Mrs Henderson Presents (2005)

Mrs Henderson Presents (2005)

Lady Henderson präsentiert
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  3. 103 Minuten

Filmkritik: Londons bare Brüste

Aktmodel mit Kleidern
Aktmodel mit Kleidern © Studio / Produzent

1937 muss Mrs. Henderson (Judi Dench) ihren geliebten Ehemann zu Grabe tragen lassen. Der hat ihr zwar ein ansehnliches Vermögen hinterlassen, doch für Witwen gibt es zu jener Zeit nicht all zu viele Zerstreuungsmöglichkeiten. Eine Freundin empfiehlt ihr, sich etwas zu leisten, was verheirateten Frauen offenbar nicht zusteht: Ein Hobby.

Weder Sticken noch die Teilnahme an einem Charity-Projekt können die alte Dame wirklich begeistern. Doch als sie eines Tages am leerstehenden, heruntergekommenen "Windmill-Theater" vorbeigefahren wird, hat sie die zündende Idee: Mrs. Henderson will eine Revue auf die Beine stellen.

Hosen runter!
Hosen runter! © Studio / Produzent

Doch dazu braucht sie einen fähigen Theaterdirektor. Den findet sie in Vivian Van Damm (Bob Hoskins). Der alte Herr ist allerdings nicht sonderlich begeistert, dass sich seine Arbeitgeberin gerne in sein Geschäft einmischt. Als erstes Theater in London ist das "Windmill" täglich mit fünf Vorstellungen geöffnet.

Schon nach kurzer Zeit möchte die unternehmungslustige Witwe eine weitere Neuheit einführen. Wie in der französischen Namensvetterin "Moulin Rouge" sollen auch im "Windmill" nackte Frauen auftreten. Doch erst gilt es, von Lord Cromer (Christopher Guest) eine Sondererlaubnis zu erschmeicheln und die passenden Künstlerinnen zu finden. Und wie wird das Publikum reagieren?

Judi Dench (Oscarpreisträgerin in Shakespeare in Love) und Bob Hoskins (Oscarnominiert für Mona Lisa (1986)) harmonieren in Mrs Henderson Presents so gut, dass sich die Leinwand beinah vor Stolz aufplustert. Die Dialoge sind spitzzüngig, spritzig und trainieren mit einer britischen Portion schwarzen Humors gleich noch die Schmunzel- respektive Lachmuskeln.

Es ist nicht zuletzt Judi Dench zu verdanken, dass die trockenen Sprüche, welche diesen Film potenziert lüpfig gestalten, ganz unlike a Misses umherflattern. Ihr zuzuhören ist eine wahre Freude. Die inkongruente Mimik dazu sehen zu können, freut noch mehr. Nebst der glaubwürdigen, unterhaltsamen Schauspielerei sind auch die Kulissen, die Kostüme und die gesungenen Lieder sehr ansprechend.

Das interessant und gleichsam gesunde am Film sind die unbekleideten, spärlich bedeckten Missen auf der Bühne: zur Zeit des zweiten Weltkrieges waren Bohnenstangen, Twiggies und weibliche Skelette auf den Theaterbühnen nicht erwünscht. Es herrschten entgegen dem heutigen Hollywood Schönheitsideal natürliche Körperrundungen vor. Ein erstrebenswertes Revival für unsere Gesellschaft... Das Tabuthema "Nacktheit im Theater" wird denn auch nicht - wie etwa heute des öfteren zelebriert - unter der Gürtellinie erklärt, sondern witzig und ideenreich umgesetzt.

Der zweite Weltkrieg gibt der Story eine weitere Basis. Dessen Grausamkeit sowie die Armut und das Elend, dass er mit sich bringt werden zwar thematisiert, dies aber in einem Umfang - der zum Glück - nicht die Oberhand gewinnt.

Fazit: Mrs Henderson Presents ist ein gelungener Film, der Mrs Hendersons Kreativität, ihre Hartnäckigkeit und den trockenen Humor ins glänzende Licht rückt. Judi Dench und Bob Hoskins erinnern ein Stückchen an The Odd Couple, irgendwie. Ein Filmgenuss - Bravissimo!

/ nd

Kommentare Total: 7

nwe

DVD-Review: Nackte Tatsachen stillgestanden

thatssno

Wirklich eine gelungene, typisch britische Komödie, mit einem hervorragenden Darstellerpaar. Sehr empfehlenswert.

idonofrio

Selten wusste ich so wenig über einen Film den ich vor mir hatte.
Und so erlebte ich eine Judi Dench ich Höchstform. Mehr von solchen Rollen, sie ist darin einfach Brillant.

Doch die nächste die ich weis ist wohl Casino Royal!

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