Hostel (2005)

Hostel (2005)

Oder: Anatomie für Anfänger

Tüend sie au immer schön fädele?

Tüend sie au immer schön fädele?

Bevor im College der Stress so richtig losgeht, wollen die Kumpels Paxton (Jay Fernandez) und Josh (Derek Richardson) nochmals richtig die Sau rauslassen. Zusammen mit ihrem isländischen Kumpel, dem "King of the Swing", Oli (Eythor Gudjonsson) reisen sie in Europa umher. Deutschland, Italien, die Schweiz und nun Amsterdam. Das Trio geniesst das Kiffen, angelt sich (mehr oder weniger erfolgreich) Mädels und säuft sich durch die Tage. Als sie eines Nachts vor den verschlossenen Türen ihrer Herberge stehen, rettet sie der Anwohner Alex vor den auf sie geworfenen Bierflaschen verärgerter Nachbarn. Und Alex hat nicht nur reichlich Kiffstoff im Haus, sondern auch einen Gratistipp, wo willige Frauen und jede Menge Abenteuer sind. Nämlich in der Slowakei. In Bratislava.

Das aufgeregte Trio macht sich natürlich sofort auf den Weg ins Paradies und erreicht das empfohlene Hostel kurz darauf. Und siehe da! Das Mädel an der Reception ist heiss, die Zimmernachbarinnen laden die Gruppe erstmal in den Spa-Bereich ein und für Bettlaken-Action ist ebenfalls reichlich Material vorhanden. So verbringen Josh und Paxton ihre erste Nacht mit den lokalen Schönheiten Natalya und Svetlana. Und auch Oli scheint einen Treffer gelandet zu haben, denn sein Bett ist am Morgen danach unberührt.

Bitte einmal Folter für Drei

Bitte einmal Folter für Drei

Als Josh eines Abends in der Disco was Übles zu trinken kriegt, schleift er sich ins Bett, nur um von dort gleich wieder abgeholt zu werden. Erwachen tut der Junge in einem dunklen Raum mit allerhand klinisch sauberem Werkzeug wieder. Ihm wird die Maske vom Gesicht genommen und was ihm nun widerfährt, ist die Hölle auf Erden. Denn in diesem kleinen Örtchen bei Bratislava, können sich reiche Menschen andere Menschen kaufen, um an ihnen sadistische, grausame, brutale und schlussendlich tödliche Foltereien durchzuführen.

Und ein amerikanischer Tourist ist noch immer in freier Wildbahn. Doch auch er wird noch Quälereien kennen lernen, die einem das Blut in den Adern stocken lässt.


DVD-Rating

Mit Hostel etablierte sich Eli Roth nach seinem Erstling Cabin Fever endgültig in der Horrorszene und feierte einen gewaltigen Erfolg. Bei uns kam er jedoch nie ins Kino und ist jetzt in einer "ungeschnittenen" Fassung auf DVD zu kaufen. Diese unterscheidet sich jedoch nur um wenige Sekunden von der Kinofassung und wirkt immer noch sehr inkonsequent, im Bezug was jetzt gezeigt wird oder nicht.

Hostel war bereits vor dem Release als der grösste Schocker seit langem angekündigt und machte auch durch Ohnmachtsanfälle bei der Premiere Schlagzeilen. Der Film selber entpuppt sich allerdings vorerst als feucht fröhlicher Softporno, bei dem sich die drei Touristen mit viel Gras durch das Amsterdamer Partyviertel tanzen. So beschäftigt man sich mehr mit Brüsten und nackter Haut als mit Blood and Gore. Dadurch bleibt der eigentliche Horror lange aus, und obwohl irgendwie immer das Damoklesschwert über den dreien hängt und man immer das Gefühl hat "da stimmt doch etwas nicht", kommt kaum Spannung auf.

Eins kann ich bestätigen: Obwohl sich Hostel doch lange Zeit lässt, die Schachfiguren auf ihre Plätze zu rücken, ist er auch ein sehr schonungsloser Schocker, der nicht davor zurückschreckt, Grossaufnahmen von abgetrennten Gliedmassen und herausgeplatzten Augen zu zeigen. Solche Szenen fallen allerdings oft nur sehr kurz aus und obwohl er in den einen bis an die Schmerzesgrenze geht wirken die meisten wiederum föllig harmlos und abgehakt, als ob ein Teil weggeschnitten wurde. Dadurch wirkt Hostel sehr inkonsequent und unfertig, als ob ein Hobbyregisseur an der Arbeit gewesen wäre, der die Hälfte vergessen hat. Trotzdem ist Hostel ein sehr realistischer Film, der durch mit halbzerfallenen Häusern und schmutzigen, blutverschmierten Gängen eine sehr düstere Atmosphäre aufbauen kann.

Die Geschichte selber kommt sehr linear daher und bemüht sich gar nicht erst, grosse Überraschungen oder raffinierte Storywendungen zu präsentieren. Das ist auch einer der Schwachpunkte, denn wer sich etwas auskennt, hat schnell das Konzept von Hostel durchschaut und vermutet etwa, in welche Richtung der Film geht. So verliert er sich auch zwischen viel nackter Haut und blutigen Szenen und behandelt das eigentlich völlig krank/geniale Konzept, welches hinter dem Film steckt, nur am Rande. Schade eigentlich, denn eben dieses kranke Szenario hebt Hostel von einem Routinesplatter ab in die Klasse des anspruchsvollen Horrors.

Fazit: Hostel hält im grossen und ganzen was er verspricht und bietet für den magenfesten und abgehärteten Kinogänger düsteren Horror, der genauso unterhält und auch mal Szenen zeigt, die unter die Haut gehen. Mit Hostel hat sich eine neue Art des Folterhorrors in dem Genre etabliert, der sicher noch viele Nachahmer finden wird. Dennoch bleibt es bei vier Sternen, denn trotz Folterungen und einigen wüsten Szenen kommt die eigentliche Idee nur am Rande zur geltung und viel zu lange muss man sich mit nackter Haut herumschlagen, bis es endlich zur Sache geht. Diese Szenen sind zwar amüsant, doch eigentlich nicht das, was man von einem solchen Horrorfilm erwartet. Unter dem Strich ist Hostel sicher ein Film der jedem Horrorfan zu empfehlen ist und sich trotz einigen Schwächen deutlich von der Masse abhebt, der erwartete Hammerschocker ist er jedoch bei weitem nicht.

Die DVD selber bietet den Film in scharfen und klaren Bildern, die jedes Detail erkennen lassen und unterlegt sie mit klarem Sound, der auch die Boxen donnern lässt. Die Singledisk-Edition bietet auf dem Bonusbereich nur das absolute Minimum an Material, um einen kurzen Einblick ins Geschehen hinter der Kamera zu bieten. Der Multiangle-"Stunt" entpuppt sich als Lachnummer, bei dem nur gezeigt wird, wie die Kids ein Auto auseinander nehmen. Der zusätzliche Audiokomentar bietet zusätzliche Infos aus erster Hand und der Trailer rundet das Bild ab. Was aber wirlich interessant ist, ist die dreiteilige Behind-the-Scenes Dokumentation, welche vielen lustige Sequenzen von den Dreharbeiten zeigt. Allerdings fallen Infos über die Entstehung vom Film und die Postproduktion sehr dünn aus.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

03.11.2006 / db

Community:

Bewertung: 3.7 (104 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

90 Kommentare