American Gangster (2007)

American Gangster (2007)

Oder: Der nette Heroinkönig von nebenan

Cool and the Gang

Cool and the Gang

New York in den Sechzigerjahren. Bumpy, ein stadtbekannter Gangster aus Harlem, stirbt in den Armen seines langjährigen Chauffeurs und Assistenten Frank Lucas (Denzel Washington). Dieser wittert die Chance seines Lebens. Endlich kann er in die Fussstapfen seines Mentors treten. Doch will er im harten Drogenmarkt bestehen, braucht es mehr als nur einen schnellen Finger. Er benötigt guten und billigen Stoff.

Yoga als Ausgleich

Yoga als Ausgleich

Um die Zwischenhändler zu umgehen, reist er persönlich in das von Kriegswirren gebeutelte Vietnam. Tief im Dschungel trifft er mit einem Plantagenbesitzer ein Abkommen und lässt das astreine Heroin fortan von amerikanischen Soldaten ins Heimatland schmuggeln. Mit seiner neuen Marke Blue Magic beherrscht Frank Lucas bald Harlem, bald ganz New York und andere Grossstädte an der Ost- und Westküste. Seine Verbündeten sind Gewalt und die Korrumpierbarkeit der New Yorker Polizei. Doch obwohl er zeitweise bis zu fünfzig Millionen verdient - pro Tag - bleibt er seinen ethischen Grundsätzen treu. Er entsagt ausschweifenden Feiern und geht jeden Sonntag mit seiner Mutter zur Kirche.

Dennoch kommt ihm der abgewrackte, aber gewiefte Polizist Richie Roberts (Russel Crowe) auf die Spur. Auch er ist ein Mann mit Prinzipien. Im Gegensatz zu seinen Kollegen entsagt er jeglicher Korruption. Einmal meldet er gar die Beschlagnahmung von einer Million Dollar in unmarkierten Noten. Eine Chance, die sich jeder andere Polizist nicht entgehen lassen hätte. Doch bleibt er seiner selbst auch treu, wenn er auf Frank Lucas, den charmanten König von Harlem trifft?


DVD-Rating

Ein bisschen Bammel hatten wir ja schon um Ridley Scott. Der Mann, der Klassiker wie Alien, Blade Runner oder Gladiator herausbrachte, schaffte in den letzten Jahren höchstens Filme wie Kingdom of Heaven oder A Good Year. Sollte der gute Mann etwa sein Gespür für guten Filmstoff verloren haben? 2007 kam American Gangster und für uns die Bestätigung, dass Ridley Scott noch immer tolle und spannende Filme machen kann.

Die Story von American Gangster, so stehts im Vorspann des Films, basiert auf einer wahren Geschichte. Und zwar auf derjenigen von Frank Lucas, der im Film gnadenlos gut von Denzel Washington dargestellt wird. Es braucht eine Weile, bis man dem Saubermann Washington den Gangster abnimmt, aber diese Kombination von nettem Gesicht und schlimmen Taten ist absolut grandios. Ihm gegenüber agiert Russel Crowe als hemdsärmliger Cop, der eigentlich ausser seinem Job keinen Lebensinhalt mehr hat. Dieses Duell findet überwiegend ohne direkte Konfrontation statt, wird dann aber, wenn der Film dem Ende entgegengeht, nochmals angeheizt, als sich beide Darsteller eindlich Auge in Auge gegenüberstehen.

American Gangster ist nicht nur hervorragend gespielt und verdammt spannend, sondern er schafft es auch, den Charakteren Tiefe zu verleihen, die damalige Zeit optimal einzufassen und liefert dem Zuschauer mehr als das übliche "Cops jagt Gangster"-Schema. Die passende Musik, die Hintergründe der Drogenbeschaffung, deren Verteilung und dazu noch korrupte Cops ergeben eine Mischung, die es sich anzuschauen lohnt.

Im Kino war der Film bereits mit 150 Minuten eine Herausforderung fürs Sitzfleisch. In der hier vorliegenden "unrated Version" dauert American Gangster nochmals 30 Minuten länger, so dass ein bequemer Sessel eine Voraussetzung ist, um diesen überzeugenden Film so richtig geniessen zu können.

Fazit: American Gangster reiht sich ohne Probleme ein in die Liste der grossen (und langen) Mafiafilme wie The Godfather oder auch der erst grad aktuell gewesene The Departed. Es wird vom Zuschauer Aufmerksamkeit verlangt, Interesse vorausgesetzt und dann kommt das Mitfiebern von alleine. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, bekommt einen wahnsinnig guten Film geboten.

Die DVD ist in verschiedenen Fassungen erhältlich. Wer das nötige Kleingeld hat und sich für die damaligen Vorkommnisse interessiert, der kommt nicht an der "Steelbook"-Verison vorbei, die neben der mit zwei Filmfassungen ausgestatteten DVD noch eine zusätzliche Disc bietet. Auf der ersten Scheibe finden wir den interessanten und spannenden Audiokommentar von Ridley Scott himself. Auf Disc Nummer Zwei gehts dann noch einen Schritt näher ans Geschehen. Nicht nur, dass wir ein Making-Of anklicken können, das seinen Namen auch wirklich verdient, sondern es ist auch noch unterteil in diverse Untergruppen wie "Die wahre Geschichte", "Produktion" oder "Ali gegen Frazier". Dazu haben sie Berichte über die Filmmusik und die Kostüme reingepackt und wir kriegen, in einem weiteren Feature, auch noch Einblicke in die Prozessakten. Wie ging das mit dem Drehbuch voran? Wie macht man "Hollywood"-Heroin? Und welchen Aufwand braucht die Filmcrew, um einen einfachen Hinterhalt zu filmen?

Toll ausgestattete DVD, viel Infomaterial und ein Film, der sauber transferiert worden ist, dessen Sound ohne Störungen hörbar ist und der vollkommen überzeugt. Bei der Ansicht der "unrated Version" könnte es aber, so stehts auch im DVD-Menü, zu Störungen bei der Abtastung kommen. Ich selber kann aber von keiner solcher berichten.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.5

 

21.03.2008 / muri

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