Hostage (2005)

Hostage (2005)

Entführt
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  3. 113 Minuten

DVD-Review: Bruce mal wieder ganz alleine!

Good Cop?
Good Cop?

Jeff Talley (Bruce Willis) ist zuständig für Verhandlungen mit Geiselnehmern beim LAPD. Er ist äusserst selbstsicher und beherrscht, da er bis jetzt noch nie einen Toten zu beklagen hatte. Nicht umsonst wird er deshalb als bester Mann der Stadt gepriesen. Dies ändert sich aber, als er bei einem Einsatz seiner Truppe befiehlt, mit dem Zugriff zu warten, obwohl diese ihm eine 100%ige Überlebenschance für den festgehaltenen Jungen garantiert. Er will weiter mit dem Geiselnehmer verhandeln, um auch noch dessen Mutter zu retten. Ein schwerer Fehler, der alle drei Beteiligten das Leben kostet. Talley kann mit der Schuld, die er sich für das Unglück gibt, nicht umgehen und quittiert deshalb seinen Dienst.

Aber aber Kinder, es ist doch nur Bruce!
Aber aber Kinder, es ist doch nur Bruce!

Ein Jahr später ist er als Polizeichef in Bristo Camino (Ventura County) tätig, einem kleinen Kaff im Nirgendwo, wo nach "Low-crime-Monday" stets "Low-crime-Tuesday" folgt. Seine Ehe läuft nicht mehr gerade prickelnd und das Verhältnis zu seiner Tochter ist durch dauernde Auseinandersetzungen geprägt. Seine Welt wird jedoch erneut auf den Kopf gestellt, als drei kriminelle Jugendliche in das abgelegene Haus des korrupten und reichen Buchhalters Walter Smith (Kevin Pollak) einbrechen und diesen, gemeinsam mit seinen beiden Kindern, als Geisel nehmen. Dies bringt Talley genau in die Situation zurück, die er für den Rest seines Lebens vermeiden wollte. Da er sich der Sache nicht gewachsen fühlt, gibt er die Führung dem Sheriff von Ventura County ab. Bald darauf wird er aber gezwungen, sie wieder aufzunehmen, weil ein Verbrecherring seine Familie entführt hat, um ihn dazu zu bringen, eine DVD mit geheimen Daten aus dem von der Polizei umstellten Haus zu beschaffen. Als es dann auch noch Unstimmigkeiten zwischen den drei Geiselnehmern gibt, droht die Lage zu eskalieren.

Bruce Willis im Alleingang? Das kennen wir doch schon längst! Macht aber nichts. Vor seinem galanten Auftritt in Sin City entstand dieser etwas zu lang geratene Thriller vom Franzosen Florent Siri, dem allerdings an den Kinokassen eher wenig Erfolg beschieden war. Das ist an und für sich schade, wenn man andere hochgestylte Actionfetzen im Kino sieht, die mässiger besetzt sind und sicher nicht mehr Charaktertiefe aufweisen, vor allem aber mit dummdreisten Dialogen und behämmerten Stories die Leinwände niedertrampeln. Aber so ist das eben im Filmgeschäft.

Hostage ist natürlich auch nicht das absolute Gelb vom Ei, ein bisschen zu lang geraten, oder anders ausgedrückt: es kam einem hie und da so vor, dass es sich etwas hinzog, und von etwas zu überspitzten Darstellungen blieb der Film auch nicht verschont. Bruce Willis spielt zwar gut, aber stellenweise auch etwas over the top (die Eingangsszene, die finale Umarmungsszene). Okay, das mag auch an der etwas überstrapazierten Inszenierung in diesen Momenten liegen, doch von seitens der Schauspieler wäre etwas mehr Zurückhaltung nicht deplaziert gewesen. Von allen aus der Darstellerriege hat mir aber Kevin Kelley als psychopathischer Mars am wenigsten gefallen, das war dann doch allzu übertrieben und entwicklungsmässig wenig nachvollziehbar. Ganz zum Schluss gab es dann noch ein wenig den Cape Fear/Robert DeNiro-Oberbösewichteffekt. Hm, too much.

Absolut gelungen ist ansonsten die stilsichere Umsetzung als Mischung aus Film Noir und Thriller mit genügenden Momenten der Ruhe und des Nachdenkens. Blendend das Production Design (will auch so ein Häusle!) und erste Sahne die fantastische Musik von Alexandre Desplat, eine der besten Filmmusiken des Jahres in einem Genre, wo man zuletzt viel trostloses zu hören bekommen hat. Auch dass nicht alles aufgelöst wird, was man gerne aufgelöst gesehen hätte, tut dem Film gut. Sonst bekommt man ja jedes Wieso und Warum auf die Brille, so man eine hat, geknallt.

Ein guter, gut gemachter und angenehm anzuschauender Film mit der einen oder anderen Länge hie und da.

Extras: Hostage kommt als 2-DVD-Edition im Kartonschuber. Auf DVD 2 finden sich die Extras, von denen die Deleted Scenes (mit optionalem Kommentar) wirklich aufsschlussreich sind, was den Ausschluss unnötiger oder sich anderswo selbsterklärender Sequenzen betrifft. Auch das Making Of ist recht gelungen und keine reine PR-Selbstbeweihräucherung. Die Titelsequenz (und deren Übergang in den Film) mit der starken Musik und den gelungenen Toneffekten fand ich ebenfalls hervorragend gemacht. So ist auch der Ton im Film speziell gut und atmosphärisch fein aufgeteilt.

/ pb

Kommentare Total: 20

daw

Jaja, lange hatten wir eine One-Man-Show mit Bruce Willis vermisst (abgesehen von Die Hard 4.0). Nun ist sie wieder da, und wie!

Der Film bietet für viele Willis-Fans eine menge Portion Action, gute Dialoge und auch ein wenig Spannung. Persönlich gefiel mir die Kameraführung ganz gut, die Story hingegen war nur "so ganz ok". Die Rolle als Good-Cop ist für den schon älter gewordenen Bruce perfekt. Die Nebendarsteller sind auch sehr gut ausgesucht worden, vorallem den Charakter der drei bösen Jungs nimmt man zu jeder Zeit ernst.

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Gegen Ende des Films (Schlacht im Haus) kam mir dieser Streifen aber immer mehr wie ein Horrorfilm vor -> Psychopath der mit Blut an der Scheibe eine Nachricht hinterlässt...

Der Schluss ist auch nicht schlecht, hätte meiner Meinung nach aber etwas besser umgesetzt werden können, da ging es doch ziemlich schnell am Ende.
Die Special Edition (2 Discs) bietet eine Menge an Extras wie z.B. ein ausführliches Making Of. Zwar nicht soooo spannend aber immerhin. Über Bild und Ton kann nicht geklagt werden. Sowohl die DD- als auch die DTS-Tonspur tönen ganz gut. Der Helikopter ist durch die hinteren Lautsprecher gut zu hören...wrrrruuuummmm....

Fazit: Wirklich guter Action-Streifen mit einem Bruce Willis in Top-Form. Auf jeden Fall haben sich die 9.80 CHF für diesen Film absolut gelohnt. Wer ebenfalls an einem solchen Angebot vorbeiläuft soll auf jeden Fall zugreifen, er wird nicht enttäuscht sein!

db

Hostage - Ei wo is mei Family

Bruce Willis, kann auf eine sehr farbige Filmgeschichte zurückblicken. Von kommerziellen wie Armageddon zu eher Speziellen wie 12 Monkeys bis zu unterhaltenden wie Die Hard. Dazwischen gab es auch einigen Schrott. Die neuste Produktion nennt sich Hostage und erzählt die Geschichte von einer, man kann's erraten, Geiselnahme in einem Hochsicherheitswohnhaus. Drei Jugendliche verbarrikadieren sich im Haus haben drei Geiseln und schlagen ohne ihr Wissen enorme Wellen, die auch das FBI auf den Plan rufen.

Zuerst habe ich in Hostage ein ganz normaler Linearer Actionthriller erwartet, der Willis wieder einmal als Held zeigt und er routiniert die Situation cool mit ein paar Sprüchen löst. Ich wurde allerdings überrascht, Hostage enthüllt sich als sehr dichter Thriller, der es schafft ein sehr spannendes und Atmosphärisch dichtes Szenario zu schaffen, das gleichzeitig auf mehreren Gleisen fährt. Während die Geiseln im Haus festgehalten werden, will eine dritte Partei an eine CD heran die sich im Haus befindet und erpresst Willis mit dem Leben seiner Familie, dass er diese CD beschafft. So gerät er in die missliche Lage, sich aus der kleinen Dorfbullen-Position wieder als Kommander der Operation in Aktion zu treten. So wird das Szenario viel realistischer und stellt Willis nicht als der Überheld dar, sondern als ein normaler Bulle mit seinen eigenen Problemen, diese sind zwar etwas Klischeelasting trotzdem heben sie den Film von den normalen Actionstreifen ab.

Hostage baut anfänglich sehr linear auf, wird dann im Verlauf immer dichter und verzweigter was auch etwas Mitdenken erfordert. Allerdings hat er auch enorme Qualitätsschwankungen. Während sich die Spannung anfänglich nur sehr langsam aufbaut und auch lange nicht ausgenützt wird, blüht der Film gegen Ende regelrecht auf und zeigt erst dann sein ganzes Potential, obwohl dann der Schluss eher einen zweischneidigen Eindruck hinterlässt. Die Kameraführung ist sehr packend geraten und holt aus vielen Szenen das optimale heraus, vor allem die Feuerszenen gegen Ende sind zwar etwas aufgesetzt aber auch eine Augenweide.

Die Schauspieler der alten Generation geben sich gewohnt Routiniert und auch Willis zeigt eine solide Leistung. Der sonstige Cast passt gut in ihre Rollen, selbst die Geiseln wie auch die Geiselnehmer überzeugen in ihren Darstellungen. Obwohl mir die Brüder mit der Zeit immer mehr auf den Geist gingen überzeugte der kalte Leader im Hintergrund durchaus. Wird aber viel zu plakativ zum Monster hochgepusht gegen Ende.

Fazit: Ein packender und routiniert inszenierter Action Film, der mehr Dichte aufweisst als viele und um einiges mehr bietet als zuerst angenommen. Durchaus einen Blick wert und für Bruce Willis Fans ein muss, für die Action-Fans eine Empfehlung.

pb

du sollst dich im kino ja auch nicht unterhalten. das stört nur das andere publikum 😉. visuell ist der film zumindest dem durchschnittsthriller überlegen, die musik ist klasse, die story auch nicht ohne, der oberbösewicht oberdoof und willis ist willis.

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