Zaïna, cavalière de l'Atlas (2005)

Zaïna, cavalière de l'Atlas (2005)

Zaïna - Königin der Pferde
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  3. 100 Minuten

Filmkritik: therapeutisches Reiten

Filmzutaten: Zaïna ...
Filmzutaten: Zaïna ... © Studio / Produzent

Zaïna (Aziza Nadir) ist verzweifelt: Mit dem Tod seiner Mutter Selma hat das junge Mädchen den wichtigsten Menschen in seinem Leben verloren - und steht gleichzeitig vor einer unmöglichen Wahl. Entweder bleibt Zaïna in der Obhut ihres verhassten Stiefvaters Omar, von dem sie glaubt, dass er ihre Mutter getötet hat. Oder sie geht mit ihrem leiblichen Vater Mustapha mit - ein Mann, den sie am Tag der Beerdigung zum ersten Mal sieht und der ihr vollkommen fremd ist.

... Mustapha, Pferde ...
... Mustapha, Pferde ... © Studio / Produzent

Mustapha (Sami Boujila) ist mit seinen Pferden auf dem Weg zu einem wichtigen Rennen in Marrakech, als er vom Tod seiner ehemaligen Frau Selma erfährt - und davon, dass er eine Tochter hat. Sein frisch gefundenes Kind will der Nomade eigentlich gar nicht zu sich nehmen; sein Leben sind die Pferde. Da es aber der letzte Wunsch Selmas war und Mustapha Zaïna vor einem Leben bei Omar bewahren will, nimmt er sie schliesslich widerwillig mit auf den langen Weg nach Marrakech.

... Omar, Gefechte.
... Omar, Gefechte. © Studio / Produzent

Omar (Simon Abkarian), ein reicher und stolzer Nobelmann, fühlt sich schuldig am Tod seiner Frau Selma; seine Stieftochter Zaïna will er um jeden Preis bei sich behalten. Als er sieht, wie sein Erzrivale Mustapha und das Mädchen trotz seiner Drohungen gemeinsam fliehen, schwört Omar blutige Rache und nimmt die Verfolgung von Vater und Tochter auf. Er will Zaïna zu sich zurück holen und Mustapha töten.

Auf dem Ritt durch das marokkanische Atlas-Gebirge kommen sich Vater und Tochter allmählich näher und Zaïna entdeckt ihre Liebe zu den Pferden. Doch Omar ist ihnen dicht auf den Fersen. In Marrakech beim Agdal, dem grossen Pferderennen, kommt es schliesslich zum Showdown...

Zaïnas Geschichte - im Presseheft von der Drehbuchautorin Juliette Sales (Je ne suis pas là pour être aimé) scherzhaft als "Couscous-Western" bezeichnet - eroberte 2005 am Filmfestival von Locarno (OutNow.CH berichtete) die Herzen der Zuschauer im Jagdgalopp und gewann den Publikumspreis. Die von Regisseur Bourlem Guerdjou (Vivre au paradis) verfilmte Story enthält tatsächlich Elemente, die im weitesten Sinne an einen Western erinnern: Zwei harte Männer im Clinch (um eine junge Frau), wild-schöne Landschaften, Schiessereien und Kämpfe - und natürlich Pferde. In erster Linie ist Zaïna aber ein liebevoller Familienfilm.

Im Zentrum steht dabei die Vater-Tochter Geschichte. Durch Selmas Tod von gestern auf heute zusammengeworfen und am Anfang wenig voneinander begeistert, haben Zaïna und Mustapha auf dem langen Ritt nach Marrakech Zeit, ihre Gefühle auszusortieren und sich gegenseitig kennen zu lernen. Dabei schweisst die ständige Bedrohung durch Omar Vater und Tochter zwar zusammen, einen emotionalen Zugang zueinander finden sie aber erst durch die Pferde. Die Vierbeiner sind es dann auch, die am Ende des Films den Befreiungsschlag von Zaïna und Mustapha ermöglichen.

Trotzdem, dass Pferde eine wichtige Rolle spielen und in praktisch jeder Szene zu sehen sind, ist Zaïna kein eigentlicher "Rössli-Film" und man muss beileibe kein eingefleischter Pferdefan sein, um etwas mit der Geschichte anfangen zu können. Als Transportmittel und treue Begleiter der Nomaden gehören sie einfach dazu - und werden erfreulicherweise weitgehend unvermenschlicht dargestellt.

Zaïnas Geschichte kommt schnörkellos und schlicht mit einer geradlinigen, unspektakulären Story daher. Der Charme des Films liegt weniger im Inhalt der Geschichte, als viel mehr in der sehr bildstarken Erzählweise; wenn die Kamera genüsslich über die Weiten der marokkanischen Wüstenlandschaft und die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas streift, wird die Natur zur Hauptdarstellerin. Es dominiert eine ruhige, bedächtige Grundstimmung, die dann und wann von einer kurzen Actionszene aufgepeppt wird. Die Darsteller verlieren meistens nicht viele Worte; die Emotionen ihrer Figuren übermitteln sie wirkungsvoll mit wenigen Gesten und Blicken. Simon Abkarian (Yes) gibt seinen Omar dabei so schön zwiespältig, dass man sich bis zum Ende nicht entscheiden kann, ob der Nobelmann eher zu verabscheuen oder zu bedauern ist.

Dass ein Film wie Zaïna weder den Action- noch den Splatterfan gross zufrieden stellen wird, versteht sich von selbst. Wer sich aber bei einer ruhigen, familienfreundlichen Geschichte entspannen möchte, dem sei Bourlem Guerdjous "Couscous-Western" alleine schon wegen seiner schönen Landschaftsaufnahmen guten Gewissens empfohlen.

/ Rita Schlegel [rs]