The Headsman (2005)

The Headsman (2005)

Shadow of the Sword
  1. , ,
  2. 115 Minuten

Filmkritik: Honour made him a man. Courage made him a hero

Notstrom im Mittelalter
Notstrom im Mittelalter © Studio / Produzent

Die Waisen Georg und Martin wachsen in einem Kloster auf. Die unzertrennlichen Knaben werden auseinandergerissen, als Martin als Söldner verdingt wird und Georg eine kirchliche Laufbahn einschlagen muss. Die beiden treffen sich wieder als Klosterprior und kaiserlicher Hauptmann. Doch sie stehen vor dornigen Zeiten, denn Martin (Nikolaj Coster-Waldau) verliebt sich in die Tochter des Henkers und wird dadurch zum Unberührbaren. Georg (Peter McDonald) will die beiden nicht trauen, so hält sich Martin an einen Täufer, der luther'sches Gedankengut vertritt.

Martin tritt durch die Heirat die Nachfolge des Henkers an und wird so gezwungen, der Autorität der weltlichen Kirche zu folgen. Er foltert und tötet jene, die von Bischöfen und anderen Kirchenvertretern als Ketzer bezeichnet werden. Durch seine Ehe gerät er allerdings bald selber in die Machenschaften der feisten Prediger.

Headsman handelt in einer geschichtlich ereignisreichen und bedeutungsvollen Epoche. Der Konflikt der Reformationsbewegungen wird aus den beiden gegensätzlichen Perspektiven des frommen Georg auf der einen, und des unchristlichen Söldners Martin, auf der anderen Seite, beleuchtet. Während Georgs Leben ausschliesslich von der Religion geprägt ist, führt Martin ein Leben abseits der Gesellschaft und deren kirchlichen Machtstrukturen. Er ist, genauso wie Georg, seinem Schicksal ausgeliefert, findet jedoch seine Einstellung gegenüber den gewaltsamen und intrigierenden Machenschaften der Kirche. Georg dagegen fehlt es an der nötigen Kraft, seine kirchlichen Werte kompromisslos durchzusetzen. Er fällt in einen Gewissenskonflikt und kann mit der Macht, die ihm durch seine Position als Prior zukommt, nicht umgehen.

Regie führt der gebürtige Berner Simon Aeby, der sich mit Three Below Zero und Das Fähnlein der sieben Aufrechten einen Namen gemacht hat. Headsman ist eine Zusammenarbeit sechs europäischer Länder, gedreht wurde während 38 Tagen, mit einem Budget von 8 Mio. Franken, in Österreich und Ungarn.

Das erklärte Ziel, das Aufzeigen der Politik und des Zeitgeistes des 16. Jahrhunderts, ist nur bedingt erfüllt worden. Die Schauplätze, besonders das mittelalterliche Dorfleben, wirken nicht authentisch - weit angelegte Einstellungen fehlen hier. Die durch Martin Luthers revolutionäres Gedankengut entstandenen Aufstände der Bevölkerung wirken wenig überzeugend. Den Anliegen der Täufer kommt der Film zuwenig nach. Der ganze Verlauf der Geschichte ist schleppend und teilweise unklar. Erst zum Schluss kommt noch etwas Spannung auf, indem nach archaischem Muster ein Opfer gebracht werden muss. Einzig Anna vermag in der Rolle als starke Aussenseiterin durch Emotionalisierung und guten schauspielerischen Leistungen den Zuschauer zu packen. Wer sich für die brisante Thematik der Reformation interessiert, ist mit Luther oder dem dokumentarischen Spielfilm Martin Luther besser bedient.

/ dom

Kommentare Total: 19

El Chupanebrey

Der Film fängt wirklich gut an, die Zeitsprünge schüren die Spannung sehr gut. Doch mit der Zeit flacht alles etwas ab und es wiederholt sich alles etwas. Trotzdem ist es den Machern gelungen, den schwierigen Stand eines Henkers im Mittelalter zu zeigen. Der Film zeigt auch schön die breite Palette von Foltermethoden damals auf. das Drehbuch ist nicht schlecht, die Konstruktion der Ausgangslage gegen Ende ist wirklich solide gemacht.
Nicht grosses Kino, auch kein grosses Meisterwerk, aber für einen gemütlichen Fernsehabend eignet sich The Headsman hervorragend.

[Editiert von El Chupanebrey am 2007-10-20 11:31:01]

filmchefchen

Zitat domstah (2006-01-27 19:13:33)

Wenn vor einer Steinmauer ein paar Marktstände stehen und du dabei insgesamt 15 Leute herumstehen siehst, wirkt das auf mich nicht wie ein mittelalterliches Dorf!

Da muss ich dir recht geben, das stört wirklich! Ausserdem dauert der Film für die doch eher banale Handlung zu lange.

Ansonsten hat er mich Überzeugt, vor allem sehr gute Bilder (in der Kirche) und die Schauspieler spielten sehr glaubwürdig.

gargamel

Zitat henker (2006-07-19 01:40:01)

Fabian Roher machte seinen Job fuer einen Laiendarsteller nicht schlecht, das selbe gilt fuer Sven Epiney. Erich Vock war sowieso klasse. Nicht jeder Regisseur hat das Geld fuer Superstars.

wer hat was von superstars gesagt? schauspieler (anstatt snowboardfahrer, moderatorenfuzzis oder trällermäuschen) würden ja schon reichen... aber eben (wie pb schon sagte): wenn dann nicht mal die rohrer-, epiney- oder kisha-fans in's kino wandern, wer geht dann so ein filmchen noch kucken (ausser peter und dem wolf... äh, und seiner schwester)...

Uebrigens hatte Simon Aeby einen echten Charakterdarsteller (Wes Bentley) in seinem Three Below Zero in der Hauptrolle. Zieh dir den Film mal rein,

nö, sorry, soviel zeit, um mir jeden schrott anzusehen hab' ich nun wirklich nicht.

bin gespannt auf Weiteres Meckern.

[Editiert von gargamel am 2006-07-19 09:06:29]

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