The Road to Guantánamo (2006)

The Road to Guantánamo (2006)

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  2. 95 Minuten

DVD-Review: These are bad People!

Keine Kartoffelsäcke, sondern Menschen.
Keine Kartoffelsäcke, sondern Menschen. © Studio / Produzent

September 2001. Die Mutter von Asif (Arfan Usman) kommt von ihrer Reise aus Pakistan zurück nach England. Ganz nach Tradition hat sie in einem Dorf in der Nähe von Faisalabad eine Braut für ihren Sohn gefunden. Asif macht sich auch sogleich auf den Weg, doch es fehlt ihm noch etwas Wichtiges: Ein Trauzeuge. Als er in Pakistan ankommt, bittet er seine drei Freunde Ruhel (Farhad Harun), Shafiq (Rizwan Ahmed) und Monir (Waqar Siddiqui), an die Hochzeitsfeier zu kommen. Erfreut über die Einladung machen sich die drei Jungs auf den Weg. Sie werden in Karachi von ihrem Kumpel empfangen, und besuchen dort mit Shafiqs pakistanischem Cousin eine Moschee. Hier bittet sie ein Imam, also ein Vorbeter des islamischen Gebets, doch mit nach Afghanistan zu kommen, um der Bevölkerung dort Hilfe zu leisten. Das klingt für die Freunde nach Abenteuer, und sie sind einverstanden.

Nach einer langen und anstrengenden Reise kommen sie nachts in Kandahar an. Und schon zerreisst der erste Bombendonner die Luft. Die Vereinigten Staaten haben den Krieg gegen die Taliban begonnen. Die Vier reisen weiter in die Hauptstadt Kabul, wo sie von Krankheiten heimgesucht werden, die sie hindern, weiter zu reisen. Der Krieg wird immer heftiger, und zwingt die Abenteurer trotz quälender Schmerzen, den Weg zurück nach Pakistan in Angriff zu nehmen.

Drei verlorene Seelen
Drei verlorene Seelen © Studio / Produzent

Während Tagen irren sie durch das Land, und nähern sich immer mehr den Kampfgebieten, bis sie festgenommen werden. Monir wird aus den Augen verloren, und wochenlang wird das Trio praktisch ohne Wasser und Essen festgehalten. Viele der Mitgefangenen sterben an Hunger, Seuchen oder schlicht aus Sauerstoffmangel in einem Container. Als die Amerikaner schlussendlich die Festgenommenen übernehmen und in ein Flugzeug stecken, geht ein Aufatmen durch die Reihen. Schlimmer als hier kann es in der westlichen Zivilisation ja nicht sein.

Denkste. Die Freunde werden als potenzielle Terroristen nach Kuba auf den US-Stützpunkt Camp Delta in Guantánamo Bay verfrachtet. Und dort geht die Hölle erst richtig los. Der amerikanische Geheimdienst sieht in den Inhaftierten Mitglieder von al Kaida mit Kontakten zu Usama bin Ladin und Mohammed Atta. Die Drei kriegen schlecht aufgenommene Videobänder von Ausbildungscamps vorgezeigt, auf denen sie sich wiedererkennen sollen. Demut und Folter sind an der Tagesordnung. Stündlich werden alle Inhaftierten geweckt, zur "Kontrolle".

Dass all diese Vorwürfe unhaltbar sind, stellt sich relativ schnell heraus, doch es dauert ganze zwei Jahre, bis Asif, Ruhel und Shafiq wieder freie Luft atmen können. Von Monir fehlt weiterhin jede Spur. Und solch einen Horrortrip steckt man auch nicht einfach so weg...

Der silberne Bär von Berlin (2006) war eine der Auszeichnungen, die Road to Guantanamo erhalten hat. Regisseur Michael Winterbottom mischt gekonnt und schockierend reale Bilder und Handlungen basierend auf den Erzählungen der Überlebenden. Diese drei Personen werden auch immer wieder eingeblendet und erzählen gar unglaubliches. In Guantanamo wird somit jegliche Art von Menschenrecht mit Füssen getreten und die Amerikaner scheinen da echt mit jeder noch so erbärmlichen Art versucht zu haben, ein Geständnis der Insassen zu erzwingen, um danach vor den Medien von "gefangenen Terroristen" berichten zu können.

Der Film bezieht ganz klar Stellung. So brutal und unglaublich die Anschläge vom 11. September 2001 auch waren, in Road to Guantanamo sind die Amis die Bösewichte. Das wird vor allem dann klar, sobald die Handlung in eines der Gefängnislager verschoben wird und die Gefangenen aufs übelste gefoltert werden. Aber keine Angst, Hostel-Methoden werden hier vergebens gesucht. Die Folterungen sind weniger blutig, aber genau so brutal. Schlafstörungen durch stündliche Untersuchungen, Dunkelkammern mit hämmernder Rockmusik und angeketteten Händen und Füssen, Misshandlungen des Koran-Buches und ähnliche werden hingegen am Laufmeter gezeigt.

Der Film, basierend ja auch wahren Berichten, schockiert und macht extrem nachdenklich. Wie kann die Welt zuschauen, wenn dort, in Kuba, ein paar Soldaten praktisch Narrenfreiheit besitzen, nur um willkürlich gefangenen Insassen eine politische Aktiviät anzuhängen, für die es keinerlei Beweise gibt? Dazu kommen die Lügen der Verhörspezialisten, denen natürlich "Beweise" vorliegen (Fotos, Briefe, Aussagen von Freunden), die kaum mehr anfechtbar sind. Alles was sie brauchen, ist ein Geständnis. Und das wollen sie sich auf jede noch so erbärmliche Art holen.

Schauspielerisch wird auf unbekannte Gesichter gesetzt, wobei natürlich die drei Erzähler ihre wahre Geschichte wiedergeben. Bereits in den ersten Minuten hört man den amerikanischen Präsidenten Ausflüchte und Erklärungen suchen, warum diese Schritte notwendig sind. Denn dort drüben sind ja schliesslich alles "böse Menschen"....

Fazit: Eindrücklich, interessant, grauenhaft real und zum Kopf schütteln. So präsentiert sich Road to Guantanamo. Ein Film, der sich jeder angucken sollte, der ein bisschen mehr in der Zeitung liest als nur Sport und die Comics. Vielleicht öffnet diese Geschichte sogar einigen Leuten die Augen. Zu hoffen wärs, auch wenn ich kaum daran glauben kann.

Die DVD-Extras bestehen aus Interviews mit den drei Erzählern, in denen sie noch einmal auf die Geschehnisse eingehen und auch berichten, wie sich ihr Leben seit diesen Aufenthalten und Erlebnissen verändert hat. Interessant anzuhören, nachdem man im Film bereits deren Geschichte gehört und gesehen hat. Das DVD-Menü ist zweisprachig gehalten (Deutsch/Französisch). Bild und Ton variieren stark, wie es sich für eine Dokumentation gehört. Schlussendlich darf aber man aber damit sehr zufrieden sein, weils einfach sehr gut passt.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Kommentare Total: 8

filmchefchen

Der Film zeigt auf beeindruckende Art und Weise wie hart das Leben eines Unschuldigen Häftlinges in Guantánamo ist. Sehr schön finde ich die Beziehungen zwischen den amerikanischen Wärtern und den Protagonisten, denn einmal ist es purer Hass, das andere mal schon eher freundschaftlich (Rap, Tarantel). Etwas gefehlt hat mir die Begründung, wieso die Jungs auf die Idee kamen, nach Afghanistan zu reisen, grosse Naam-Brote können kaum der einzige Grund sein...
Sehr sehenswert!

muri

DVD-Review: These are bad People!

gargamel

Zitat Ghost_Dog (2006-05-13 12:34:07)

der film zeigt aber, was an guantanamo das grosse problem ist: wenn wirkliche terroristen so behandelt werden, geht das völlig in ordnung. aber was ist, wenn mal einer per zufall dort reinkommt? da liegt das whare übel, nicht in der behandlung der sträflinge an sich.

nein, auch "wirkliche terroristen" dürfen nicht so behandelt werden. abgesehen davon, dass es ja selten klar ist, wer nun ein "wirklicher terrorist" ist, können die gefolterten "wirklichen terroristen" dann in amiland nicht mehr vor gericht gestellt werden (weil sie eben gefoltert wurden) und man verurteilt dann grossmäulige möchtegernterroristen wie massaoui als top-terroristen...

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