Das Leben der Anderen (2006)

Das Leben der Anderen (2006)

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  2. 137 Minuten

Kommentare Total: 26

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han

Filmkritik: Ostalgie war gestern.

rm

Dieser Film hat sich den Platz in meiner persönlichen Top 2006 jetzt schon gesichert. Wiesler gehört zu den tollsten "Villains" der Filmgeschichte. Man weiss, dass solche Leute exisiter(t)en, und dass man sie eigentlich grauenhaft finden sollte, aber das Böse ist zu genial, als das man es nicht cool finden könnte. Einen Vergleich mit Hannibal Lecter muss der Stasihauptmann nicht scheuen.

Ich hab auch noch ein paar Einwände zur Kritik oben. Dazu aber später mehr. Der Film verdient eine ausführlichere Betrachtung.

lafrecciablu

der vergleich mit hannibal lecter ist mir auch in den sinn gekommen... sogar äusserliche ähnlichkeiten waren vorhanden. die grenze zwischen gut und böse ist sehr dünn. das leben der anderen ist ein stimmiger film und nebst der dunklen thematik kein hoffnungsloser streifen. ein plädoyer für die menschlichkeit.

psg

Zitat lafrecciablu (2006-08-29 11:23:51)

der vergleich mit hannibal lecter ist mir auch in den sinn gekommen... sogar äusserliche ähnlichkeiten waren vorhanden

Vor allem äusserliche Ähnlichkeiten erinnern vielleicht an Herrn Lecter, aber die Figuren sind also wirklich nicht miteinander zu vergleichen. Ich habe ja "Silent of the Lambs" nicht gesehen (das wäre aber langsam höchste Zeit), weiss nur dass Antony Hopkins ein Menschenfresser und Ulrich Mühe ein Sasi-Hauptmann spielt. Das ist doch ein Unterschied.

Der Film ist übrigens, etwas vom Besten Stück des Deutschen Kinos, das es je gegeben hat. Die Machart ist grandios, wunderschön mit Weitwinkel gefilmt untermalt mit Musik, die zum Träumen schön ist.

Die Schauspieler sind sowieso alle(!) Erste Klasse, grandiose Theaterschauspieler im Gegensatz zu den vielen Film -Stars und -Sternchen in Hollywood. Das ist noch tolle, ausgeprägte Schauspielerei.

Eine Szene malt besonders gut das von Drohungen und Macht geprägte Bild dieser Zeit in der DDR aus: Die Szene mit dem "Guten Morgen, Sonne"-Witz. Hier wird eindrücklich gezeigt, wer wie seine Macht über andere ausspielen und es dabei noch saulustig haben kann.

Fazit: Eine Perle des Deutschen Films, eindrücklich gespielt und keine Sekunde langweilig. Einen Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film, bitte.

ebe

Muss auch noch ein wenig in die Lobeshymnen einstimmen. Bin selten von einem deutschen Film so begeistert gewesen wie von diesem. Und ja, ich geb's zu, am Ende des Filmes - der für mich keine Sekunde zu lange war - standen mir Tränen in den Augen.

Kluge Geschichte, hervorragende Bilder und Musik und ein grandioses Darstellerensemble. Unter letzteren verdient besonders Hauptdarsteller Ulrich Mühe eine besondere Erwähnung. Wie er es schafft, durch feine Nuancen seines Mienenspiels den Zuschauer spüren zu lassen, wie seine Überzeugung an der Richtigkeit seiner Stasi-Mission sehr langsam zu bröckeln beginnt: Spitzenklasse und - man verzeihe mir den abgeschmackten Vergleich - oscarverdächtig. Gleiches gilt natürlich für den ganzen Film!

lorelei

Kann mich den Lobeshymnen auch nur anschliessen - ein sehr eindrücklicher, berührender und wichtiger Film. Der Schluss zieht sich tatsächlich etwas in die Länge, aber ansonsten ging ich selten so beeindruckt aus dem Kino. Sehr sehenswert!

rm

Zitat Aus den Kommentaren bei Critic.de

Die Fehler im "Leben der Anderen"

Die auffälligsten Fehler :

1)
Falsches Haus:
Die Stalinbauten in der Wedekindstrasse (im Film das Wohnhaus des Schriftstellers von Aussen) haben keine grossräumigen, spitzen Dachböden, sondern Flachdächer. (Diese sollten als Kampfposten der NVA und der Betriebskampfgruppen der Arbeiterklasse dienen , weil sie, wie die Häuser in der Karl-Marx-Allee/Frankfurter Allee auch, mitunter die erste Verteidigungslinie der Republik bildeten, sollten feindliche Truppen aus dem Westen einfallen.)
Also kann der Stasi-Offizier unmöglich von dort aus irgend etwas abgehört haben. Aber er hätte sich leicht beim Hauswart (der Parteibeauftragte, der das Hausbuch geführt hat) einnisten können; auch dazu waren Hauswarte da. Jedoch etwas, was diese Häuser alle haben, was im Film aber nicht erwähnt wurde, sind riesige unterirdische Keller- und Bunkeranlagen, die ohne weiteres als Lauschposten hätten dienen können.

2)
Die Stalinbauten wurden zwischen ca. 1950 und 1954 errichtet. Die Filmwohnung von Innen war aber eine Altbauwohnung von ca. 1908 mit Parkett, Stuck und Türschwellen. Die Stalinbauten haben alle einen dunkelroten Holzbeton-Fussboden, der keine Türschwellen hat, weil er gegossen wurde. Aber ohne eine Türschwelle hätte der Dichter kein Versteck für die Schreibmaschine gehabt.

3)
Wäre die Wohnung passend zu den Innenaufnahmen, auch von Aussen ein Altbau gewesen, wäre keine Klingelanlage, geschweige denn eine Gegensprechanlage vorhanden gewesen. Die sanierten Altbauten Ostberlins haben meist erst weit nach der Wende eine Klingel- Gegensprechanlage bekommen und viele nicht sanierte Altbauten haben bis heute keine.

Daraus folgt:
Der Stasioffizier, der auf dem in einem Stalinbau nicht vorhandenen Dachboden nicht hätte sitzen können, hätte auch nicht die nicht vorhandene Klingelanlage einer Altbauwohnung kurzschliessen können. Entweder sitzt Horch und Guck auf dem Trockenboden eines Altbaus, dann gibt es keine Klingel von Aussen, aber dafür eine Türschwelle in der Wohnung, oder er sitzt ein einem Stalinbau, womöglich im Keller, wobei es dann die Klingel von Aussen gibt, aber eben keine Türschwelle, worunter der Schriftsteller seine geschmuggelte Schreibmaschine hätte verstecken können. Ergo, die Geschichte hätte sich unmöglich so unter den gezeigten Umständen ereignen können.

4)
Als die Schauspielerin zum ersten mal aus dem Wagen des Ministers gestiegen ist und ins Haus ging, haben sie und ihr Schriftsteller-Freund sich in einem völlig anderen Haus (Das Fenster und die Fassade von aussen waren anders.) geküsst, nur Sekunden nachdem sie ins Haus ging, es war weder die Stalinbau-Wohnung in der Wedekindstr., noch die Altbau-Wohnung, die später im Film für die Innenaufnahmen verwendet wurde.

5)
Nicht so grundlegend tragisch aber nichtsdestotrotz als Stilbruch zu werten: Die Schauspielerin trägt einen Straps und dicke Baumwollstrümpfe. Die Garnitur kann man ganz deutlich in zwei Szenen erkennen.
Die Kerngeschichte des Films spielt wohlgemerkt 1984 und nicht 1924. IM OSTEN GAB ES AUCH STRUMPFHOSEN! Und wenn nicht, der Schriftsteller-Freund, der in den Westen reisen durfte, hätte ihr welche mitgebracht . Ausserdem fickt die Tussi mit einem Mitglied des ZK. Spätestens bei der zweiten Bums-Begegnung hätte der fette Bonze ihr Strumpfhosen besorgen können. Oder schliesslich hätte sie selbst ein Paar Forum-Schecks im Intershop dafür verwenden können.

6)
Der mit dem Schriftsteller befreundete Regisseur soll sich im Januar erhängt haben, aber der Friedhof war bei der Beerdigung ganz schön grün. Ausserdem werden Tote im Januar in Berlin kaum beerdigt, weil der Boden meist gefroren ist.

7)
Der Spiegel-Journalist reist dem Drehbuch zufolge nach Ostberlin unter einem anderen (falschen) Namen und hängt schliesslich seine Stasibeschattung in Prenzlauer Berg ab. Völliger Schwachsinn! Alle Autos mit Westkennzeichen wurden in Zusammenarbeit mit der Volkspolizei, der NVA und rund einer Million IMs des Ministeriums für Staatssicherheit genug beschattet.
Und dass ein Bürger der Bundesrepublik mehrere Pässen mit verschiedenen Namen besitzt, ist unrealistisch; es sei denn, der Spiegel-Journalist war auch Mitarbeiter des BND und/oder Urkundenfälscher.

8)
Musste sich ein prominenter DDR-Schriftsteller von einem westdeutschen Journalist erklären lassen, dass er die illegale Schreibmaschine und die darauf geschriebene, verbotene Literatur an einem sicheren Ort zu verstecken hätte? Waren die Wessis wirklich alle so clever und die Ossis so doof?

9)
Den auf einer, in die Hauptstadt der DDR hereingeschmuggelten Schreibmaschine, geschriebene Spiegel-Beitrag hätte kein West-Journalist eigenhändig in einem Geheimfach seiner eigenen Aktentasche aus der DDR herausgeschmuggelt. Die in der DDR nicht akkreditierten Westjournalisten haben lange vor 1984 gelernt, die Ostaufträge von Angehörigen ihrer Botschaft bzw. der Ständigen Vertretung heraus bringen zu lassen.

10)
Das Ministerium für Staatssicherheit verlegt in der Wohnung des Dichters/der Schauspielerin hunderte von Metern Kabel . Der Stasi standen aber schon Mitte der Siebziger drahtlose Wanzen zur Verfügung. Und wenn es schnell gehen musste (im Film sollen es knapp 20 min gewesen sein) wurden sie auch eingesetzt. (Und somit war Stasi übrigens auch nicht auf einen nicht vorhandenen Dachboden (s.o.) angewiesen.)

11)
Um die Wohnung des Dichters/der Schauspielerin auf Wanzen zu prüfen, lässt der Dichter den Onkel eines Freundes aus dem Westen kommen, wobei sie lauthals Anti-DDR-Sprüche klopfen.
Warum hat der Schriftsteller nicht einfach ein Kofferradio an die Wand gehalten? Jeder, der nach 1900 geboren wurde, weiss doch, dass ein Mikro zusammen mit einem Lautsprecher eine akkustische Rückkoppelung gibt, oder?

12)
Zusammen mit dem Westberliner Onkel sassen alle herum und haben Bier gesoffen. Und dann ist der Onkel wieder unbehelligt nach Westberlin zurückgefahren? Nach der StVO der DDR war am Steuer 0,0 Promille erlaubt. Und wäre nicht der Fahrer eines dicken, kapitalistischen Mercedes, der nach Bier stinkt, an der Grenze kontrolliert worden? (Schliesslich war der Freikauf von Gefangenen aus Westdeutschland und Westberlin eine nicht unbeachtliche Devisen-Einnahmequelle der DDR.)

13)
Ausserdem soll der Onkel, laut Drehbuch, über die Grenzübergangsstelle Heinrich-Heine-Strasse JEDEN Sonnabend ein- und ausreisen. Die GÜSt Heinrich-Heine-Strasse war jedoch nur für Westdeutsche, nicht aber für Westberliner.
Und normalerweise, auch zu DDR Zeiten, hat ein Jahr ca. 52 Sonnabende. Einreisen durften Westberliner allerdings nur ca. 30 mal im Jahr.

14)
Auf dem Parkplatz des Ministeriums für Staatsicherheit in der Normannenstrasse gibt es nur Trabis und Wartburgs. Wo sind die Skodas, Volvos, Mazdas und Polos? Die DDR hat ab 1975 Volvos für die Privilegierten und ab 1982 Mazda 323s für jedermann importiert. Zumindest einige Stasi-Mitarbeiter hatten Mitte der 80er schon andere Fahrzeuge.

15)
Auch auf diesem besagten Parkplatz ist ganz im Hintergrund und ganz klein das gelbe Schild mit dem Bundesadler am Eingang vom Haus 7 zu erkennen.

16)
Die meisten prominenten DDR-Künstler gingen nicht so selbstverständlich davon aus, dass ihre Wohnungen nicht präpariert waren. Begriffe wie Wanzen, Abhöranlagen, Richtmikrofone, waren sogar schon vor der Wende allgemein bekannt

17)
Generell stand Schwert und Schild der Partei nicht im Treppenhaus herum und hat geklingelt und dann sich grosszügig angekündigt; sie war nicht die GEZ. Sie hätte die Tür sofort aufgebrochen und die Bude brutal gestürmt.

Fazit:
MfS hat nicht nur Wohnungen nach möglichen Beweismaterial durchsucht, sondern auch solches gepflanzt falls notwendig. Sie war die deutsche Version vom sowjetischen Komitet Gosudarstvennoy Bezopasnosti (Komitee für Staatssicherheit) und die Nachfolgeorganisation der Gestapo. Sie war eine paranoide Geheimpolizei, die schätzungsweise ein sechszehntel der geängstigten DDR-Bevölkerung dazu genötigt hatte, als Spitzel für sie zu arbeiten. Zu der Zeit, in der dieser Film spielt, war das MfS, gemessen an der Grösse der Bevölkerung des Landes, der grösste, wenn nicht auch der mächtigste Geheimdienst der Welt.

Der Film zeigt nichts von der alltäglichen Paranoia des Staates gegenüber dem Westen, nichts von dem immer angespannten Zustand der Bevölkerung, die sich zuerst in die Schlange stellte und dann fragte, was es zu kaufen gab, jener Bevölkerung, die ständig auf dem Prüfstand der sozialistischen Gesellschaft stand und dann die resultierende Unsicherheit bzw. den Frust durch einen hohen Alkoholkonsum zu kompensieren versuchte. Die Tablettensucht der Schauspielerin wurde im Film lediglich als Mittel zur Erpressung benutzt. Die Ursacht der Sucht wurde ignoriert. Und vor allen zeigt der Film nichts von der Hassliebe des einzelnen DDR-Bürgers zu seinem sozialistischen Vaterland.

Diese Kritik des Filmes soll nicht in erster Linie die Unfähigkeit eines neuen deutschen "Filmemachers", die jüngste deutsche Geschichte filmisch glaubhaft darstellen zu können, anprangern, sondern vor allem auch die Bereitschaft der Filmpreis-Juries, eine verharmlosende Vergangenheitsdarstellung mit Preisen masslos zu überhäufen.

raudi

ein kleiner kontrapunkt zu all den lobeshymnen hier:

der film will und will nicht enden. das ende wurd zweifellos vergeigt, es hätte diverse fühere und bessere möglichkeiten zum beenden des films gegeben.

ich habe bei den filmen über die DDR oft das gefühl, dass es sich um sieger-justiz handelt. um "eine verharmlosende Vergangenheitsdarstellung" handelt es sich bei diesem film aber ganz sicher nicht. im gegenteil: ich denke die darstellung ist auch hier sehr einseitig und zeigt ein sehr willkürliches, absichtlich unatraktives bild des ehemaligen konkurenzsystems. man sollte in dem zusammenhang als schweizer den fichen-skandal nicht vergessen, hier waren die gleichen mechanismen im spiel und trotzdem war die schweiz auch damals ein lebenswerter ort über den man voll des lobes sein konnte.

den film finde ich trotz alledem sehr sehenswert.

@rm:

11) Um die Wohnung des Dichters/der Schauspielerin auf Wanzen zu prüfen, lässt der Dichter den Onkel eines Freundes aus dem Westen kommen, wobei sie lauthals Anti-DDR-Sprüche klopfen.
Warum hat der Schriftsteller nicht einfach ein Kofferradio an die Wand gehalten? Jeder, der nach 1900 geboren wurde, weiss doch, dass ein Mikro zusammen mit einem Lautsprecher eine akkustische Rückkoppelung gibt, oder?

ich hoffe die anderen fehler sind besser recherchiert. mikro und lautsprecher geben nur rückkopplung, wenn sie miteinander verbunden sind, was bei einer kabelwanze schwierig werden dürfte ;-)

haza1

guter film - in anbetracht der tristen thematik vielleicht allzu melodramatisch und dadurch allzu "süffig" gemachter film, der aber dennoch zu berühren vermag. mit dem autocrash der hauptdarstellerin wurde vielleicht ein etwas billiger oder sonstwie bemühter ausweg aus der ganzen geschichtskonstruktion gesucht. vielleicht wäre es dem film hilfreicher gewesen etwas früher - mit einigen offenen fragen - zu enden. die glaubwürdigkeit hätte darunter wohl kaum gelitten.

es wäre spannend, zu erfahren, ob die bespitzelung auch für die mehrheit der ddr - bevölkerung galt oder vor allem für die sogenannten risikogruppen wie zb intellektuelle - und da lässt der film fragen offen.

aber wir wurden zu gedanken angeregt, das hat uns gefallen.

filmchefchen

Der Film ist sehr eindrücklich und regt auch zum nachdenken an. Er wirkt sehr realistisch (auch wenn rm etwas dagegen hat😉). Der einzige kleine Minuspunkt ist die Länge des Filmes. Ich finde, er will und will nicht aufhören. Aber das ist auch das Einzige negative am Ganzen. Alles in allem sicher sehr sehenswert.

muri

DVD-Review: Überlassen sie das Denken ihrem Vorgesetzen!

rm

Dreymann schreibt seinen Bericht für den Spiegel, lieber Muri.
Und ob "Das Leben der Anderen" wirklich keinen Golden Globe gewinnt, wissen wir erst in 10 Tagen.

Ich bleib dabei. Einer der besten Filme 2006 und dass ihn sich pj und th in Locarno mehrmals nicht angeschaut haben, werde ich ihnen nie verzeihen. 😇

muri

Zitat rm (2007-01-04 17:49:12)

Dreymann schreibt seinen Bericht für den Spiegel, lieber Muri.

korrigiert. thx.

Nikolai

James Bond in der DDR

Der Film "das Leben der Anderen" von Florian Henckel-von Donnersmark ist, filmisch betrachtet, wohlgelungen. Er hat einen guten Erzählrythmus, atmosphärische Kulissen, eine gute Kameraführung, fantastische Schauspieler und wirkt eigentlich nicht so lang, wie er in Wirklichkeit ist.
Und doch hat der Film einen entscheidenden Schwachpunkt: Er wirkt unglaubwürdig. Er beginnt zwar mit einem trockenen semidokumentarischen Einleitungstext über die Funktion und Arbeit der STASI und zeigt danach ein noch authentisch wirkendes Verhör und die Schulung von kommenden STASI-Offizieren. Doch direkt danach entwickelt sich der Film zu einem Ammenmärchen über ein System, dass es so nie gegeben hat, mit Bürgern, die es nie gab.
Kulturminister Hemf (Thomas Thieme) will den Autor Georg Dreymann (Sebastian Koch) abhören lassen, um ihn aus dem Weg schaffen zu können und dann dessen Freundin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) zu bekommen. Doch der beauftragte STASI-Oberst (Ulrich Mühe) entwickelt sympathie für sein Opfer und schützt es, ungeachtet der eigenen Verluste dadurch.
Dies ist eine sehr rührende Geschichte, die leider in der wirklichen DDR nie stattgefunden haben kann. Dazu muss man nicht dort gelebt haben, um das zu sehen. Man muss nur versuchen, seinen Kopf zu benutzen während man den Film sieht, anstatt nur Popcorn in ihn reinzustopfen:
Vielleicht ist Georg Dreymann selbst systemtreu und unverdächtig. Doch zu seinen engsten Freunden gehören Leute, wie der Theaterregisseur Jerska (Volkmar Kleinert), der ein Berufsverbot hat, und der Journalist Hauser (Hans-Uwe Bauer), der selber schon in STASI-haft sass. Wenn Dreymann solche Freunde hat, warum wird er nicht schon von vornherein überwacht? Selbst, wenn die STASI ihm traute, würden sie doch zu gerne wissen, worüber seine Freunde so reden, wenn sie zu besuch sind. Aber nein, die Überwachung muss erst eingeleitet werden.
Und da kommt dann schon das nächste Problem. Die ganze Aktion ist hochgeheim. Aber die STASI steht mit einem Mannschafftswagen voller grauer Männer an helligtem Tage vor dem Haus um dann, wenn Dreymann gerade weg ist, gesammelt die Wohnung zu stürmen. Und kein Bewohner in der Strasse kriegt es mit?!?
Ja doch, die Nachbarin von Dreymann gegenüber sieht alles durch den Türspion. Daraufhin wird sie von Oberst Wiesler bedroht, er würde ihrer Tochter den Studienplatz nehmen, wenn die Nachbarin was verrate. In einem wirklichen Polizeistaat, hätte er ihr sowas nicht sagen brauchen. Es wäre ihr auch so klar gewesen. Vielmehr hätte er sie zu einem "informativen Gespräch" über ihren Nachbarn eingeladen und sie zum IM gemacht. Das wär vielfach glaubwürdiger und realistischer gewesen, als das ach-so-schockierende Ausnutzen von C.M.Sieland später im Film.
Die eigentliche Installation der Mikrofone ist auch sehr amüsant. Die ganze Zeit tragen die grauen Stasi-Leute graue Handschuhe. Klar, sie dürfen ja keine Fingerabdrücke hinterlassen. Denn wenn Dreymann nun was entdeckt und zur Polizei geht und die dann die Fingerabdrücke untersuchen und dann die STASI-Agenten festnehmen ... HALLOOOO, wo zum Teufel sind wir hier. Das ist nicht die DDR, das ist ein Kindergarten! James Bond für möchte-gern-politisch-bewusste.
Später, als Dreymann einen Systemkritischen Text verfassen will, "testet" er seine Wohnung als Hausers Onkel aus Westberlin zu Besuch ist: Sie prahlen lauthals in der Wohnung, dass sie Hauser in dem Kofferraum des Onkels in den Westen schaffen wollen. Als der Onkel über die Grenze kommt ohne kontrolliert worden zu sein, betrachten sie die Wohnung als sicher. Es scheint, als halte Florian Henckel von Donnersmarck alle Bürger der DDR für Vollidioten. Glaubt er wirklich, dass ein Bürger in der DDR meinte, so einfach seine Wohnung "testen" zu können. Und glaubt er wirklich, die STASI wäre so dumm gewesen, auf so eine platte Idee reinzufallen. Und was ist das für ein schrecklicher Polizeistaat, in dem man nur seine Wohnung testen muss, und schon ist man vor allem sicher? Ja, wenn das so einfach war, was war denn dann so schlimm in der DDR?
Aber es kommt noch besser: Dreymann bekommt Besuch von einem Journalisten aus dem Westen, der Dreymanns Text rausgeben soll. Wieslers vorgesetzter Grubitz (Ulrich Tukur) spricht ihn auf jenen Journalisten an, dessen Auto "vom Grenzübergang bis in den Prenzlauer Berg verfolgt worden und dann aus den Augen verloren" sei. Wiesler deckt Dreymann und sagt, er wisse von nichts. Dabei ist es unrealistisch, ein West-Auto in der DDR "zu verlieren". Irgendjemand, der lokale ABV, ein Stasi-Mitarbeiter, der in der selben Strasse wohnt, ein IM in einer Nachbarwohnung, irgendjemand hätte das Auto vor Dreymanns Haus gesehen und weitergemeldet.
Überhaupt würde eine solche Überwachung niemals von einer Person allein durchgeführt werden, sondern immer von vielen verschiedenen Organen mit vielen verschiedenen Mitarbeitern. Agenten mit Abhøranlagen, aber auch einfache Bezirkspolizisten, IM, die die Nachbarwohnungen oder das Haus gegenüber bewohnen (siehe oben), "unauffällige" Agenten zum beschatten auf der Strasse etc.. Damit es nämlich auch gar nicht dazu kommen kann, dass einzelne Mitarbeiter plötzlich Partei ergreifen, wie es im Film passiert. In einem Polizeistaat wird jeder von jedem kontrolliert - auch die, die kontrollieren.

Fängt man auch noch an, nachzulesen und Informationen zu sammeln, wie es wirklich gewesen sein muss in der DDR, sträuben sich einem die Haare, wie weit ab der Film von der Wirklichkeit liegt. Er zeigt in keinster Weise, wie es in der DDR zuging, sondern lediglich, wie sich ein westdeutscher Regisseur vorstellt, wie es zugegangen sein müsste.

Viele sagen, "das Leben der Anderen" sei halt nur ein Spielfilm, und da habe man auch ein gewisse künstlerische Freiheit. Das ist schon wahr, doch ist das Problem das viele Leute mit dem Eindruck aus dem Film kommen: "Da habe ich ja mal gesehen, wie das in der DDR war" und "so war das also mit der STASI", gleichzeitig mit, dass der Film in Wirklichtkeit die Verhältnisse in einem Polizeistaat schamlos verharmlost. Will man wirklich was über die STASI lernen, sollte man lieber Filme wie "Brazil" von Terry Gilliam oder "1984" von Michael Anderson sehen. Das sind zwar Science Fiction, treffen aber die Verhältnisse der DDR hundertmal besser

Markus

Zitat Nikolai (2007-01-24 13:53:27)

Fängt man auch noch an, nachzulesen und Informationen zu sammeln, wie es wirklich gewesen sein muss in der DDR, sträuben sich einem die Haare, wie weit ab der Film von der Wirklichkeit liegt. Er zeigt in keinster Weise, wie es in der DDR zuging, sondern lediglich, wie sich ein westdeutscher Regisseur vorstellt, wie es zugegangen sein müsste.

Warst du da? Wurdest du auch mal vorgeladen? Hast du auch eine Akte?

Zitat Nikolai (2007-01-24 13:53:27)

Will man wirklich was über die STASI lernen, sollte man lieber Filme wie "Brazil" von Terry Gilliam oder "1984" von Michael Anderson sehen. Das sind zwar Science Fiction, treffen aber die Verhältnisse der DDR hundertmal besser

Das Leben der Anderen mit Brazil zu vergleichen? Also bitte. Das Eine ist eine Satire und das Andere ein Drama. Brazil macht sich über den Big Brother lustig und 'DLDA' versucht es zu zeigen, wie es war.

Stimmt es zu 100%? Keine Ahnung. Ich denke ja. Weiss es aber nicht. Dafür kenne ich die (Ost-)Deutschegeschichte zu wenig. Kommt es realitisch rüber. Hell yes! Ein sehr guter Film, der mir viel besser gefällt als all die 'Ha! Ha! Wir machen uns über Ossi-Lustig-Filme...

Nikolai

Zitat:

Stimmt es zu 100%? Keine Ahnung. Ich denke ja.

Hast Du meinen Text überhaupt gelesen?

Markus

Zitat Nikolai (2007-02-05 13:21:38)

Zitat:

Stimmt es zu 100%? Keine Ahnung. Ich denke ja.

Hast Du meinen Text überhaupt gelesen?

Ich hab den Film gesehen und muss daher nicht die ganze Abfolge nochmals in schriftlicher Form haben....Deshalb: Jein, überflogen...

Markus

Anyone gesehen?

WHAT THE FUCK??!!

Wenn das stimmt! Dann hab ich definitiv allen Respekt für die amerikanische Filmindustrie verloren.

First It Giveth

Zitat Markus (2007-07-26 09:56:36)

Anyone gesehen?

WHAT THE FUCK??!!

Wenn das stimmt! Dann hab ich definitiv allen Respekt für die amerikanische Filmindustrie verloren.

Man sagt schon seit einem Jahr, dass ein Hollywood-Remake für den Film geplant wird. Als Regisseur wird womöglich auch noch der Pfosten, der "The English Patient" gefilmt hat, ausgesucht.

Veedieb

... ein sowohl eindrücklicher sowie ein sehr nachdrücklicher Film, der die Situation und die ständige Überwachung der StaSi geschichts getreu schildert...

...

wirklich nur empfehlenswert!

und endlich hab ich den wirklich realistischen Film gefunden...

...

aber dennoch...

Die Suche geht weiter...


[Editiert von Veedieb am 2007-08-21 20:09:13]

El Chupanebrey

Das Leben der Anderen ist ein spannender und berührender Film mit ausgezeichneten Schauspielern, besonders Ulrich Mühe hat Anerkennung verdient.
Es wird sehr stimmig die Überwachung eines Verdächtigen in der DDR beschrieben. Eine Überwachung, die aber gleichzeitig den Ober-Sozialisten (Mühe) zum Nachdenken bewegt. Gute Story, gute Umsetzung, Human Interest wurde auch nicht vernachlässigt. Alles in allem war der Oscar veRdient.
Einziger Mangel ist, dass der Film einige wenige Längen hat, allerdings nicht am Ende, so wie Nikolai das behauptet. Es geht eher darum, dass man die Überwachung mit der Zeit etwas gesehen hat.
Doch trotzdem ists ein starker Film mit einem genialem Ende.
5,5

pb

sackstark gespielter, grossartiger film aus deutschen landen! hat mich sehr beeindruckt. wow.

WideScreen03608

Spitzenfilm! Eigentlich wurde bereits alles gesagt, aber für mich war der Film keineswegs zu lang. Im Gegenteil, mir hat der Schluss ausserordentlich gut gefallen. Was wurde aus dem Stasihauptmann und wie bedankt sich der Schriftsteller? Genial gelöst, mir kamen die Tränen.

pb

Zitat WideScreen03608 (2008-03-20 12:25:34)

Spitzenfilm! Eigentlich wurde bereits alles gesagt, aber für mich war der Film keineswegs zu lang.

sehe ich genauso. wahnsinnig beeindruckendes werk!

Arminius

Zitat pb (2008-02-23 13:14:02)

sackstark gespielter, grossartiger film aus deutschen landen! hat mich sehr beeindruckt. wow.

Kann dem nichts mehr hinzufügen! Wirklich Wow. Und zwar von Anfang bis zum Schlussatz.

Le-Chiffre

kann mich diesen Meinungen nur anschliessen. Zweifellos ein Film welcher unter die Haut geht, und zeigt wie verzwickt die Sache war..

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