Ein fliehendes Pferd (2007)

Ein fliehendes Pferd (2007)

Oder: Bäumchen wechsle dich

"Jede brucht si Insu.."

"Jede brucht si Insu.."

Jahr um Jahr verbringt das etwas in die Jahre gekommene Ehepaar Helmut (Ulrich Noethen) und Sabine (Katja Riemann) die Ferien am Bodensee. Doch diesmal ist Schluss mit Ruhe und Erholung, als plötzlich Klaus Buch (Ulrich Tukur) und die blutjunge Hel (Petra Schmidt-Schaller) vor ihnen stehen. Studienrat Helmut ist ein Bünzli und sichtlich nicht erfreut über die Begegnung mit dem hyperaktiven, überdrehten Studienfreund, der Peinlichkeiten aus der Vergangenheit zum Besten gibt. Sabine hingegen ist von Helmuts Art ganz angetan und so trifft man sich mal zum Abendessen, mal zum Segeln, mal zu einem Ausflug ins Ried zwecks Vogelbeobachtung. Helmuts einziger Lichtblick bei diesen Aktivitäten ist die schöne Hel, die ihn mit schwedischen Volksliedern zu Tränen rührt.

Bald schon springt das eine oder andere Fünkchen, da wo es nicht dürfte. Als Klaus Helmut dann zu einer gemeinsamen Bootsfahrt quasi nötigt, geraten sie in einen Sturm und es kommt zu einer folgenreichen Konfrontation.


Film-Rating

Ein fliehendes Pferd ist die Verfilmung der gleichnamigen Novelle von Martin Walser. Die ist zwar schon fast dreissig Jahre alt, Midlife-Crisis und Entfremdung sind aber universelle und zeitlose Themen, die immer wieder funktionieren, wenn auch eher nicht für ein ganz junges Publikum.

Eingebettet in die Bodenseeregion wird uns in gemächlichem Tempo - man wähnt sich fast ein bisschen in der Schweiz - und schönen, hellen Bildern die Geschichte dieser vier Menschen erzählt. Die könnten gegensätzlicher kaum sein. Auf der einen Seite ist da das langjährige Ehepaar, das sich aneinander gewöhnt und sich gleichzeitig emotional und sexuell entfremdet hat. Der verstockte Helmut ginge am liebsten unauffällig und unerkannt durchs Leben, die attraktive Sabine nach Patagonien zum Zelten. Auf der andern Seite - anscheinend frisch verliebt - Klaus und Hel, er der Typ Aufreisser, sie - na ja: sexy und eher naiv.

Regisseur Rainer Kaufmann hat Erfahrung mit Literaturverfilmungen (Kalt ist der Abendhauch, Die Apothekerin). Er macht aus der als Monolog erzählten Vorlage einen Viererreigen, den er zu Beginn mit kreisender Kamera auch optisch umsetzt. Helmut bleibt zwar Hauptfigur, die Perspektive wechselt aber. Schön umgesetzt sind der wilde Ritt auf dem "fliehenden Pferd" und die Bootsfahrt, während der aus der Flaute langsam und bedrohlich ein grosser Sturm aufzieht. Sehr ärgerlich allerdings ist, dass die Worte dieser Schlüsselszene im Wellengetöse untergehen. Aufgemotzt fürs Kino wird die Geschichte mit etwas Sex, Drogen und dem sich anbahnenden Partnertausch. Das klappt auch ganz gut.

Nur - dann kommt noch das Ende. Hels Geständnis, das bei Walser den Mythos vom Lebemann Klaus relativiert, fällt weg. Helmut bleibt im Film der Spiesser und Klaus einfach nur sein toller Gegenspieler. Das ist schade und kostet den Film ein Stück Tiefe. Doch vielleicht ist es auch gewollt so. Ein fliehendes Pferd will nämlich eine frivole Komödie sein. Frivoles und vermeintlich Lustiges wirkte auf mich aber meist eher ordinär. Für die allzu platten Wortspiele mit "Latte" und "Vögeln" gibt's gar Punktabzug. Einzig die hervorragende schauspielerische Leistung der vier Hauptdarstellerinnen und -darsteller vermag den Film zu retten. Und - für Liebhaber des weiblichen Geschlechts - vielleicht auch die 27jährige Petra Schmidt-Schaller, eine aufregende Mischung von Julie Delpy und Ludivine Sagnier.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.5

 

13.12.2007 / ema

Community:

Bewertung: 3.1 (7 Bewertungen)

 

 

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