Flags of Our Fathers (2006)

Flags of Our Fathers (2006)

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  2. 132 Minuten

DVD-Review: Brutale Geschichtsslektion

Juhu, ein Oscarfilm!
Juhu, ein Oscarfilm! © Studio / Produzent

1945. Die Amerikaner befinden sich in Mitten des Pazifikkrieges und müssen die Schlacht mit Japan schlagen. Alle Angriffe waren bisher vergeblich, denn am Iwo Jima haben die Japaner ihren Ausguck und können somit das Festland vor der anrückenden Wehrmacht warnen. Das hat den Amerikanern heftige Verluste eingebracht und drum ist deren Ziel jetzt, diesen Berg einzunehmen.

30'000 Mann werden für diesen Angriff aufgeboten und der Berg wird drei Tage von hoher See aus bombardiert. Erst dann wird der Strand von Iwo Jima von den Soldaten eingenommen. Doch die haben die Rechnung ohne die japanischen Abwehrkräfte gemacht. Die sitzen nämlich noch immer auf dem Berg und denken nicht daran, diesen einfach so freizugeben.

Geduscht und gepudert
Geduscht und gepudert © Studio / Produzent

Ein kleiner Erfolg für die Truppen wird der Aufzug der amerikanischen Fahne. Fünf Marines und ein Navy-Sanitäter stellen die Flagge auf dem höchsten Punkt des Berges auf und Fotograf Joe Rosenthal (Ned Eisenberg) schiesst für die Presse ein Foto dieser Aktion, deren Symbolik danach um die Welt gehen sollte. Von diesen sogenannten Kriegshelden überleben nur John "Doc" Bradley (Ryan Phillippe), der Indianer Ira Hayes (Adam Beach) und der Kurier Rene Gagnon (Jesse Bradford).

*klick*
*klick* © Studio / Produzent

Da der Krieg langsam zu teuer wird und Amerika total verschuldet ist, werden die drei "Kriegshelden" zurück ins Heimatland beordert, wo sie auf einer Heldentour durch das ganze Land vor allem eins bewirken sollen: Dass die amerikanische Bevölkerung ihre Geldbeutel locker macht und für den Krieg spendet. Doch was am Anfang als Flucht aus der Hölle und Medienspektakel für alle drei Personen beginnt, entwickelt sich zur ganz persönlichen Verarbeitung der Geschehnisse am Iwo Jima. Während einer sich als Medienfigur feiern lässt, verfällt Indianer Ira immer mehr dem Alkohol. Denn die Geschichte, mit der sie vor der ganzen Nation hausieren gehen, ist nicht diejenige, die sich damals im Kriegsgetümmel abgespielt hat. Und Helden wollen sie auch keine sein. Auch wenn ihnen das von den Verantwortlichen immer wieder eingetrichtert wird.

Kriegsfilme sind Geschmacksache. Wenn sich Soldaten aller Art irgendwo auf einem Feld die Köpfe einschlagen, wegschiessen oder abhacken, dann vermag das nicht allen zu gefallen. Wenn es sich dabei noch um eine wahre Begebenheit handelt, dann mag das vielleicht geschichtstechnisch interessant sein, löst aber das grundsätzliche Problem nicht. Bei Filmen von Clint Eastwood kann man aber grundsätzlich davon ausgehen, dass der Mann auch ein bisschen hinter die Kulissen guckt, die Figuren schön charakterisiert und den Krieg, so brutal er auch sein mag, anständig auf die Leinwand bringt.

Flags of our Fathers ist ein aufgeteilter Film, der in den Schlachtszenen unübersichtlich, laut und aggressiv ist, während die Problematik dahinter inhaltlich gutes Fleisch am Knochen hat. So werden auch diejenigen, die mit Kriegsgewirr auf der Mattscheibe nicht soviel anfangen können ihre Augen spezieller auf die Background-Story halten. Und die ist dramatisch, tragisch und sehr gut gespielt.

Die drei Hauptdarsteller kennt man allesamt aus irgendwelchen Filmen oder TV-Serien. Dass sie aber auch richtig gut schauspielern können, beweisen sie in Flags of our Fathers. Der innere Kampf, das Lächeln für die Öffentlichkeit und das langsame Sterben und Zerbrechen wird überzeugend dargestellt und verleiht dem Film zwischendurch ein sehr depressives Feeling.

Im Gegensatz zu seinem Kollegen Letters from Iwo Jima hat man glücklicherweise auf eine allzu verschmierte Bildfassung verzichtet und der Film ist definitiv einfacher zu interpretieren und zu verstehen. Das mag zum grossen Teil an der Sprache liegen, hat aber sicher auch etwas mit der Geradlinigkeit des Filmes zu tun.

Fazit: Flags of our Fathers mag ein guter Kriegsfilm sein und die amerikanische Seite der Vorkommnisse von damals sehr genau, detailgetreu und brutal einfangen. Aber wer kein Fan von solchen Produktionen ist, in denen es brutalomässig recht deftig zur Sache geht, der dürfte bald mal die Fernbedienung schnappen und mit der Forward-Taste spielen.

Als Extras hat man sich, im Gegensatz zu Letters from Iwo Jima, nicht ganz so geizig gezeigt. Schöne Berichte über die geschichtlichen Hintergründe, die Probleme beim Filmen (das Aufstellen der Flagge bekommt ein eigenes Feature) oder eine Biographie über die sechs "Helden" von damals sind nur ein kleiner Teil der Extras. Interessant, wie immer, auch der Bericht über die visuellen Effekte, mit denen man schön spielen konnte. Ausserdem hat es sich Clint Eastwood nicht nehmen lassen, eine pesönliche Einführung zu sprechen.

Wer sich also für die damaligen Geschehnisse interessiert, bekommt auf der DVD viel Material geboten und wird definitiv zufrieden gestellt. Und wer den Film der "anderen Seite", Letters from Iwo Jima, auch noch gucken will, der holt sich am besten die schön aufgemotzte Steelbook-Edition, die beide Filme, plus Extramaterial, zusammen präsentiert.

/ tam

Kommentare Total: 28

oscon

Routiniert inszenierter Kriegsfilm von Clint Eastwood, der die Hochstilisierung und Vermarktung von Helden (bis zum bitteren Ende) im zweiten Weltkrieg anhand der entscheidenden Schlacht um Iwo Jima zeigt.
Obwohl der Film Längen aufweist, darf diese bis in die kleinsten Nebenrollen stark besetzte Inszenierung (Ryan Phillippe, Adam Beach und Jesse Bradfort) als beispielhaft, für die dargestellte Verarbeitung eines Krieges genannt werden. Eindrucksvoll!

El Chupanebrey

Zitat muri (2006-12-11 18:28:00)

Fazit: Flags of our Fathers ist ein Kriegsfilm, der bemüht ist, auf ein ähnliches Niveau wie Saving Private Ryan zu kommen

Lustig, ich habe vielerorts gelesen, dass Flags of Our Fathers - schon wegen dem kaum vorhandenen Pathos - ganz anders ist als Saving Private Ryan.

El Chupanebrey

Clint Eastwood hat mich wieder einmal nicht enttäuscht! Flags of Our Fathers ist eine brillante Abrechnung mit dem amerikanischen Heldentum, dessen Sinn am Ende sehr schön umschrieben wird. Die Schlachtszenen sind hervorragend gemacht (*Steven Spielberg*) und die ganze Geschichte um die Helden ist herrlich inszeniert. Sehr zwiespältig auch... Im Grunde waren die Kriegsanleihen ja wirklich nötig.
Gespielt wurde das Ganze sehr gut, auch das Drehbuch kann überzeugen. Die dezente Rahmenhandlung und der lange Epilog konnten mich genauso begeistern. Zwar wird man anfangs des Films etwas abrupt in die Geschichte geworfen, aber das gibt sich bald.

Für dieses hervorragend gemachte Kriegsdrama gebe ich abgerundete 5 Sterne.

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