Sehnsucht (2006)

Sehnsucht (2006)

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  2. 88 Minuten

Filmkritik: Romeo und Julia Part 2

Der Mann, der schneller zieht als sein Schatten
Der Mann, der schneller zieht als sein Schatten

Irgendwo in Brandenburg in einem Zweihundert-Seelen-Dorf leben Markus (Andreas Müller) und Ella (Ilka Welz). Er ist Schlosser, sie jobbt ein paar Stunden in der Woche als Haushaltshilfe. Er ist bei der freiwilligen Feuerwehr, sie singt im Chor. Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit, sind unzertrennlich, und noch immer unsterblich ineinander verliebt. Sie reden nicht viel, ihre Zuneigung wird viel mehr durch Blicke oder sonstige Gesten ausgedrückt.

Ja, iss denn scho Ostern?
Ja, iss denn scho Ostern?

Markus besucht eine Art Seminar mit seinen Feuerwehrbrüdern, welches einige Kilometer weg ist. Elle lässt ihn nur ungerne gehen. Abends in der Wirtstube wird gegessen, gelacht, viel getrunken und getanzt. Am nächsten Morgen findet sich Markus im Bett der Bedienung des Restaurants, Rose (Anett Dornbusch) wieder. Unbehaglich erkundigt sich Markus, was denn am Vorabend genau geschehen sei. Dies ist der Anfang einer etwas verwirrten zweiten Beziehung, die die Liebe zu Ella nicht zu stören scheint. Doch schon nach wenigen geheimen Treffen passiert etwas Unvorhergesehenes...

Irgend jemand musste ja den Zonk ziehen. Doch da alle Redaktoren anderweitig beschäftigt waren (Stadtrundfahrt und schlafen und so), quälte ich mich halt um neun Uhr morgens in den Berlinale-Palast. Und ja, irgendwie konnte mich der Film nicht mitreissen. Vielleicht lag es an den endlos langen Kameraeinstellungen, an den minutenlangen Szenen der nebeligen Brandenburger Landschaft. Oder vielleicht lag es daran, dass Sehnsucht praktisch keine Handlung hat, und der Anblick der Darsteller alleine schon den Unterkiefer langsam heruntersacken lässt. Und letzteres lag nicht einmal daran, dass die Schauspieler vorher noch nie vor einer Kamera standen, denn zumindest der Hauptdarsteller in Echt war an der Pressekonferenz danach eigentlich noch ein geiler Siech.

Sehnsucht beschreibt neunzig Minuten lang ein Schicksal, welches so oder ähnlich schon millionenfach verfilmt wurde, und das mit einer immer etwas depressiven Grundstimmung und in die Länge gezogenen Einstellungen. Nur Robbie Williams mit "Feel" und Alcatraz mit "Crying in the discotheque", welche szenenbedingt im Film vorkommen, zogen mich für je drei Minuten aus dem Kampf, die Augen offen halten zu müssen. Und das ist kein gutes Zeichen.

Das Ende ist erstaunlich erfrischend. Ehrlich gesagt, die neunzig Minuten auf zehn gekürzt, plus das Ende beibehalten gäbe einen super Kurzfilm. So sympathisch die junge Regisseurin Valeska Grisebach auch ist, doch der Film hat mich nicht im geringsten in den Bann gezogen. Dazu müsste ich schon in einer anderen Stimmung sein, melancholisch und leicht gelangweilt vielleicht. Ich weiss es nicht.

/ neh

Trailer 2 Deutsch, 01:44