstrebende Junganwalt Willy (Ryan Gosling), der es gewohnt ist zu gewinnen und, falls er einmal verliert, dies geschickt einem anderen Anwalt zuschiebt. Auf der anderen Seite der undurchsichtige Grossunternehmer Crawford (Anthony Hopkins), der vom Leben gezeichnet ist und eiskalt das ganze Gericht an der Nase herumführt. Diese beiden bauen über den Verlauf des Filmes einen gewaltigen Spannungsbogen auf, bei dem der Junganwalt gnadenlos in die Knie gezwungen wird und dann geläutert und um einiges stärker wieder zurückkommt. Grossartige Sprachduelle, welche beinahe Silence of the Lambs gerecht werden prägen dabei die Handlung. Gleichzeitig wird die Gerichtsverhandlung um immer mehr Subplots erweitert, welche zusätzliche Facetten von Willys Leben beleuchten. Das erbaute Kartenhaus fällt jedoch unaufhaltsam in sich zusammen, als Willy den Prozess gegen Crawford verliert und dieser langsam aber sicher Willys Zukunft zerstört.

Zu den Schauspielern kann man nur sagen, dass Anthony Hopkins ein weiteres Mal zeigt, warum er zu den ganz Grossen seines Faches gehört und Ryan Gosling als Willy eine Überraschung ist. Obwohl es länger dauert, bis man sich an Ryans Babyface gewöhnt hat, stellt er den Zerfall vom arroganten Anwalt bis hin zum emotionalen Wrack sehr gut dar. Obwohl er weit von Hopkins, dessen verschlagene Visage perfekt zur Rolle passt, entfernt ist, kann Ryan ihm durchaus die Stirn bieten.

Fazit: Fracture ist ein Thriller der leisen Töne der - obwohl es eigentlich nur um einen Mord geht - geschickt die Story um immer mehr Ebenen erweitert, womit er eine sehr dichte Handlung und permanente Spannung bieten kann. Das Duell zwischen Altmeister Anthony Hopkins und dem Jungschauspieler Ryan Gosling bleibt klar im Vordergrund, was sehr geschickt eingefädelt wird und immer wieder interessante Twists bietet. Für alle zu empfehlen, welche gern Thriller mit ausgezeichneten Schauspielern und intelligentem Aufbau sehen.

Die DVD gehört zu den üblichen Routine-Editionen, welche den Film in akzeptabler Qualität bieten, aber sonst sehr auf Sparflamme fahren. Das Bild ist scharf mit guten Farben, doch der Ton arbeitet kaum mit Surround und bietet im Bonusmaterial nur einige entfallene und erweiterte Szenen. Aber die DVD kauft man nicht wegen des Bonusmaterials sondern wegen des Films.

/ db

Kommentare Total: 17

therad

Zitat elgato88 (2008-05-15 18:05:25)

Guter Thriller mit starken Schauspielern. Ab und zu kommt dieser Film auch an eine Komödie ran was dem Film aber gar nicht schadet. Absolut sehenswerter Film mit guten Sprüchen und auch einigen wenigen Slapsticks. 5 von 6!

gute sprüche, genau..
rob: "your wife, is she ok?"
ted: "i don't think she is. i shot her."

wally: "what kind of style would you say that this is?"
flores: "homicidal modern"

wally: "what the hell is this?"
flores: "it's a thing, it does stuff."

mich hat der film von anfang an gefesselt. lag wahrscheinlich am porsche carrera gt😄.
aber spass beiseite. der film ist wirklich gut. und das katz-und-maus-spiel von anthony hopkins mit ryan gosling wird mit guten (gossling) bis sehr guten (hopkins, of course) schauspielleistungen unterlegt. absoulut sehenswerter film. 5 von 6 sternen.

[Editiert von therad am 2008-07-30 13:26:35]

Chemic

Ganz solider Thriller mit einem starken Ryan Gosling und einem gewohnt überzeugenden Hopkins, der aber etwas nahe an der Rolle von hannibal agiert. Die Story ist spannend erzählt und man wartet gierig auf den finalen Twist, der dann aber dermassen schnell und unspektakulär daherkommt das man danach beinahe wieder enttäuscht ist wegen der schnellen Auflösung. Nebenbei bietet der Streifen aber eine reizvolle Optik mit vielen schön gefilmten Locations in und rund um LA!

daw

Guter Thriller mit starken Schauspielern. Ab und zu kommt dieser Film auch an eine Komödie ran was dem Film aber gar nicht schadet. Absolut sehenswerter Film mit guten Sprüchen und auch einigen wenigen Slapsticks. 5 von 6!

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