Alien Autopsy (2006)

Das All zu Gast bei Freunden

Alien Autopsy (2006) Das All zu Gast bei Freunden

Oder: Fuck the World

Der Guetzliexpress schläft nie!

Der Guetzliexpress schläft nie!

1995 schockierte ein verschmierter, verwackelter Schwarz/Weiss-Film die Menschen. Eine Autopsie eines ausserirdischen Körpers wurde darin gezeigt. Ein Körper, den man 1947 in Roswell gefunden haben soll und der bis dahin geheim gehalten wurde. Ein Engländer namens Ray Santilli brachte diesen Film zu den TV-Stationen, machte ein Heidengeld und die Welt fragte sich, ob wir denn wirklich alleine sind. Dies ist die Geschichte des Mannes, der die Welt für dumm verkaufte, sich eine goldene Nase verdiente und 2006 zugab, dass der Film nicht echt sei.

Raymond Santilli (Declan Donnelly) und sein Kumpel Gary Shoefield (Ant McPartlin) leben ein normales Leben in London. Während Gary sich seine Kröten in einer Rechtsabteilung verdient und dabei für eine Beförderung übergangen wird, kopiert Ray Videos bei sich zuhause und vertickt die auf der Strasse. Zusammen mit vielen Sachen von Elvis Presley, die sich jedoch nicht so gut verkaufen lassen, wie geplant. Ausserdem wird Ray von einer Kontrollperson nach dem Verhökern von Timecop entlarvt.

Du, da liegt einer

Du, da liegt einer

Die beiden Jungs reisen nach Cleveland (Ohio), um neue Elvis-Ware zu besorgen und treffen in einem Shop auf den alten und komischen Harvey (Harry Dean Stanton). Der will ihnen einen alten, bislang unveröffentlichten (und lautlosen) Elvis-Auftritt auf Film verkaufen, hat aber noch was anderes in der Hinterhand. Für 30'000 Dollars gäbe es da noch einen anderen Film, den noch niemand bisher gesehen hat und der die Welt verändern würde. Ray geht mit, guckt sich den Film an und ist begeistert.

*Oink Oink*

*Oink Oink*

Die nötige Kohle wird vom lokalen Gangsterchef Voros (Götz Otto) erschwindelt und der weltbewegende Film wird abgeholt. Dumm nur, dass durch den Transport, die Hitze und die Feuchtigkeit nichts mehr darauf zu sehen ist. Um den Geldgeber, der gerne mal mit der Pistole fuchtelt, zufrieden zu stellen, kommen die Jungs auf eine wahnwitzige Idee. Wieso spielen sie nicht genau das nach, was Ray damals im Film gesehen haben will?

Die Kumpels der Jungs helfen kräftig mit. Der Boyfriend der Grossmutter liefert die Puppe, der Imbissverkäufer die Innereien (wobei Hackfleisch in Damenstrumpfhosen das Gehirn des Alien sein soll) und die Dreharbeiten können beginnen. Und was auf den ersten Blick so trashig und unprofessionell aussieht, entwickelt sich zur grössten Sensation, welche die Welt je gesehen hat.


DVD-Rating

Ant & Dec sind in England so bekannt wie bei uns Sven Epiney und Roman Kilchsperger. Die beiden führen durch Shows, haben ihre eigenen Sendungen und sind so was wie die Olsen-Twins aus England. Im Kino hats bis jetzt aber "nur" zu einem Kurzauftritt in Love Actually gereicht. Nun haben sich die beiden einer Geschichte angenommen, die, basierend auf wahren Ereignissen, damals die Welt schockierte und uns alle zweifeln liess. Sind wir wirklich allein im Universum? Wenn nein, was ist das für ein komisches Ding, an dem die da in diesem qualitativ schrecklichen Film rumschnippeln? Fake oder Real?

Angereichert mit schönem Brit-Pop (Stereophonics) gibts in Alien Autopsy viel zu lachen. Die Szenen sind skurril, abartig lustig und halt typisch englisch. Wenn zum Beispiel das Kunsthirn vom Tisch runterfällt und einen Fleck auf dem Teppich hinterlässt, kommt der Kommentar "Lets put a Plant on it" aus dem Mund einer der Beteiligten, die vorher schon sicherstellte, dass sie nicht wieder die Bluse hochzieht für einen neuen Film. Solche Randmomente sind im Film immer wieder zu sehen und verleihen ihm zusätzlichen Charme. Dazwischen versucht die Oma immer wieder ihre Kekse an den Mann zu bringen und stört die Aufnahmen regelmässig. Echt witzig.

Der ganze Film ist eine Art Film im Film. Anfänglich werden unsere zwei Hauptpersonen nämlich von einem TV-Reporter, von Bill Pullman dargestellt, befragt und beginnen langsam, ihre Geschichte zu erzählen. Und diese Story geht dann leider auch etwas gar glatt über die Bühne. Soll heissen, der Bösewicht ist eine Knallcharge, die Vorbereitungen zum Film gehen ohne Probleme und auch die Veröffentlichung des Materials geht locker und luftig über die Bühne. Kein Hindernis, keine Probleme oder sonstiges zusätzliches Werkeln am Film. Das trübt den Eindruck des Ganzen ein bisschen.

Schauspielerisch sind die beiden Jungs gut getroffen und mimen ihre Figuren mit einer erfrischenden Leichtigkeit. Dazu kommt ihr schönes und cooles British-English und die erwähnte musikalische Untermalung. Harry Dean Stanton darf auch ein paar Mal auftreten und der ehemalige Bond-Bösewicht Götz Otto macht als spinnender Bösewicht gar keine so schlechte Figur. Ein paar schöne Seitenhiebe gegen das Projekt gibts auch noch zu sehen. Da lachen diejenigen, die den Originalfilm kennen als einzige bei der Ansicht des Materials. Soll das heissen, dass da wirklich mal ein Alien gelandet ist? Solche Antworten lässt der Film schlussendlich doch offen. Nicht mehr so offensichtlich offen, aber dennoch unbeantwortet.

Fazit: Alien Autopsy ist ein lustiger, typisch englischer, Film, der ein Thema behandelt, das brennend interessant ist. Zwar wird daraus ein Unterhaltungsfilm gemacht, aber der kann über grosse Strecken überzeugen und wird nur selten mühsam zum gucken. Die finale Frage, ob wir nun alleine sind oder nicht, dürfte nach Ansicht des Materials noch nicht verstummen. Aber dann hat man wenigstens gesehen, wie viel (oder wie wenig) Aufwand es braucht, um die ganze Welt zu veräppeln, Kohle zu machen und bekannt zu werden.

Ein paar ungebrauchte Szenen und ein paar mässig lustige Outtakes sind auf der DVD als Extras enthalten. Das Making-Of ist für einmal der Höhepunkt der Features. Hier kommen alle zu Wort, es wird nochmals auf die realen Personen des Films eingegangen und die Machart des Ganzen erklärt. Ausserdem gibts einen alternativen Filmstart mit Bill Pullman. Das Bild ist zeitweise etwas grobkörnig (nicht nur bei den Videoaufnahmen!), dafür hört sich die Tonmischung gut und gelungen an. Den Audiokommentar kann man sich ebenfalls untertitelt zuschalten lassen.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

28.03.2007 / muri

Community:

Bewertung: 4.2 (11 Bewertungen)

 

 

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