3:10 to Yuma (2007)

3:10 to Yuma (2007)

Todeszug nach Yuma
  1. , ,
  2. 122 Minuten

DVD-Review: Selbst im Westen fährt das Tschutschu pünktlich!

Batman und Robin
Batman und Robin © Studio / Produzent

Rancher Dan Evans (Christian Bale) wird zusammen mit seinen Söhnen Zeuge eines Raubüberfalls auf eine Kutsche. Die Gang des bekannten Verbrechers Ben Wade (Russell Crowe) hat zugeschlagen und lässt Chaos und Blut zurück. Als Dan und seine Söhne entdeckt werden, müssen sie ihre Pferde abgeben, bleiben aber am Leben.

Wade und seine Gruppe, zu der auch der schiesswütige Charlie Prince (Ben Foster) gehört, machen sich ins benachbarte Städtchen Bisbee, um die Beute zu teilen und ein bisschen "Stadtleben" zu geniessen. Dumm nur, dass die dortigen Sheriffs auf der Hut sind und Ben Wade verhaften. Der Outlaw soll aber nicht vor Ort gehängt oder erschossen werden, sondern via Zug zur Verurteilung gebracht werden. Nämlich dem 3:10 to Yuma.

Old School Bodyguards
Old School Bodyguards © Studio / Produzent

Jetzt heisst es, eine Gruppe Freiwilliger zu organisieren, welche Wade auf dieser Reise zum Bahnhof bewachen können. Es melden sich wenige Leute, unter ihnen auch Ranger Evans. Der will sich nicht nur die Belohnung von 200 Dollar sichern, sondern auch seinem Sohn William beweisen, dass er mehr ist als nur ein einfacher Ranger, der seine Familie nur mit Mühe und Not über die Runden bringt.

Die Reise beginnt und während unsere Gruppe sich mit Attacken von Indianern und natürlich Wades Gang rumschlagen muss und einen Mann nach dem anderen verliert, beginnt auch Ben Wade selber seine psychologischen Spielchen. Denn hinter all der gespielten Freundlichkeit, den sanften Worten und dem netten Lächeln steckt ein brutaler Kerl, der nur auf eine Gelegenheit zur Flucht wartet. Und der keine Sekunde zögern würde, auch Evans Sohn (der sich der Gruppe angeschlossen hat) über den Haufen zu schiessen.

3:10 to Yuma ist ein Remake des gleichnamigen Westerns mit Glenn Ford aus dem Jahr 1957. Die Story also bleibt die selbe, der Stil allerdings ist ein ganz anderer. Die neue Version von James Mangold ist eine dreckigere, eher an Spaghetti-Western erinnernde Verfilmung, allerdings nicht ohne den Heroismus, den man bei vielen US-Western der 50er Jahre fand. Es ist denn auch diese Art Heldentum, die im Laufe des Films aufstösst und ganz zum Schluss halt doch ein zuviel an Glaubwürdigkeit nimmt. Hierin unterscheidet sich 3:10 to Yuma von Epen à la Open Range oder Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford, die weit ernsthafterer Natur sind als diese mehr auf Unterhaltung und Action ausgelegte Neuverfilmung.

Viel hängt von den Darstellern ab: Christian Bale und Russell Crowe haben eine ziemlich grosse Präsenszeit und spielen durchaus gefällig, wenn auch nicht immer, wie oben erwähnt, ganz glaubwürdig, wobei Herrn Crowe hier mehr anzulasten ist als dem braven Farmer Bale. Dass Charaktere in solch actiongeladenen Filmen überzeichnet sind, wäre dabei noch zu verzeihen, im Falle von Ben Foster, der den Oberbösewichten Charlie Prince gibt, ist es dann aber doch ein Zacken zu viel des Guten. Peter Fonda als grimmiger Kopfgeldjäger ist eine hübsche Überraschung.

Gut und böse sind klar verteilt, die vielen Klischees diesbezüglich, ohne die 3:10 to Yuma nicht auskommt, nehmen wir mal so hin und ergötzen uns an den wunderschönen Aufnahmen mit denen Phedon Papamichael das Auge verwöhnt, denn optisch ist der Film von allererster Güte. Erwähnt sei noch die Oscar nominierte Filmmusik von Marco Beltrami, der damit sicher am bisherigen Höhepunkt seiner Karriere angelangt ist. Eine pfeffrige, dem Look des Film angepasste, schmutzig-kantige Musik.

3:10 to Yuma ist ein anspruchsloser aber spannend gemachter und unterhaltsamer Spätwestern mit einigen Riesenlöchern in der Logik.

Extras: Bildqualitativ kann die DVD vollends überzeugen. Gestochen scharfe Bilder im 2.35:1 Format liefern einen optischen Leckerbissen für das Heimkino. Auch die Tonspur ist eine feine Sache, der Sound der unterschiedlichen Schiessprügel ist authentisch und sauber zu unterscheiden. Auch beim Bonusmaterial hat man nicht gespart. Neben nicht verwendeten Szenen findet man das obligate Making Of und einiges mehr zur Filmthematik (Outlaws etc.). Ganz nett.

/ pb

Kommentare Total: 38

farossi

so, endlich auch gesehen...
nachdem ich bei open range die hoffnung auf einen packenden neo-western beinahe aufgegeben hatte (finde den film einfach nur laaaangweilig), wollte ich diesem hochgelobten teil doch auch noch eine chance geben. und siehe da: volltreffer!

von der ersten einstellung an mitreissend, wunderbar fotografiert, die actionszenen den heutigen möglichkeiten angepasst und folglich auch super geschnitten (obwohl er natürlich NIE an einen leone-klassiker - schon gar nicht erst an c'era una volta il west herankommt) und schauspielerisch absolut ohne einwände. und obwohl 3:10 to yuma im gegensatz zu z.b. open range deutlich auf action setzt und die eine und andere logiklücke schon fast schmerzt, finde ich die charakterstudie der beiden hauptakteure sehr gelungen. bis zum schluss spannend, auch wenn

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bei mir persönlich der schluss selbst wie eine ohrfeige nachwirkte...

ein wirklich toller neo-western!

Le-Chiffre

Zitat Dirty Harry (2008-11-28 18:11:47)

Wer Yuma mit Leones Meisterwerken vergleicht, ist schliesslich auch eine Pappnase. 😈😉

Mich nähme es noch wunder, warum man den Film nicht mit Sergio Leone vergleichen soll? Geht ja unter Western...
Mir ist klar, dass Sergio Leone ein Meister der Westernfilme war. Alle seine Filme sind brilliant. Nun 3:10 Yuma ist ein Western, welcher seit langen wieder einmal den Namen Western verdient...
Der Vergleich scheint mir also nahe...

jon

Es ist mir durchaus bewusst, dass der Film ein Remake ist. Aber bei den Western heisst das nun wirklich nicht gerade viel. Zugegeben, ich kenne das Original nicht, aber soviel ich weiss basiert der Neue nur recht vage auf der Story. Und das tut nun aber wirklich beinahe jeder Western, auf irgendeiner altbekannten Story basieren, gerade beispielsweise all die Costners. Oder nehmen wir "Assassination of Jesse James", da die Geschichte von Jesse James auch schon unzählige Male erzählt wurde, könnte man ihn ja auch gleich als Remake einstufen. Was ich sagen will: Es gibt tausend Möglichkeiten, ein Remake zu machen, und so ist es alles andere als selbstverständlich, dass der neue "3:10 to Yuma" in der guten alten Tradition der klassischen Western steht. Zufrieden?

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