Aachi and Ssipak - Achi-wa ssipak (2006)

Aachi and Ssipak - Achi-wa ssipak (2006)

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  2. 90 Minuten

Filmkritik: Stinky New World

Mr. Lover Lover
Mr. Lover Lover © Film Verleih Gruppe

In der quietschbunten, hektischen Stadt Shit City sind die Exkremente der Einwohner der einzige Energielieferant. Jeder Bewohner hat einen Chip im Darm, der seinen Stuhlgang überwacht. Wenn alles zufriedenstellend ist, wird man mit einem Eis am Stiel belohnt, dessen Inhalt hochgradig süchtig macht. Somit wird der ewige Kreislauf, der die Stadt funktionieren lässt, am Leben erhalten. Doch Sucht will befriedigt werden und damit finanzieren die Kleingauner Aachi und Ssipak ihren Lebensunterhalt. Sie stehlen Eis und verkaufen es teuer weiter.

Aachi ist das Gehirn des Duos, Ssipak die Muskeln. Doch die berüchtigte Bojagi-Gang pfuscht Aachi und Ssipak immer wieder ins Handwerk. Diese Gang, bestehend aus kleinen blauen, durch ihre Eissucht mutierten Wesen, wird angeführt vom herrschsüchtigen Diaper King.

Als das Busenwunder Schönheit auf den Plan tritt, setzt Chaos ein. Diaper King entführt sie und setzt ihr mehrere Chips ein, damit sie mehr Eis "besorgen" kann. Als Aachi und der verliebte Ssipak sie daraufhin retten, fängt für die Drei ein Leben im Luxus an. Doch Diaper King will Schönheit zurück und auch die Regierung ist hinter ihnen her.

Aachi und Ssipak ist ein koreanisches Animationsspektakel, dessen Tempo so rasant ist, wie es das bei einem Anime schon lange nicht mehr gegeben hat. Doch das Tempo täuscht nicht hinweg über die vorhersehbare Story und die oft billig wirkende Mischung zwischen Computer- und Zeichentrickbildern. Trotzdem sind alle Haupt- und Nebenfiguren sehr gut ausgearbeitet: Sie haben alle etwas Einzigartiges, man erkennt sie gut wieder, sowohl von der Sprechart her als auch vom Design. Dabei wird der wesentliche Unterschied zwischen den meisten Japanimations und rein koreanischem Trickfilm deutlich.

Doch der Film selbst ist nur streckenweise gut. Schon nach der ersten Viertelstunde wird man des ewigen Fäkalgeredes überdrüssig. Schaut man am Anfang vielleicht noch betreten weg, stumpft man innerhalb kürzester Zeit ab gegen die Obszönitäten, mit denen sich der Film schmückt. Es scheint, als habe sich beim Schreiben des Drehbuches eine Bande pubertierender Jungs zusammengetan und stundenlang gekichert, wenn sie die Wörter Anus, Scheisse und Einlauf schreiben durften, als dass dort ein erwachsener Mann gesessen hat.

Manche Momente haben es aber doch in sich, zumindest visuell. Die Szenen, in denen der Cyborg-Polizist Geko Jagd auf die Bojagi-Gang macht, sind atemberaubend. Sie sind ausdrucksstark, kunstvoll und brutal auf eine Art und Weise, wie es nur selten zu sehen ist. Fast könnte man allein wegen dieser Szenen in Aachi und Ssipak gehen. Aber nur fast.

Laut Regisseur Joe Bum-Jin hat der Film, den Anspruch, "Disney und Japanimation k.o. zu schlagen". Die Produzenten wollten sich freimachen vom typischen Hollywood. Diesen Ansprüchen wird Aachi und Ssipak nicht gerecht. Flüche und Fäkalsprache reichen nicht aus, um den Amerikanern und Japanern zu entkommen. Elemente aus der japanischen Anime-Ikonographie bleiben unverändert, wie zum Beispiel grosse, sternengefüllte Augen als Ausdruck der Freude. Die gelungenen Versuche, amerikanischen Film zu parodieren, beschränken sich auf das Auftreten der Helden in Batman- und Robin-Kostümen, bei denen das Bat-Logo durch offene weibliche Oberschenkel ersetzt wurde. Ansonsten ist Aachi und Ssipak übervoll mit Filmzitaten, aus denen sich die Handlung zusammensetzt. Ob Aliens, Mad Max, Easy Rider, Indiana Jones, Smokin‘ Aces, I, Robot oder Pulp Fiction - es ist von allem etwas dabei. Und gerade das verdirbt einem die Lust am Film. Der angepriesene, erwartete Umsturz der Normen tritt nicht ein: Stattdessen hat man einen Film, den es ohne Disney, Japanimation und Hollywood gar nicht geben würde. Das ist leider ungenügend und unbefriedigend.

/ aru

Trailer Originalversion, 02:10