Chrigu (2007)

Chrigu (2007)

  1. 87 Minuten

DVD-Review: Warum ich?

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no comment © Studio / Produzent

Mit 21 Jahren wird im Nacken von Christian ein Tumor in fortgeschrittenem Stadium entdeckt. Der junge Mann, von seinen Freunden "Chrigu" genannt, beginnt um sein Leben zu kämpfen. Er wünscht sich, einen Film über seinen Leidensweg zu machen. Jan Gassman begleitet seinen besten Freund mit der Kamera.

Die Kamera, die Chrigu bisher auf Reisen nach Indien, an Partys und an Konzerten begleitet hat, zeigt ihn nun in intimen Situationen - im Spital während der Chemotherpaie, auf Spaziergängen oder zu Hause bei seiner Familie, wo er sich erholt. Begleitet und unterstützt wird Chrigu auch von seinen Freunden, den Mitgliedern der Band "Mundartisten", die für die Filmmusik zuständig sind.

Jan Gassmann schafft es, in zahlreichen Rückblenden und persönlichen Einstellungen, ein eindrückliches Portrait seines Freundes zu machen, der zu jung zum Sterben ist. Dabei wird der Film nie kitschig oder moralisch, sondern bleibt allzu menschlich. Chrigu lacht, denkt nach, trifft Freunde, streitet, erzählt - bis zu seinem Tod.

Christian Ziörjen ist ein sympathischer, junger Mann, dem Krebs diagnostiziert wird und der den weiteren Gang seines Lebens mit der Kamera festhält. Das mag auf den ersten Blick wie eine Dokumentation über einen Sterbenden klingen, wird aber durch den titelgebenden Darsteller Chrigu, seinen Sprüchen, der optimal passenden Musik und den interessanten (und gleichzeitig auch sehr traurigen) Momenten zu viel mehr als nur einfach einem Film, der jemandem beim Sterben zuschaut.

An der Berlinale 2007 wurde Chrigu ausgezeichnet, und auch in den diversen Hitparaden der besten Schweizer Filme liegt diese Dokumentation über das Leben (nicht den Tod) vielfach an vorderster Front. Und das vollkommen verdient. Denn Chrigu geht ans Herz, lässt einem zwischendurch über den schwarzen Humor schmunzeln und ist eine sehr gelungene Biographie über den Leidensweg eines jungen Mannes, der sich gegen seine schreckliche Krankheit stellt, nur um dann am Ende doch zu akzeptieren, dass er sich gegen einen unüberwindbaren Gegner gestellt hat.

Chrigu ist ein Film mit einem sehr ernsten Thema. Die Krebserkrankung, die immer stärker werdenden Schmerzen und das gleichzeitig schwächelnde Immunsystem gehen mitten ins Herz des Zuschauers. Die tollen Freunde bescheren Christian aber auch die Möglichkeit, nochmals ein paar schöne Momente zu verbringen und zusätzliche Kraft in einem aussichtslosen Kampf zu tanken. Diese Szenen sind sehr menschlich in Szene gesetzt, nichts ist gekünstelt. Die Rückblicke zeigen junge Menschen mit viel Lebensfreude, die dann jäh unterbrochen werden von Szenen im sterilen Krankenhaus, den Infusionen und einem geschwächten Menschen.

Fazit: Chrigu ist ein sehr eindrucksvolles Porträt geworden. Nie reisserisch, meist ruhig und sehr sympathisch umgesetzt. Auch wenn der Zuschauer den Chrigu nicht persönlich kennt, so schafft es der Film trotzdem, eine kleine, aber feine Bindung zu diesem Menschen herzustellen. Man leidet mit, schmunzelt und ist schlussendlich tief betroffen. Auch wenn die Macher nichts von einem Sterbefilm wissen wollen, sondern von einem "Film über das Leben" sprechen, so geht Chrigu doch sehr nah und hinterlässt deshalb einen bleibenden Eindruck.

Ein Kartenständer ist als DVD-Menü ausgestellt. Das heisst, der Zuschauer muss jedes Mal ein paar Sekunden warten, bis sich das Teil aufgehört hat zu drehen und er sein gewünschtes DVD-Feature bekommen hat. Der Soundtrack nimmt einen grossen Teil dieser Extras ein. Berichte über die Mundartisten, deren Musikvideo und sogar ein Making-Of dazu kann man beäugen. Natürlich gibt es einen informativen Audiokommentar, ein paar entfallene Szenen und Hintergrundberichte über die Dreharbeiten von Chrigu, die allesamt recht interessant ausschauen.

Technisch sind natürlich die mit der Handkamera gedrehten Szenen ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber bewegen sich allesamt im Bereich des Akzeptablen. Der Film ist ruhig und deshalb wird auch das Heimkino nicht gross gefordert. Trotzdem scheint alles optimal zu passen und macht Chrigu auch diesbezüglich zu einem empfehlenswerten Projekt.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Trailer Schweizerdeutsch, 01:36