The Island (2005)

The Island (2005)

  1. , ,
  2. 136 Minuten

DVD-Review: Gut begonnen, schnell zerronnen!

Hot Chick with Hot Gun
Hot Chick with Hot Gun

Wir schreiben das Jahr 2019. Die Erde ist einer Verseuchung zum Opfer gefallen und die Überlebenden wurden in einem Komplex zusammengepfercht, wo sie zwar weiterhin existieren können, sich jedoch nach einem ganz spezifischen Programm richten müssen. Der Traum jedes dortigen Einwohners ist The Island. Diese Insel ist das letzte Fleckchen Erde, das noch bewohnbar ist und regelmässig wird eine Lotterie veranstaltet, deren Gewinner eben auf diese Insel abdüsen kann. So bleibt die Spannung erhalten und die weiss gekleideten Menschen haben ein Ziel in ihrem Tun.

Lincoln Six-Echo (Ewan McGregor) ist einer dieser Menschen. Er erwacht jeden Morgen im weissen Zimmer, hat nur weisse Kleider im Schrank und ihm fehlt schon mal ein Turnschuh. Ausserdem hat er in letzter Zeit Albträume, in denen er scheinbar in seinen Erinnerungen schwelgt und dann plötzlich von wildfremden Leuten unter Wasser gedrückt wird. Der Psychologe und Leiter dieses Komplexes, Dr. Merrick (Sean Bean) soll sich nun dieses Problems annehmen. Ebenso beginnt Lincoln sein Dasein zu hinterfragen. Wer bügelt die Kleider? Wo enden die Schläuche? Wieso kriegt er keinen Schinken zum Frühstück?

Arbeitest du auch bei Ariel?
Arbeitest du auch bei Ariel?

Seine beste Freundin ist Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson). Sie mögen sich, müssen aber weiterhin Distanz wahren, wie der nette Herr vom Sicherheitsdienst ihnen immer wieder mitteilt. Doch heute ist ihr Glückstag! Sie gewinnt die Lotterie und darf somit auf die Insel. Und während sie sich freut und Vorbereitungen trifft, ist Lincoln Six-Echo unterwegs, um das Geheimnis des Komplexes rauszufinden. Mit Hilfe eines Freundes (Steve Buscemi) und eines Falters, findet Lincoln einen Weg nach draussen. Und was er da sieht, bringt seine ganze Existenz in Gefahr.

Haarige Sache, hä?
Haarige Sache, hä?

Jordan wird gepackt und die Flucht in Angriff genommen. Raus aus der künstlichen Existenz und ab ins richtige Leben. Dass Dr. Merrick das nicht dulden kann, dürfte verständlich sein. Denn immerhin sind die beiden Flüchtigen Klone (oder menschliche Ersatzteillager), für die der jeweilige Sponsor erstens extrem viel Kohle gezahlt hat und die zweitens das Geheimnis und die Machenschaften an die Öffentlichkeit tragen können. So wird ein Jäger engagiert. Dieser (Dijmon Hounsou) soll die Flüchtigen einfangen und retournieren. Doch das scheint nicht so einfach. Denn die beiden Produkte mögen zwar die Welt da draussen nicht kennen, haben aber trotzdem ihre Ideen und Einfälle, wie sie den Verfolgern entkommen können.

Das Ziel der Flüchtigen: Ein Treffen mit ihren Sponsoren. Ihren genetischen Ebenbildern. Ihren Besitzern. Sollte das gelingen, würden die Probleme erst richtig anfangen. Denn wer sieht schon ruhig und gelassen seinem exakten Ebenbild in die Augen?

The Island ist ein Paradebeispiel wie man eine gute Ausgangslage schlussendlich verhunzen kann. Michael Bay, bekannt für seine schwülstigen Bilder, beginnt den Film in pessimistischen Tönen und mit vielen Fragezeichen. Er schafft Atmosphären à la THX 1138, nimmt Anleihen bei Coma und setzt noch etwas Gattaca und Logan's Run hinzu.

Allzu schnell verlässt er aber den Pfad der Tugend und schon mit dem Steve Buscemi-Charakter kommen alsbald ungute Gefühle auf, wo der Film hinsteuern könnte. Wenn die Protagonisten schliesslich ihre behütete Unterwelt verlassen, ist auch der Film schnell von allen guten Geistern verlassen. Eine Actionszene mit Materialschlacht Klasse 1 reiht sich an die andere. Es knallt, es bummst und rummst, dass einem die Ohren wackeln und das Sehvermögen auf schnellste Schnitte und bunteste Explosionen einskaliert wird. Völlig von der Rolle ist dann die Story, die eigentlich keinen mehr zu interessieren scheint.

Nun zu den Heroen. Scarlett Johansson, oh was mochte ich sie im wunderbaren Lost in Translation, gibt eine wenig umwerfende Actiondame, da setzt sich Ewan McGregor schon besser in Szene. Buscemi, das hatten wir schon, spielt Buscemi und was zum Teufel hat eigentlich Michael Clarke Duncan in dem Film zu suchen? Der Oberverfolger Albert Laurent (Djmon Hounsou) ist ein typischer Bay-Bösewicht: Uninteressant, skrupellos und eindimensional. Und seine Truppe, Ex-Seals und Ex-Delta Force, wie er sie selber nennt, ist ein dilettantischer Haufen Meuchelmörder, die nicht schiessen, nicht Auto fahren und nicht Helikopter fliegen können. Es ist zum Schiessen.

Schade. Bay hat eine gute Chance verpasst. Der Auftakt des Films ist wirklich okay mit seinen Andeutungen, der klaustrophobischen Atmosphäre und verspricht so einiges, verkommt dann aber zum üblichen und erst noch überlangen Actionfilm mit allen Bay-Klischees, die wir schon kennen (bis hin zur Hans Zimmer-Musik, dieses Mal aber von Steve Jablonsky).

Extras: Die DVD bietet kaum nennenswertes Bonusmaterial. Making Of und ein ROM-Link zum Audiokomentar, that's it. Das Bild ist umwerfend transferiert. Auf Leinwand gebeamt hätte der Film bestimmt noch mehr visuellen Eindruck hinterlassen. Im Audiobereich bleibt uns die Technik ebenfalls nichts schuldig, das muss man den Technofreaks des Films absolut zu Gute kommen lassen.

/ pb

Kommentare Total: 186

gargamel

Zitat mülltonne (2008-02-24 13:03:47)

Bays Trennung von Bay tat ihm gut, ...

dem ollen schizophreneli 😄

mülltonne

Der Wechsel Michael Bays zu Dreamworks und Steven Spielberg, hat sich qualitativ auf seine Arbeit ausgewirkt. Wo bei Bruckheimer - Filmen die Streifen immer gleich und gleich wirken und ein extrem militärischer Werbebanner klebt, wie eine lästige Schmeissfliege, spricht hier eine Story. "The Island" nimmt sich in der ersten Hälfte sehr viel Zeit für ein Szenerio was schon in "Coma" oder "Soylent Green" für Spannung mit Tiefgang sorgte. Die Hochglanzoptik zollt dem üppigen Design der Kulissen alles und die Figuren sind nicht so platt, wie sie früher bei Bay wahren. In der zweiten Hälfte drückt dann Bay gewaltig aufs Gaspedal und schwelgt in eindrucksvoll komponierten Zerstörungsorgien, die von einem schwelgerischen Soundtrack unterstützt werden und bis zum sehr optimistischen Finale, die Atmosphäre gewaltig pushen. Bays Trennung von Bay tat ihm gut, obwohl der Film kein grosser finanzieller Erfolg war.😄

pb

Zitat siamolo (2008-01-19 11:43:48)

ein dummer vergleich? keineswegs... bowling for columbine "soll" die wahrheit thematisieren, tuts aber nicht. sondern bfc verdreht wahrheiten und verkauft die konsumierer auch für dumm.

naja, ist ja nicht den ganzen film über so... die grundaussage des films stimmt immer noch! dumm kam übrigens nicht von mir, sondern von dir ("dummer vegleich")...

Kommentar schreibenAlle Kommentare anzeigen