Räuber Hotzenplotz (2006)

Räuber Hotzenplotz (2006)

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  2. 94 Minuten

Filmkritik: Eine Idee, die Gold wert ist

Die Fussball-WM wird vorbereitet
Die Fussball-WM wird vorbereitet © Studio / Produzent

Die Frau Grossmutter (Christiane Hörbiger) sitzt vor ihrem Haus und dreht an der Kaffeemühle, die auch gleichzeitig eine wunderschöne Melodie von sich gibt. Die Sonne scheint, es ist warm, der Kasperl (Martin Stührk) und sein Freund der Seppel (Manuel Steitz) besorgen sich schöne reife Äpfel für einen feinen Kuchen, als plötzlich Grossmutters gellender Schrei die Stille durchbricht. Natürlich machen sich die zwei Lauser schnurstracks auf den Weg und auch die örtliche Justiz, in Form des etwas verwirrten Wachtmeister Dimpfelmoser (Piet Klocke) ist ebenfalls bereits unterwegs. Denn ER hat wieder zugeschlagen. Er, der Lump unter den Lumpen, der Räuber unter den Räubern, der böseste Mann der Gegend. Sein Name: Räuber Hotzenplotz (Armin Rhode).

Der Tatort wird untersucht und während sich Dimpfelmoser mit Hilfe der wahrsagenden und zigarrenrauchenden Frau Schlotterbeck (Katharina Thalbach) bedient, machen sich Kasperl und Seppel mit einem genialen Plan auf die Suche nach der Kaffeemühle und deren Kidnapper. Sie schreiben eine Truhe mit den Worten "Gold" an, bohren ein Loch rein und lassen Sand rauskieseln. Dann lassen sie sich von Hotzenplotz überfallen und der führt sie selber zu seinem Versteck. Theoretisch....

Germanys Next Topmodel?
Germanys Next Topmodel? © Studio / Produzent

Dass natürlich solche Pläne nie aufgehen und der Räuber die beiden Jungs schnappt, ist vorauszusehen. Kasperl und Seppel haben allerdings vorgesorgt. Sie haben sich verkleidet, in dem sie ihre Mützen vertauschten. Das genügt, um den Hotzenplotz völlig durcheinander zu bringen, verhindert aber nicht, dass Kasperl (der für Seppel gehalten wird) zum Kartoffelschälen ins Schloss des grossen Zauberers Zwackelmann (Rufus Beck) abgeschleppt wird. Und während dieser dort nicht nur schuften muss, sondern auch eine weisse Fee retten soll, muss sich der Seppel (der für Kasperl gehalten wird) mit dem Räuber Hotzenplotz rumschlagen, dessen finstere Pläne immer schuftiger werden.

Während man im TV mit der Märchenstunde gequält wird, schafft es doch tatsächlich der bekannteste Räuber der deutschen Märchenwelt in einem Film in die Kinos zu kommen, der sich nicht nur wohltuend von all dem Schenkelklopf- und Dampfhammerhumor unterscheidet, sondern der auch für die Kleinen hervorragende Unterhaltung bietet. Da ist alles quietschbunt, die Bösen sind eigentlich gar nicht so böse, tun aber so, und wem die zwei Lausbuben "Kasperl" und "Seppel" kein Deja-Vu verursachen, der hat wohl definitiv seine Kindheit verpennt.

Natürlich bestimmt ein Mann diesen Film. Armin Rhode, der wuchtige Schauspieler aus Die Bluthochzeit oder Barfuss ist fast zur Unkenntlichkeit geschminkt und hat den Film als Titelfigur Räuber Hotzenplotz jederzeit voll im Griff. Seine Aktionen sind kindgerecht, lustig und ziemlich cool anzusehen. Da müssen sich seine Partner leider hinten anstellen.

Christiane Hörbiger ist klassisch als Frau Grossmutter, während Nervenbündel Piet Klocke auch in diesem Film kaum einen Satz richtig fertigsprechen kann und rumhampelt, dass es nur so eine Freude ist. Bei ihm ist es aber schon so, dass zuviel des Hampelns dem Zuschauer bald mal auf die Nerven geht. Barbara Schöneberger zeigt hingegen, dass sie auch in kleinen Filmrollen, hier als "schöne" Fee, nicht zu überzeugen mag und Rufus Beck hatte sichtlich Spass an seiner Rolle als böser Zauberer. Die beiden Buben Kasperl und Seppel sind optimal ans Zielpublikum angepasst und machen ihre Sache gut.

Was neben dem durchaus positiven Eindruck des Gesamtfilms abfällt, sind die lächerlichen CGI-Effekte. Da hats ein Krokohund. Oder wars ein Hundedil? Auf jedenfall heisst das Teil "Wasti" und ist eine Mischung zwischen Hund und Krokodil. Diese vollkommen animierte Figur will überhaupt nicht in die sonst "handgemachte" Geschichte passen und ist dann auch das Ärgernis Nummer Eins. Auch die Tatsache, dass es mit der Zeit recht mühsam wird, den harmlosen Spässen zu folgen, vermag für einen Erwachsenen sicherlich Grund sein, etwas Negatives zu sehen. Für Kids wird das aber der Hammer.

Fazit: Räuber Hotzenplotz ist besser als erwartet und vermag durchaus zu unterhalten. Nicht durchgehend, aber die Zielgruppe schiesst auch etwas an uns vorbei. Trotzdem ist der Schmunzelfaktor recht gross und wer beim Schlusslied, vorgetragen von Armin Rhode himself, nicht mitschunkelt, der ist selber Schuld. So bleibt ein farbiges, buntes, lustiges und für Kinder absolut taugliches Stück deutsches Kino, das sich wohlwollend von vermeintlich lustigen Versionen deutscher Märchen abhebt.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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