Eastern Promises (2007)

Eastern Promises (2007)

Tödliche Versprechen
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  3. 100 Minuten

Filmkritik: Russen-Mafia mit Stil

Och komm! Lass mich auch mal durchgucken!
Och komm! Lass mich auch mal durchgucken! © Studio / Produzent

Der unnahbare und geheimnisvolle russische Nikolai Luzhin (Viggo Mortensen) ist der Chauffeur eines in London gefürchteten kriminellen Familienclans mit osteuropäischen Wurzeln. Die Familie selber ist Mitglied der Bruderschaft Vory V Zakone, deren Erkennungszeichen doch so einige "Brandmarken" bzw. bedeutungsvolle Tätowierungen sind.

Der Restaurantbesitzer und Befehlshaber der Bande, Semyon (Armin Mueller-Stahl), der aufs erste väterlich und warmherzig wirkt, ist besorgt wie die Dinge um die Geschäfte stehen, welche von seinem Sohn Kirill (Vincent Cassel) mit aufbrausender und unkontrollierter Art hin und wieder überspannt werden. Dieser geniesst eben gerne viel Alkohol und Frauen, profitiert vom Familienruf und gerät somit immer wieder mal in Situationen, die dann nicht vom Vater sondern von Nikolai beschwichtigt werden müssen. Sowieso scheint Nikolai der ruhige Pol zwischen den beiden zu sein.

Hassu noch ne Kippe? Meine is bald alle.
Hassu noch ne Kippe? Meine is bald alle. © Studio / Produzent

In den Weihnachtstagen wird in einem Spital im nördlichen Stadtteil Londons die Hebamme Anna (Naomi Watts) durch die Geburt eines Mädchens, dessen Mutter bei der Entbindung stirbt, aufgerüttelt. Voller Mitgefühl für das Neugeborene entscheidet sie sich aufgrund eines Tagebuches der jung verstorbenen Mutter, deren Familienangehörige ausfindig zu machen und sich über die suspekte Situation mehr Klarheit zu verschaffen. Nach einem ersten heftigen Streit zu Hause mit ihrem aus Russland stammenden jähzornigen Onkel, begibt sie sich direkt ins Gehege der Vory V Zakone. Während sich immer mehr Puzzleteile in der Geschichte der jung verstorbenen Mutter zusammensetzen, rücken Vater Semyon und Sohn Kirill näher zusammen, und Nikolai gerät mehr und mehr in einen Loyalitätskonflikt und weiss nicht mehr, wem zu trauen ist. Es geht in diesem Milieu schliesslich vor allem um Macht, Vergeltung, Betrug und Mord...

Es hat mich mehr als die ganze Filmlänge gekostet um herauszufinden woher mir Nikolai Luzhin bekannt vorkam. Schlussendlich fiel der Groschen: Natürlich aus Lord of the Rings! Der Russe steht Viggo Mortensen unwahrscheinlich gut. Nikolai kommt einem anfangs kaltblütig und gerissen rüber, der die Dinge durchaus im Griff hat, bis er dann doch auch mal sein Herz sprechen lässt...

Die Alltäglichkeit, mit der sich die Mafiosos an Leichen zu schaffen machen und sich beeindruckende Revanchen leisten, lässt einen erschauern und ist bestimmt nichts für empfindliche Gemüter. Der Gegenpol zu diesen düsteren Gestalten wird von der überzeugenden Naomi Watts als Anna dargestellt, die mehr über die Herkunft der verstorbenen Mutter erfahren will und einen ungemeinen Willen an den Tag legt, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Was dem Film eine feine und etwas traurige Note verleiht, ist die junge Stimme der verstorbenen Mutter, die zwischendurch Tagebuchausschnitte wiedergibt. Ein weiterer Nebendarsteller - der einzige überhaupt, der mich wirklich zum Schmunzeln brachte - ist Annas Onkel Stepan (Jerzy Skolimowski). Mit seinem rauen, gehässigen Sein gibt er eine enorm starke Rolle ab.

David Cronenberg ist mit Eastern Promises ein bemerkenswerter Film gelungen. Die Besetzung ist makellos und so sorgen Vincent Cassel, Viggo Mortensen, Naomi Watts und Armin Mueller-Stahl für ein aufregendes fast zweistündiges Kinospektakel.

/ sil

Kommentare Total: 26

g lama

grandioser film! vor allem das ende ist wirklich gut gemacht😊!!

clark_kent

Ja also Viggo Mortensen einfach nur GENIAL! Der Streifen auch unterhaltsam, bis zum Schluss. Und da kommt der Teil der mir nicht gefallen hat. Der Schluss ist einfach irgendwie zu einfach, zu kurz. So nichts sagend. Wie schon gesagt, Viggo Mortensen einfach hat mir sehr gut gefallen. Das russische-englisch war auch ganz ok, ein bisschen zu viel gemurmelt. Aber es kam an!

machine

musst mich entschuldigen, hatte ne andere szene im kopf.
du hast recht, die szene am ende wirkt wirklich etwas lückenhaft und man wundert sich, weswegen er das baby einfach so ohne probleme entführen kann.

erklärungsansätze wären folgende (auch wenn sie eher unbefriedigend sein dürften):

- der polizeichef hat in eile, denn er will ja möglichst schnell semyon das blut abzapfen, vergessen im krankenhaus wachposten aufzustellen.

- sowohl die polizei als auch nikolai haben an diese option überhaupt nicht gedacht, weil es gegen die regeln der vory verstösst, hilflose babys zu entführen und zu ermorden. mit diesem argument bringt er ja auch kyrill davon ab, seine baby-sister ins kalte wasser zu werfen.

im ursprünglichen drehbuch ist diese situation etwas anders gelöst - besser.

was es mit den dunkelroten rosen auf sich hat, wäre vielleicht auch interessant zu wissen. vielleicht verbirgt diese symbolik einen weiteren hinweis.

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