Cocaine Cowboys (2006)

Cocaine Cowboys (2006)

  1. ,
  2. 118 Minuten

DVD-Review: Americas Casablanca

Die Schachteln des Glücks
Die Schachteln des Glücks © Studio / Produzent

Miami. Heimat der Flamingos, knapp bedeckten Strandschönheiten und sommerlichen Parties in der Nacht. Das war nicht immer so. In den 70er Jahren war die Stadt dafür bekannt, dass vor allem ältere Menschen am Strassenrand sassen und auf den Tod warteten. Das laue Klima, die vielen Sonnenstunden und die Ruhe machten die Stadt in Florida zum Ruhepool Amerikas. Das sollte sich aber ändern, als ein paar Flugzeugkapitäne herausfanden, dass man mit einem kurzen Flug über das Meer nach Kolumbien (und vor allem zurück) viel Geld machen konnte.

Ein Polizeiwagen patrouillerte durch ganz Miami. Ein Paradies für Schmuggler und andere geldgierige Menschen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis Miami zum Hauptumschlagplatz für Kokain und andere Drogen wurde. Die Piloten verdienten Millionen von Dollars im Monat, mussten keine polizeilichen Kontrollen fürchten und lebten wie die Made im Speck. Bis in den 80er Jahren das Geschäft plötzlich eine Kehrtwende machte.

Diese Party muss höllisch gewesen sein
Diese Party muss höllisch gewesen sein © Studio / Produzent

Die Cops hatten sich organisiert, die Latinos überfluteten das Land. Mord und Totschlag waren an der Tagesordnung und was vorher so einfaches und easy verdientes Geld war, wurde nun zum Spiessrutenlauf. Die Kugeln flogen wild, das Blut floss und in Kolumbien sprossen Drogenbarone wie Pilze aus dem Boden. Die Schlimmste war Griselda Blanco. Die "Godmother". Wer ihr nicht passte, wurde aus dem Weg geschafft. Meist durch Jorge Ayala, genannt "Rivi".

Er kommt in dieser Dokumentation zu Wort. Er, der "Hitman", der ruchlose Killer, sitzt im Gefängnis und erzählt von damals. Als die Welt noch unkompliziert war, die Drogen im Überfluss flossen und er seiner Auftraggeberin diverse Gefallen erfüllen konnte. Neben "Rivi" sprechen auch ein Flugzeugpilot, ein Drogendealer und Cops über Drogen, den Krieg in den 80ern und natürlich die "Godmother", die äusserlich einen liebenswerten Eindruck machte, aber den Übernahmen "Black Widow" nicht umsonst trug.

Dass Miami nicht nur Sommer, Sonne und Sonnenschein ist, wissen wir spätestens seit der Gewaltorgie von Scarface und den Räubergeschichten rund um Miami Vice. Die Stadt in Florida wurde mit Drogengeld finanziert, Kokain wurde kilo- und tonnenweise eingeschifft und kein Mensch kümmerte sich anfänglich darum.

Cocaine Cowboys nimmt diese Zeit des blühenden Drogenhandels ins Visier. Damals, als die Hosen noch Schlag hatten, die Frisuren auffällig waren und Discomusik durch die Nachtklubs donnerte, machten Menschen in einer Woche soviel Kohle, wie andere ein ganzes Leben nicht. Und einige dieser Menschen werden nun vor der Kamera dazu gebracht, von damals zu erzählen.

Wie hat der Drogenschmuggel begonnen? Wie war man organisiert? Wer übernahm die Päckli, wenn mal ein Kumpel nicht konnte? Und wer waren die richtigen Bösewichte von damals? Diejenigen, die ihre Gegner abknallen liessen, nur weil diese falsch guckten? Hier kommt der Film unweigerlich auf Griselda Blanco zu sprechen. Die Dame entledigte sich ihrer Ehemänner, setzte Killer auf Leute an, denen sie nicht vertraute und endete schliesslich selber im Gefängnis.

Diese Geschichte nimmt einen grossen Teil von Cocaine Cowboys ein, der im reisserischen Stil, spannungsschwanger und interessant, erzählt, wie die Cops auf die Fährte der schwarzen Wittwe kamen. Wie das Leben der Drogenkuriere auf einmal einen herben Schlag bekam und wie sich die Cops das Ziel setzten, dem ganzen Sumpf ein Ende zu bereiten.

Schön aufgemacht, immer wieder mit eindrücklichen Szenen und Kommentaren von früher versehen, macht Cocaine Cowboys seine Sache als Dokumentation sehr gut. Der Stil mag nicht immer ganz gefallen, dürfte aber in die aktuelle RTL/Pro7-Zeit passen, in der Berichte über Menschen einen gleichen Spannungsgrad haben, wie hochkarätige Thriller. So geht es auch bei Cocaine Cowboys hauptsächlich um Schiessereien, Morde, Entführungen und die Drogenfamilien, die sich gegenseitig an die Gurgel gingen.

Fazit: Cocaine Cowboys ist eine tolle und sehr spannende Dokumentation geworden, die den Zuschauer schon nach kurzer Zeit vor den TV fesselt und ihn für die nächsten knapp zwei Stunden nicht mehr loslässt. Zwar wird man mit Details und Namen überflutet und findet erst langsam in die Geschichten Einblick, aber wer dachte, dass Miami Vice doch so arg übertrieben daherkam, der darf sich hier eines Besseren belehren lassen.

Ein paar zusätzliche Szenen und einen Haufen Trailer wurden auf die DVD gepackt. Das Highlight ist aber klar das Featurette über Griselda Blanco, in dem ein ehemaliger Liebhaber auspackt und dem Zuschauer so einen weiteren Blick in die Psyche der Dame erlaubt. Wer zusätzliches über die Dame erfahren möchte, sollte sich ausserdem Cocaine Cowboys 2 organisieren.

Technisch sind die Aufnahmen natürlich nur beschränkt von guter Qualität. Die Rückblicke sind verschwommen und fleckig, die gegenwärtigen Aufnahmen kommen im klassischen Doku-Stil und verleihen dem Film zusätzliches Interesse und Intensität.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. facebook
  5. Instagram
  6. Website

Kommentare Total: 3

muri

Rezi zu Teil 2 ist in Arbeit.

Chemic

Eine sehr unterhaltsame Doku über die Tony Montana's der 70er und 80er! Unfassbar was für Mengen an Kohle die dreisten Genies damals scheffelten. Kein Platz mehr für Bargeld, naja vergraben wir die Kohle einfach im Garten 😄. So schnell der Aufsteig, so tief und vorallem blutig der Untergang. Sehr interessant das man da Griselda Blanco's Chefhitman Ayala vor der Linse hat der diesbezüglich einige schaurige Geschichten zu erzählen hat.

Sehenswert auch Teil 2 der sich ausschliesslich um das Leben der "Godmther of Cocaine" Griselda Blanco befasst!

muri

DVD-Review: Americas Casablanca

Kommentar schreiben