We feed the World (2005)

We feed the World (2005)

We Feed The World - Essen global
  1. 96 Minuten

DVD-Review: Is anybody hungry?

Ich bin auch ein Lebewesen
Ich bin auch ein Lebewesen

Erwin Wagenhofer blickt in We feed the World auf extreme Auswüchse der heutigen Nahrungsmittelindustrie, die sich in verschiedene Ländern Europas und in Brasilien abspielen. Traditionell arbeitende Fischer in der Bretagne werden verdrängt, obwohl ihre Ware von Lebensmitteltechnikern als bedeutend besser eingeschätzt wird. Rumänische Bauern satteln auf Hybridsaatgut um, obwohl dies der Landwirtschaft längerfristig schaden wird und das Gemüse keineswegs den traditionellen Geschmack halten kann. Der brasilianische Regenwald wird abgeholzt, um Soja anzupflanzen, das Masthühnern in Europa als Futter dienen soll, während die Bewohner vor Ort hungern müssen.

Mehr zu essen haben deswegen vor allem die, welche heute schon im Überfluss leben. Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung Jean Ziegler kann da noch so lange monieren, Nestlé-Chef Peter Brabeck denkt in seinem Nahrungsmittelkonzern zuerst an das täglich Brot seiner Arbeitnehmer, bevor er wirklich die ganze Welt füttern möchte.

Es gibt sie immer wieder. Diejenigen Filme, die versuchen den Zuschauer aufzurütteln, zu bewegen und zum Umdenken anzuregen. Filme wie An Inconvenient Truth oder auch Darwins Nightmare zeigen die Welt, wie sie wirklich ist. Keine Schauspieler, keine gestellten Szenen, sondern knallharter Enthüllungsjournalismus. Gedanken machen, sich aufrütteln, helfen und vor allem sich ändern. Das sind Ergebnisse der Sichtung solcher Filme. Wie lange dieser Zustand dann allerdings andauert, hängt von der Qualität des Filmes ab.

We feed the World packt den Zuschauer dort, wos weh tut. Denn jedermann muss essen. Und auch wenn man nichts mit Fischen (beeindruckender Test im französischen Hafen) anfangen kann und gegen die detailierte Abschlachtung von Hühnchen immun ist, bietet der Film einiges an neuen Informationen, die einem regelmässig den Kopf schütteln lassen. Ob man aber deswegen mehr Geld zahlt, nur damit die Tomaten aus einheimischer Produktion gekauft werden können, darf bezweifelt werden. Geld regiert die Welt und dafür nimmt mans auch mal nicht so genau mit der Qualität.

Wenn immer Jean Ziegler irgendwo zu sehen ist, dürfen zwei Dinge nicht fehlen. Die Brille (oder der Kugi) in der Hand und die Gestik. Der Mann lebt für seine Aufgabe und berichtet uns Stubenhockern in schöner Regelmässigkeit, was für Greueltaten in der Welt vor sich gehen, ohne dass wir etwas davon merken. Er klagt an, weist hin und deckt auf. Besonders wenns um Konzerne wie Nestlé und deren Frontmänner wie Peter Brabeck geht. Leider wird die Reaktion des Schweizers auf die Aussagen des Konzernchefs nur in den DVD-Extras angedeutet. Sowas hätte ich gerne in Bild gesehen. Auch ein Zusammentreffen der beiden Menschen wär interessant geworden. So spuhlt Peter Brabeck sein Programm runter, versucht sympathische Aussagen zu machen und gleichzeitig die Werte seiner Firma unter die Leute zu bringen.

Fazit: We feed the World ist ein gelungener Dokumentarfilm, der uns Mitteleuropäern aufzeigt, was mit unseren Lebensmitteln passiert, die wir jeden Tag zu uns nehmen. Beeindruckende Aufnahmen aus Spanien, Rumänien oder Brasilien werden in verschiedenen Geschichtslininen eingeflechtet, die unterschiedliche Qualitäten haben, aber allesamt interessant rüberkommen.

Die beiden Filmemacher Erwin Wagenhofer und Helmut Grasser werden auf der DVD via Texttafeln kurz porträitiert. Das Making-Of des Films lässt die beiden zu Wort kommen und ihre eigenen Gedanken zum gefilmten und aufgenommenen Material wiedergeben. Auch über die Dreharbeiten, die involvierten Personen und die Erlebnisse wird brav berichtet. Interessant wirds, wenn Jean Ziegler freien Lauf gelassen wird und er über Themen wie das Recht auf Nahrung, die Gentechnik oder die Zukunft referieren darf. Ein Trailer zum Film und ein paar PDF-Files für Schulklassen beschliessen das durchschnittliche Angebot auf der DVD.

Die originale Fassung des Films ist in österreichischer Sprache. Wobei es vielfach französische und brasilianische Sequenzen hat, die dann mittels Untertitel verständlich gemacht werden. Der Ton ist mit Dolby Digital 2.0 grad noch so annehmbar, während das Bild dann teilweise schon arg bröckelig ist. Dafür gibts diverse Untertitel und Versionen, von denen einer sogar für Sehbehinderte ist.

/ muri

Kommentare Total: 10

()=()

Habe den Streifen auch eher durch Zufall gesehen. Das Thema ist bestimmt interessant, leider fand ich aber das ganze ziemlich langweilig erzählt.

pb

Zitat muri (2007-01-06 13:25:00)

Es gibt sie immer wieder. Diejenigen Filme, die versuchen den Zuschauer aufzurütteln, zu bewegen und zum Umdenken anzuregen.

ich bezweifle eben, dass ein film wie we feed the world wirklich zum umdenken anregt. ich glaube man verlässt das kino (oder den fernseher) mit einem mittleren klos im hals - und übermorgen ist alles wieder wie's immer war.

euros

Heute Abend 22.45 ARD

Kommentar schreibenAlle Kommentare anzeigen

Trailer Deutsch, 00:54