White Terror (2005)

White Terror (2005)

Oder: Rechter als rechts

Nicht jeder will sich zeigen

Nicht jeder will sich zeigen

In den letzten fünf Jahren kam Bewegung in die rechtsradikale Szene. Die Veteranen wurden von jungen Ideologen abgelöst, welche sich weltweit zu organisieren beginnen. Ausgehend von einem Mord innerhalb der Schweizer rechtsradikalen Szene verfolgt Daniel Schweizer die Spur nach Skandinavien und trifft dort auf Jäla, Chefredaktor von "Kriegsberichter". Dieses Videomagazin mit rechtsradikalistischen Neo-Nazi Propaganda wird inzwischen über das Internet weltweit vertrieben.

Bei der Recherche

Bei der Recherche

Auch "Blood & Honour", die wohl bekannteste Plattform der "White Power"-Bewegung, ist im Internet mit ihren weltweiten Ablegern immer wie stärker präsent. Schweizer nimmt Kontakt auf mit amerikanischen Neo-Nazis, welche sich mit den Anhängern des Ku Klux Klans und rechtsradikaler Kirchen verbündet hat. Von der Staatsgewalt verbreiten sie im Land der Redefreiheit beinahe ungestört ihr Gedankengut - wie auch die Schweden. Die Nationalisten gruppieren sich in kleinen unabhängigen Splittergruppen, welche ohne Anführer funktionieren. Unter dem Vorwand, dass statistisch gesehen die weisse Rasse "am Aussterben" ist, trainieren sie für den Ernstfall - für den Aufstand der weissen Rasse.

Immer mehr zeigen sich Verbindungen zu rechts stehenden Parteien. Diese bedenkliche Entwicklung wird besonders in Moskau deutlich. Das rassistische Gedankengut wird dort von über 40% der Bevölkerung zumindest toleriert, Rechtsradikale sind mit den Politiker in der Duma verbündelt, ein russischer Pfarrer will gar bewusst Chaos hervorrufen, um die Welt von den unreinen Rassen zu reinigen...


Film-Rating

White Terror ist Daniel Schweizers dritter Film über Glatzköpfe. 1998 begleitete er während eineinhalb Jahren die Hammerskins und portraitierte diese in Skin or Die. 2003 folgte die Dokumentation Skinhead Attitude über die 40-jährige Geschichte der Skin-Bewegung. Schon damals zeigten sich starken Extreme - links und rechts.

Mit dem neusten Film widmet sich Schweizer nun ganz den ultraradikalen, rechtsextremen Gruppierungen. Er nutzt seine aus früheren Recherchen vorhandenen Kontakte, um die Motivation der jungen Radikalen zu ergründen. Er taucht mit den Zuschauern in eine scheinbar andere Realität ein. Führer und Anhänger sprechen beinahe ohne zu zögern über ihre Ideale und Wertvorstellungen. Dies ist nur möglich, weil ihn die Radikalen bereits als Experte, ja gar Ethnologe dieser eigenwilligen Kultur ansehen.

Womit uns White Terror konfrontiert, wird nur zu gerne totgeschwiegen. Ab und dann aber wird man sich bewusst, dass das rechtradikale Gedankengut wieder stärker verbreitet wird. Die diesjährige Nationalfeier auf dem Rütli ist das "beste" Beispiel. Was allerdings in anderen Ländern und im Internet abgeht, ist beängstigend und keineswegs einfache Kost. Denn der Film macht es klar: für die Glatzköpfe gibt es nur ihre Wahrheit. Sie ziehen ihre Kinder mit dem braunen Gedankengut auf und bereiten sich auf eine "neue Weltordnung" vor.

Wie schon die letzten Filme wird wohl auch White Terror bei oberflächlicher Betrachtung Kritik einholen: Durch die sehr sachliche, kaum durch Schweizer verurteilende Darstellung der Sachlage könne das Filmmaterial ebenso auch Rechte animieren. Dass dies nicht leider mehr nötig ist, zeigt der Film: Die Rechtsradikalen sind bereits gruppiert und "züchten" Anhänger.

Leider kann uns Schweizer jedoch auch keine bessere Lösung bieten, als zum Hingucken zu ermahnen. Und gerade deshalb sollte White Terror angesehen werden.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.0

 

10.08.2005 / th

Community:

Bewertung: 4.0 (9 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

5 Kommentare