Bordertown (2006)

Bordertown (2006)

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  2. 112 Minuten

Filmkritik: J-Lo geht nach Mexiko

"Wow, sogar mit Kamera...!"
"Wow, sogar mit Kamera...!" © Studio / Produzent

Die ehrgeizige Journalistin Lauren (Jennifer Lopez), die für eine Zeitung in Chicago arbeitet, wird von ihrem Chef (Martin Sheen) nach Mexiko in die Grenzstadt Juarez geschickt. Dort soll sie eine Story über eine Serie von Vergewaltigungen und Morden an jungen Fabrikarbeiterinnen schreiben. Sie ist ein wenig "pissed off" - denn eigentlich würde sie viel lieber in den Irak und dort mit tollen Geschichten die Welt verändern.

"Vergiss den Oscar!"
"Vergiss den Oscar!" © Studio / Produzent

In Juarez angekommen, trifft sie sich mit ihrem ehemaligen Freund Alfonso (Antonio Banderas), der mittlerweile Chefredaktor der lokalen Zeitung ist. Sie bittet ihn, bei den Nachforschungen zu helfen, dieser will aber nicht in Konflikt mit den Behörden geraten. Als die 16-jährige Eva (Maya Zabata), die kürzlich eine Vergewaltigung überlebt hat, in der Redaktion auftaucht, verspricht ihr die ebenfalls anwesende Lauren, ihr zu helfen. Mit einer Story und ohne Polizei, denn Eva ist völlig verängstigt und fürchtet, dass der "Teufel", der sie vergewaltigt hat, wieder auftaucht.

Lauren macht sich auf die Suche nach Spuren, die zu den Tätern führen. Es offenbart sich, dass die Zahl der Opfer viel grösser ist, als von den Behörden preisgegeben. Diese scheinen offensichtlich kein Interesse an unnötiger Publizität der Mordfälle zu haben. Lauren sieht nur eine Möglichkeit: sie muss sich selbst als Fabrikarbeiterin verkleiden, um so den Tätern eine Falle zu stellen. Ein gefährliches Spiel...

Mehr als 400 Frauen wurden in Juarez seit 1993 auf brutalste Art und Weise vergewaltigt und ermordet, während die mexikanischen Behörden wegschauten. Dass sich der Film von Gregory Nava dagegen engagiert, ist lobenswert und gleichzeitig dessen grösstes und einziges Plus. Denn abgesehen davon ist er völlig missglückt.

Den Anfang macht eine simple, ans Lächerliche grenzende Thriller-Story, die mit zahlreichen völlig unnötigen Elementen wie beispielsweise dem Kindheitstrauma der Hauptfigur aufgepeppt wurde. Einige Szenen sind so unglaubhaft, dass sie beinahe komisch anmuten: dass sich beispielsweise die amerikanische Journalistin mal eben als Fabrikarbeiterin verkleidet um die äusserst brutalen Mörder zu ködern, und das ganze mit dilettantischer Vorbereitung - also bitte! Solche Szenen können einem Direct-to-DVD-Movie der C-Liga entnommen sein. Ebenfalls völlig unnötig ist eine eingepflanzte Sexszene mit einer Figur, die für die Handlung nicht besonders relevant ist. Offenbar ist für die Macher ein Jennifer-Lopez-Film ohne Sexszene einfach nicht denkbar.

Hauptdarstellerin Jennifer Lopez bleibt den Beweis, dass sie mehr zu bieten hat als den teuersten Hintern der Welt, einmal mehr schuldig. Die engagierte Journalistin nimmt man ihr keine Sekunde ab. Ein wenig scheint die kämpferische Erin Brockovich Vorbild für ihren Charakter gewesen zu sein. Nicht annähernd kommt sie dabei aber an Julia Roberts in ihrer Oscar-Rolle heran. Die weiteren Darsteller können da auch nicht die Kohlen aus dem Feuer holen. Martin Sheen war schon besser und Antonio Banderas - nun, der ist halt einfach Antonio Banderas...

Für das gut gemeinte politische Engagement von Bordertown gewährt der Outnow-Kritiker dem Film einen Stern. Einen halben gibts dazu, weil Frau Lopez halt nach wie vor ein heisser Schuss ist. Über den Rest hänge man mit Vorteil den Mantel des Schweigens. Vorschlag: das Geld, das man fürs Kinoticket oder für die DVD ausgeben würde, spende man statt dessen Amnesty International. Auf diese Weise kann man dem Anliegen des Films einen Dienst erweisen, ohne dass man sich diesen antun muss.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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Kommentare Total: 3

th

Zitat T3000 (2008-01-27 15:30:54)

My point is this movie deserves credit for existing since it spreads the information about one of the biggest scandel of the last decades.

but if it does this in such a bad way / bad context, people might not take the issue serious... what i've seen from this movie led me to believe it doesn't pay the (indeed real and existing) problem the needed respect.

T3000

My first commentary for Outnow so hello everybody

ebe suggests to give the money to Amnesty rather than to this movie.

ebe forgots that without this movie, he would never have written that here, and nobody would hear about the Juarez mass killings.

My point is this movie deserves credit for existing since it spreads the information about one of the biggest scandel of the last decades.

This kind of movie draws the public interest towards crimes otherwise largely ignored by the other medias. A movie also brings attention of other types of audiences, those not reading books for instance.

For these reasons it should be encouraged.

Besides, the movie did not seem so bad to me from a cinematographic viewpoint. It's informative and also a good thriller at the same time, it has good actors (Banderas, Sheen) good acting, it also exposes the limitations of traditional US media.

It surely deserves to spend some time to watch, and most people will enjoy it.

ebe

Filmkritik: J-Lo geht nach Mexiko

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Trailer Deutsch, 01:49