Firewall (2006)

Firewall (2006)

Oder: iptables -A INPUT -s 213.144.155.30 -p TCP -j DROP

"Support? 'Erasing Disk', ist das was gutes?"

"Support? 'Erasing Disk', ist das was gutes?"

Jack Stanfield (Harrison Ford) arbeitet als Sicherheits-Experte für eine Bank in Seattle. Im Laufe seiner Karriere hat er das einbruchsicherste Computersystem der Branche entwickelt und ist dadurch in eine Spitzenposition bei der Landrock Pacific Bank aufgestiegen. Jack und seine Ehefrau Beth (Virginia Madsen) bewohnen etwas ausserhalb der Stadt gemeinsam mit ihren Kindern und einem Hund ein komfortables Haus, verbringen ihre freie Zeit mit Betriebsausflügen und scheinen ein rund um glückliches und sorgenfreies Leben zu führen. Eine Bilderbuch-Familie.

Doch was die Bilderbuch-Familie nicht weiss ist, dass sie schon seit beinahe einem Jahr heimlich beobachtet, überwacht und ausspioniert werden. Bill Cox (Paul Bettany), ein Bankräuber der neuen Zeit, hat den einzigen Schwachpunkt im Sicherheitssystem der Bank entdeckt: Jack!

Moderner Hacker: ohne Birkenstocksandalen

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Als Cox das Leben der Anfielst in und auswendig kennt, schlägt er an einem verregneten Abend zu. Er stürmt mit seinen Kumpanen das Haus der Anfielst und nimmt die nichts ahnende Beth und die Kinder als Geiseln. Jack sieht keine andere Möglichkeit, als auf Cox' Forderung einzugehen und 100 Millionen Dollar aus der Landrock Pacific Bank zu stehlen. Das ganze Unterfangen wird aber erschwert durch die Tatsache dass Jacks Bank von einer anderen Gesellschaft aufgekauft wird. Jack wird also von zwei Seiten beobachtet und kontrolliert - auf der einen Seite vom kaltblütigen Cox und auf der anderen Seite von seinen argwöhnischen neuen Bossen. Zudem sind wichtige Werkzeuge die Jack benötigt vor kurzem aus der Bank entfernt worden.

Endlich, eine Firewall!

Endlich, eine Firewall!

Jack muss also in Mac Gyver Manier improvisieren und während er das Geld stiehlt einen Schwachpunkt in Cox' undurchdringlicher Fassade finden um seine Familie zu retten. Denn je länger die Geiselnahme dauert, desto offensichtlicher wird, dass Cox und seine Helfershelfer die Geiseln nicht leben lassen werden und dafür gesorgt haben, den Bankraub Jack Stanfield anzuhängen.


Film-Rating

Grobkörnige, unscharfe Schwarzweiss Aufnahmen flimmern über die Leinwand, musikalisch untermalt von Massiv Attacks "Angel" - und das ist auch schon das Beste an diesem Film. Leider wird dieses Highlight schon in der Creditsequenz präsentiert und ist nur von kurzer Dauer.

Danach folgen hundert Minuten durchsichtig gestrickter Story. Eine um die andere Masche fällt von der Stricknadel und legt den roten Faden frei. Und der rote Faden folgt in diesem Film geradlinig dem Aufbau der klassischen Heldengeschichte. Ineinander verschlungene Maschen oder gar schwer aufzulösende Verknotungen existieren im Firewall-Strickwerk nicht. Oder anders ausgedrückt, würde man aus dem Computerfachmann einen Präsidenten machen, aus dem eiskalten Bankräuber einen irren Terroristen und würde man das Setting in die luftigen Höhen des amerikanischen Luftraums verfrachten, der Film der dabei herauskommen würde wäre Air Force One nicht unähnlich.

Harrison Ford mag wohl den Prototypen des amerikanischen Helden, den "ikonenhaften Alltagsmenschen in Action Rollen", sehr gut verkörpern, auf die Dauer wird es aber langweilig. Fords Charakter blüht regelrecht auf als es zu handfesten Auseinandersetzungen kommt, den Schreibtischhengst und Computerfachmann nimmt man ihm nicht ab. Auf der anderen Seite agiert Paul Bettanys Charakter Bill Cox viel zu glatt und eiskalt. Weniger wie ein Bankräuber mit der Aussicht auf 100 Millionen Dollar als viel mehr wie ein Armani tragender Geschäftsmann der ein Geschäft unter Dach und Fach bringen will. Das mag zu Anfang ja noch ein Ausdruck seiner Kontrolle über Stanfield sein, je näher aber der Film auf die finale "Katastrophe" zusteuert wird diese Kälte unglaubwürdiger. Oder würde sich ein Räuber der eben erfolgreich eine Bank um 100 Millionen erleichtert hat und jetzt mit ansehen muss, wie ihm die erbeutete Summe in 20 Millionen Schritten wieder entrissen wird, seelenruhig in sein Auto setzen und weiterfahren?

Richard Loncrain (u.a. Regie für Band of Brothers) wollte zwar für Firewall ein Ambiente erschaffen, das an den Stil des hollywoodschen Film Noir erinnert, aber wie er selber feststellt, kann man Firewall nicht als einen diesem Genre angehörigen Film bezeichnen - und das nicht nur weil niemand eine Zigarette in der Hand hält. Virginia Madsen ist zwar blond, die klassische Femme Fatale des Film Noir verkörpert sie aber nicht. Und die im Computer generierten Bindfäden aus Regen die an Autoscheiben prasseln sind leider keine Garanten für "stilvoll-düstere Momente".

Firewall hat zwar einige Spannungsmomente und kommt sehr schnell zur Sache aber dann flaut er ab, wird vorhersehbar und wirkt in einigen Szenen sehr gestreckt. Die Firmen Dell, Microsoft, IPod, Sony Ericsson und Chrysler mögen für das minutenlange Productplacement dankbar sein, das Kinopublikum gähnt hingegen nur gelangweilt. Alles in allem kann man zwar sagen, dass die Thematik des "gläsernen Menschen" und die damit verbundene Verletzlichkeit seiner in binären Codes festgehaltenen Persönlichkeit zwar aufgegriffen wird, die Story die dazu gestrickt wird, ist aber zu grobmaschig um nicht zu sagen zu durchsichtig.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.0

 

22.03.2006 / sky

Community:

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