Volver (2006)

Volver (2006)

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  2. 121 Minuten

Filmkritik: Singend das eigene Grab putzen...

Nicht mein(e) Tag(e)...
Nicht mein(e) Tag(e)... © Studio / Produzent

Drei Frauen aus einer Linie, drei Generationen mit spanischem Temperament. Das Leben ist kein Zuckerschlecken, vor allem nicht, wenn man eine Leiche im Tiefkühler hat... oder einem das Leben andere nette Probleme bereitet. Raimunda (Penélope Cruz) weiss nicht wohin mit dem Toten, doch schon bald kommt ihr eine Idee. Mit der Unterstützung der Dorfprostituierten schaufelt sie dem Seeligen an dessen Lieblingsort ein Grab.

Derweil trifft Raimundas pubertierende Tochter (Yohana Cobo) auf die - eigentlich - seit Jahren verstorbene Grossmutter (Carmen Maura), die - eben uneigentlich - quicklebendig ist. Dunkle Geheimnisse kommen ans Licht, Lügengebäude verlieren ihre Substanz und immer halten die Frauen von La Mancha zusammen.

Nach seinen letzten zwei Regiewerken (Hable con ella (2001), La mala educación (2003)) bearbeitete Pedro Almodóvar diesmal mit Volver ein Thema, das er bisher stets vermieden hatte - den Tod. Aus den verschiedensten Winkeln wird das "unerbittliche Vergehen" gezeigt. Almodóvar konfrontiert sämtliche Filmfiguren - die Mehrheit hat wie so oft in seinen Filmen zwei X-Chromosome - mit dem Tod und jede muss ihren eigenen Weg finden, ihn in der Form, wie er sich zeigt zu akzeptieren und zu verarbeiten.

Vor der Kulisse seiner Vergangenheit in La Mancha, lässt Pedro Almodóvar die Volver-Volltreffer-Besetzung agieren, lässt sie dramatische, tragische und dann wieder komödiantische Zeilen sprechen oder Handlungen tätigen. Passend dazu setzt die Musik mit ein, von traditionell Spanisch bis Modern. Das effektvolle Endprodukt erinnert sodann gelegentlich an einen neuzeitlichen, morbiden Hitchcock Thriller, der hin und wieder ins humorgespickte Komödienhafte gleitet. (Besonders attraktiv sind die geräuschvollen Salven von Begrüssungs- und Adé-*Küsschen*, mit denen sich die Frauen jeweils gegenseitig eindecken...)

Der Cast wird angeführt von zwei Berühmtheiten, die Mann/man wohl gerne zur Freundin hätte: Penélope Cruz (Todo sobre mi madre) und Carmen Maura (Mujeres al borde de un ataque de nervios), beides ausdrucksstarke Damen, die bereits mit Pedro Almodóvar zusammenarbeiten durften. Persönlich gefällt mir Cruz besser in der Rolle der bodenständigen, zähen Spanierin als in hollywood'schen Tralla-lala Blockbuster Movies (an der Seite irgendwelcher Scientology-Anhängern und nun Ex-Freunden).

Ein Film von Pedro Almodóvar ist vielschichtig, farbenfroh, musikalisch ansprechend und trumpft mit talentierten Schauspielern, humorvoller Aktionen und guten Themen. Volver ist nach La mala educación wieder ein sehr zu empfehlendes Leinwand-Goodie. Mein Tipp lautet es sich im Kinosessel gemütlich zu machen, die Beine nach Möglichkeit zu strecken und sich von spanischem Temperament, viel weiblichem Charme, interessanten Bildern sowie guten Sätzen inspirieren zu lassen.

/ nd

Kommentare Total: 3

prS

Mit den früheren Almodovar Filmen konnte ich nicht viel anfangen - zu störend empfand ich die wirren Charakteren, die vielen Transvestiten und Homosexuellen, die zwar schrill, jedoch als Charaktere nicht gut genug waren um den Film zu tragen (meine Meinung). Volver jedoch besitzt charismatischere Charaktere (v.a. die rassige Penelope, oder auch ihre Filmmutter), welche allesamt hervorragend gespielt werden. Einige Längen des Films, die sehr flache Darstellung der Männer in diesem Film (ok, ist halt mal ein Film bei dem die Frauen dominieren..) und der höchst unbequeme Kinosessel (war ein kleineres Kino) verhindern meines Erachtens jedoch allzu hohe Wertungen.

lafrecciablu

Längst sind die Frauen in Almodovar Filmen nicht mehr am Rande eines Nervenzusammenbruches und seine Geschichten etwas zurückhaltender, obwohl immer wieder Tabu-Themen zum vorschein kommen (sexuelle Kindsmisshandlung, Inzest).

Geschickt verbindet Pedro in seinem neuen Werk Familiengeheimnisse, Vergangenheitsbewältigung, Tod, Aberglaube und viel mediterrane Eigenheiten. Zu Beginn der Geschichte gleitet die Kamera durch einen Friedhof, wo Frauen die Gräber ihren Lieben reinigen (und die eigenen Gräber sozusagen auch, denn wer will schon alleine unter der Erde weilen). Ein grandioser Auftakt zu einem weiteren Frauen-Power-Reigen.

nd

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