A History of Violence (2005)

A History of Violence (2005)

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  3. 96 Minuten

Filmkritik: Action in Toms Diner

Ich, Unschuldslamm.
Ich, Unschuldslamm. © Studio / Produzent

Tom Stall (Viggo Mortensen) ist ein unbescholtener Beizer in Millbrook/Indiana. Einer, der sich auch nicht zu schade ist, den Müll vor der Tür seines Coffee-Shops an der Hauptstrasse selber wegzuräumen. Nur mit seiner Frau Edie (Maria Bello) macht er des Nachts Sachen, von denen nicht sicher ist, ob sie in allen amerikanischen Bundesstaaten erlaubt sind. Aus der perfekten Ehe sind zwei Kinder entsprungen, von denen der älteste Sohn an der High School zwar kleinere Probleme hat mit der Quarterback-Dumpfbacke, aber ansonsten nichts weiter Weltbewegendes zu berichten wäre.

Was will Heino trinken?
Was will Heino trinken? © Studio / Produzent

Bis eines Tages zwei brutale Killer auf der Durchreise sich Toms Diner als Ort aussuchen, um auf die schnelle ein bisschen Kohle zu machen. Als sie Toms Serviertochter exekutieren wollen, tötet Tom die beiden gesuchten Verbrecher gekonnter als man es von einem braven Familienvater erwarten würde. Tom wird so der Star der Stunde auf CNN, findet den Medienrummel aber eher störend und will, dass so schnell wie möglich Gras über die Sache wächst. Denn schon bald taucht eine schwarze Limousine auf in Millbrook, auf dessen Rücksitz der undurchsichtige Carl Fogarty (Ed Harris) im massgeschneiderten Anzug sitzt. Der macht es sich am Tresen bei Tom gemütlich und nennt ihn hartnäckig "Arago..." äh "Joey".

A History of Violence ist einer der Filme, wo das Böse aus den fernen Grossstädten in den friedlichen mittleren Westen der USA dringt. In den ersten Minuten des Films wird gleich mal ein Kind erschossen. Wir wissen also, dass die zwei Cabriofahrer, welche die Brüder der Geckos aus From Dusk Till Dawn sein könnten, abgrundtief böse Menschen sind. Dann folgt ein Schnitt aufs blonde Töchterchen von Tom alias Viggo Mortensen, das gerade aus einem Albtraum erwacht ist. Prompt ist mitten in der Nacht die gesamte Familie inklusive der pubertierende Sohn auf den Beinen und tröstet das verängstigte Mädchen als wären sie Diese Drombuschs aus dem ZDF. Doch die wahren Bösewichte, die PKZ-Bad Guys von der irischen Mafia, die sehr langsam sprechen und deren Boss ein Glasauge hat, kommt erst noch. Was diese dann alles Böses machen mit der Musterfamilie, bis die "Family Values" wieder hergestellt sind und alle in Ruhe auf dem Hackbraten rumkauen dürfen, darf hier leider nicht verraten werden, denn A History of Violence ist auch einer der Filme, bei denen der Verleih mit der Bitte an die Presse gelangt, doch nicht alle Plot Twists zu verraten.

Der neue Film von David Cronenberg ist mit seiner simplen Schwarzweiss Malerei, die in der Graphic Novel von John Wagner und Vince Look noch seine Berechtigung hatte, oft unfreiwillig komisch. Die sehr langsame Kameraführung wirkt mit Howard Shores Score, der sich mit Anleihen bei Silence of the Lambs gleich selber kopiert, manchmal einschläfernd. Das mühsamste für einen Film, bei dem Cronenberg auf dem Regisstuhl sass - immerhin der "King of Venereal Horror" oder auch mal "Baron of Blood" genannt - ist aber, dass er bis auf zwei überaus bedeutungsschwangere Sexszenen und ein paar Grossaufnahmen von blutigen Schusswunden überhaupt nicht bizarr ist. Man schaue sich zum Thema Gewalt in der familiären Idylle des mittleren Westens lieber nochmals The Night of the Hunter oder Straw Dogs an.

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Kommentare Total: 60

gargamel

nope, he's dead wrong.

summerfeeling

rm is just right.

WideScreen03608

Also nur ein Sternli hat dieser Film sicher nicht verdient, auch wenn gewisses vorhersehbar war. Die Darsteller sind allesamt excellent und der Film wühlt schon ziemlich auf und gibt am Schluss auch nur zaghaft eine Antwort. Eine definitive lässt sich wohl auch nicht geben. Ich finde den Film von der Stimmung und der Machart echt Klasse und er hat mich nirgends wirklich enttäuscht.

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