The New World (2005)

The New World (2005)

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  3. 135 Minuten

Filmkritik: Malicks Movie Meditation

Kluge Köpfe schützen sich
Kluge Köpfe schützen sich © Studio / Produzent

An einem Frühlingstag im April 1607 erreichen britischen Segelschiffe die so genannte Neue Welt, eine scheinbar endlose und urzeitliche Wildnis. Die Absicht, hier eine neue Heimat für Kultur, Religion und Wirtschaft zu gründen, stellt sich in der Praxis rasch als zäher Überlebenskampf dar. Erste Begegnungen mit den Eingeborenen, die noch im vollkommenen Einklang mit der Natur leben, gestalten sich als schwierig. Die kulturellen Unterschiede sind zu gross, als dass ein gegenseitiger Austausch möglich wäre.

Fangis im 17. Jahrhundert
Fangis im 17. Jahrhundert © Studio / Produzent

Einzig der 27-jährige Captain John Smith (Colin Farrell) schafft es, den Eingeborenen näher zu kommen. Erst zum Tode verurteilt, gewinnt Smith dann doch das Vertrauen der Powhatan-Indianer und wird in ihr Stammesleben eingeführt. Dabei verliebt er sich in die kindlich verspielte Pocahontas (Q'Orianka Kilcher). Doch der anfänglichen Harmonie stehen die gegensätzlichen Traditionen beider Kulturen gegenüber - unaufhaltsame Kräfte auf beiden Seiten sorgen dafür, dass nicht nur die Liebe der beiden zum Scheitern verurteilt ist...

"Wenn Malick ruft, kommen sie alle angerannt" Collin Farrell

Der medienscheue, aber reichlich talentierte Regisseur Terrence Malick (Badlands, The Thin Red Line) geniesst trotz seiner wenigen Filmen scheinbar einen guten Ruf in der Schauspielerwelt. Dies erklärt das gewaltige Aufgebot: Christopher Plummer (A Beautiful Mind), Christian Bale (American Psycho), Wes Studi (Dances with Wolves), Kameramann Lubezki (Sleepy Hollow) und viele weitere, die teilweise schon bei Malicks früheren Filmen dabei waren. Die Idee zu diesem Film hatte Malick angeblich bereits in den 70er Jahren.

The New World beginnt die 400 Jahre alte amerikanische Legende der Pocahontas mit der Darstellung einer unberührten, heilen Natur. Inmitten dieser paradiesischen Idylle leben die Indianer scheinbar im Einklang. Der Zuschauer kommt ihnen dabei sehr nah. Was als kitschig und utopisch betrachtet werden kann, wirkte auf mich glaubwürdig und sehr mitreissend. Malick führt uns in eine Welt, die Habgier, Eifersucht und Hass nicht kennt.

Die Ankunft der britischen Eroberer fühlt sich dann auch wie ein Stich ins Herz an und man stellt die europäische Intelligenz in Frage. Den seit 15'000 Jahren in Virginia lebenden Völkern wird keinerlei Respekt entgegen gebracht - Bäume werden abgeholzt und das Kolonialdorf entsprechend umzäumt. Gleichzeitig beginnt, bereits ausgehungert, die Suche nach den erhofften Goldschätzen - erfolglos. Die miserablen Lebensbedingungen hinterlassen auch ihre Spuren in der Psyche der Siedler, sodass die Existenz der Kolonie "Jamestown" auf matschigem Grund steht.

Im Zentrum steht aber immer die grosse, unglückliche Liebe zwischen Captain Smith und Pocahontas. Eng damit verknüpft ist auch die Identitätsfrage, denn anfangs erscheint sie wie eine Waldelfe, später, als Verstossene im Camp der Briten, erhält sie den Namen Rebecca und entsprechend "kultivierte" Kleidung. Sie gibt sich unnahbar, geht stillschweigend ihrer Arbeit nach und erst der ebenso vom Schicksal geplagte John Rolfe (Christian Bale) kommt näher an sie ran. Er ist es dann auch, der Pocahontas mit nach England nimmt. Vom Königshaus wird sie prompt als Prinzessin von Virginia gefeiert. Auf ihrer Rückreise nach Amerika erkrankt sie jedoch und stirbt im Alter von nur 21 Jahren.

Die zu Drehbeginn erst 14-jährige Q'Orianka Kilcher, quasi das Herzstück des Films, hat bisher erst in einer kleinen Nebenrolle Filmluft geschnuppert und verköpert die anspruchsvolle Rolle der Pocahontas ausgezeichnet. Man darf also stolz sein, schliesslich ist die vielseitig begabte Kilcher die Tochter eines peruanischen Ureinwohners und hat - man glaubt es kaum - ein Schweizer Mami.

Malicks grosser Verdienst ist das Bestreben, die Dinge so detailgerecht wie möglich wiederzugeben. Für The New World wurde reichhaltig über die Ureinwohner recherchiert, man liess die Produktion vor Drehbeginn sogar von Häuptling Stephen Adkins vom Chickahominy Tribe höchstpersönlich absegnen. Kulissen, Requisiten und Kleidungsstücke wurden in mühevoller Handarbeit nachgefertigt. Ganz im Gegensatz zur letzten und schlecht vergleichbaren Verfilmung von Pocahontas. The New World überzeugt hingegen mit seiner Ästhetik (65mm!), einer bildhaften Sprache und mit den zeitlosen Themen der verbotenen Liebe und dem Kampf der Kulturen.

/ dom

Kommentare Total: 17

Joe Johnson

A masterpiece - but only in the director's cut ! Don't watch the shorter theatrical version, it has serious problems.

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der film ist bildstark und gefühlsvoll.
doch der film hat zu viele szenen die in die längen gezogen worden waren, die den film langweilig machten😴.

Bender2k2

Selten einen dermassen langweiligen Film gesehen.
Entweder wurde der extrem gekürzt oder ich weiss es nicht.
Abgesehen davon das die Szenen teilweise konfuse Anschlüsse hatten war es Grotten zäh.
Nach der hälfte des Filmes musste ich aufhören. Ich konnte es nicht mehr ertragen. Ordentlich erzählt hätte der Film womöglich 4 Stunden gedauert.
Obwohl eh alles vorhersehbar war.
😕

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