Day Watch - Dnevnoy dozor (2006)

Day Watch - Dnevnoy dozor (2006)

Wächter des Tages
  1. , ,
  2. 132 Minuten

DVD-Review: da steht was in der Kreide

Frisch genagelt
Frisch genagelt

Immer noch ist die Lage zwischen Gut und Böse, oder Dunkel und Hell, gespannt. Der Pakt, der zwischen den beiden Möchten geschlossen wurde, ist erneut in Gefahr. Anton (Konstantin Khabensky) ist immer noch Mitglied der Night Watch, die dafür sorgt, dass sich die Kreaturen der Dunkelheit an die Abmachungen für den Frieden halten. Sein Sohn Igor (Dmitry Martynov) jedoch hat sich für die dunkle Seite entschieden und steht unter den Fittichen Antons Nemesis Zavulon, der Night Watch immer wieder zu provozieren versucht. Igor ist nämlich eine Art Auserwählter, der bei allfälligem Kriegsausbruch um keinen Preis überleben dürfte.

Mit Night Watch kam 2004 der erste grosse russische Blockbuster in die Kinos. Mit nur 4,2 Millionen Dollar haben sie mit einer Infrastruktur, welche nicht einmal annähernd an die von Hollywood herankommt, einen spektakulären Film geschaffen, der es visuell ohne Probleme mit Matrix aufnehmen kann und die Massen begeisterte. Night Watch war der erste Teil der Sergey Lukyanenko-Night Watch-Trilogie und nach dem riesigen Erfolg war natürlich klar, dass auch Teil Zwei mit dem Titel Day Watch fürs Kino adaptiert wird.

Wiederum konnte derselbe Cast zusammengerufen werden, was den Einstieg erheblich erleichtert und man sich auch besser in der düsteren Welt orientieren kann. Deutlich ersichtlich ist, dass sie nochmals kräftig auf dem CGI-Bereich aufgerüstet haben. Was bei Night Watch schon gut ausgesehen hat, sieht jetzt schlichtweg genial aus und so können die Russen den Zuschauer mit der Stürmung der Festung, wo die "Kreide des Schicksals" gelagert ist, mit Autoverfolgungsjagden zwischendurch und einem spektakulären Finale entzücken. Perfekte Kameraführung, düsterer Soundtrack und sehr gut zu den Rollen passende Schauspieler schaffen ein grossartiges, bedrohliches Ambiente, welches nicht nur Endzeitfeeling vermittelt, sondern auch sehr gut harmoniert.

So gut Day Watch visuell auch aussieht, so spektakulär einige Szenen auch ausgefallen sind, ist es, wie beim Vorgänger, sehr schwierig, der Story zu folgen. Die Handlung ist nach wie vor sehr verworren und arbeitet so stark mit den in Night Watch etablierten Handlungssträngen, dass es für Neulinge schlichtweg unmöglich ist, überhaupt einen Zugang zur Geschichte zu finden. Selbst aufmerksame Zuschauer werden wohl erst nach Konsultation des Internets zwischen all den Konflikten, Artefakten und Fraktionen einen Überblick haben. Dies zeugt zwar davon, dass hinter Day Watch eine riesige Mythologie steckt, welche auch sehr interessant wäre, doch sie wird in diesen 140 Minuten so ungeschickt und abstrakt abgehandelt, dass man sie mangels Erklärungen kaum nachvollziehen kann. Schade, mit einer lineareren Erzählweise hätte man sehr viel aus der Geschichte machen können.

Fazit: Day Watch fügt sich nahtlos in das bereits in Night Watch vorgestellte Universum ein und entwickelt die bekannten Charaktere geschickt weiter. Die gebotenen Szenen können selbst die verwöhnte Matrix-Generation noch überraschen, doch durch die völlig chaotische und unübersichtliche Erzählweise, die enorme Überlänge und das ungeschickte Kombinieren der Genres wird der Filmgenuss enorm gedämpft. So wird ein potentiell grossartiger Film zu einem Flickwerk aus Storyschnipsel, welche unübersichtlich kombiniert werden und nur nach viel Denkarbeit einigermassen einen Sinn erkennen lassen. Dennoch, Fans von komplexen Fantasyfilmen sicher zu empfehlen, denn die Night Watch-Serie bleibt weiterhin einzigartig, und wenn man die Herkunft betrachtet und wie der Film entstanden sind, ist es eine grossartige Leistung.

Die DVD präsentiert den Film in einer sehr guten Bildqualität, was es auch ermöglicht, den Film sehr zu geniessen. Das Bonusmaterial beschränkt sich auf ein Informatives Making Of, welches alle Aspekte der Produktion beleuchtet.

/ db

Trailer Englisch, 02:34