Ricordare Anna (2004)

Ricordare Anna (2004)

  1. 94 Minuten

Filmkritik: schnell vergessen

Willste 'n Lolli?
Willste 'n Lolli? © Studio / Produzent

Als Viktor Looser (Mathias Gnädinger) das Grab seiner an AIDS gestorbenen Tochter besucht, erleidet er einen Herzinfarkt. Darauf beschliesst er, den Ueberträger der tödlichen Krankheit zu finden. Er vermutet, dass Salvo (Pippo Pollin), Annas Mann, der Schuldige sei und begibt sich nach Sizilien in dessen Heimat. In Rückblenden sieht man die Geschichte von Anna. Sie gehörte in den 80er Jahren der Chaosbewegung an. Nachdem sie ihr Studium als Jahrgangsbeste abschliesst, sollte sie die Assistentin ihres Professors werden. Doch Anna zieht es vor, nach Sizilien zu gehen, um dort Schule zu geben. Sie lernt Salvo, einen Sänger, kennen, ihre grosse Liebe. Sie geht zurück nach Zürich und nimmt ihn mit. Er ist Strassenmusiker und Hausmann, sie arbeitet.

Gegenwart: Viktor sucht Salvo. Er trifft auf einen Pfarrer, der ihm den Besuch der Katakomben empfiehlt. Doch Viktor bekommt fast wieder einen Herzanfall, ein Mädchen, Giuseppina (Carla Mignosi), zerrt ihn im richtigen Moment raus. Annas Geist erscheint ihm, und fordert ihn auf, die Geschichte zu finden, jedoch nicht am Ende anzufangen, dort sei nur der Tod.

Poltergeist?
Poltergeist? © Studio / Produzent

Anna und Salvo heiraten, und schon bald bekommt sie Zwillinge, allerdings nicht von Salvo. Die vier leben aber glücklich und sind eine Familie. Doch eines Tages hat einer der Zwillinge, Tonino, starkes Fieber, und Anna fällt in einem Café um. Einlieferung ins Krankenhaus, Bluttest. Noch ist es nicht klar, woher die Krankheit kommt. Salvo fixt, Anna schläft unter anderem mit ihrem Professor, der ihr gesteht, dass sein ehemaliger Lebenspartner an AIDS gestorben ist. An Weihnachten kommt es zum Eklat, Anna teilt ihren Eltern mit, dass die ganze Familie AIDS hat. Kurze Zeit später stirbt Sohn Tonino. Bei der Beerdigung kommt es zu einem Streit zwischen Salvo und Viktor.

Gegenwart: In einer Nacht voller Erinnerungen erleidet Viktor einen weiteren Herzinfarkt. Die Mutter von Salvo pflegt ihn und erzählt, wie sie Anna und Paolo, den zweiten Zwilling, bis zu deren Tod gepflegt hat. Sie verrät ihm auch, wo Salvo sich befindet. Es kommt zur letzten Begegnung zwischen den zwei Männern.

Letzten Monat hat Clatra et moi eindrücklich bewiesen, dass man zum Thema AIDS feinfühlige Filme machen kann, ohne in die Sentimentalität abzurutschen. Ricordare Anna beweist, auch sehr beeindruckend, dass dies nicht jeder Film schafft.

Gut gemeint und voll daneben. Das wären die Worte mit denen ich Walo Deubers unfreiwilig komisches Drama umschreiben würde. So zum Beispiel funktioniert das Konzept von Annas Geist ganz und gar nicht. Es hilft auch nicht, dass Darstellerin Bibiana Beglau die schweizerdeutsche Sprache nicht beherrscht und so nachsynrchronisiert werden musste. Auch witzig ist Salvos Figur. Witzig, weil sie ein Klischee des langhaarigen italienischen Künstlers ist, der auf seiner Gitarre nette Liedchen trällert. Es ist schade, dass seine Drogenprobleme immer nur am Rande und knapp erwähnt werden. Ein weiteres Ärgernis ist das mysteriöse Mädchen mit den dunklen Augen, dass immer wieder auftaucht um Viktor "Hinweise" zu geben. Diese Elemente wurden wirklich schon zu Tode getrampelt und ihre Ausführung in diesem Film ist lachhaft im wahrsten Sinne des Wortes.

Auch um die Dialoge steht es nicht viel besser. Wir müssen uns Zeilen wie "Du bisch nooch drah, Pappi" gefallen lassen und schlecht gespielte Wutanfälle über "spaghettifressende Tschinggen" ertragen. Und darum ginge es hier doch um ein ernstes Thema. Der olle Priester, der Viktor zufällig auf seiner Überfahrt begegnet, redet zwar schon viel ernsten Kram, doch erinnert er eher an Don Camillo.

Ja hat dieser "ma" denn nur zu meckern? Ja, hat er. Zwar gibt es schöne Aufnahmen von Sizilien zu sehen, doch das reicht nicht um mich milde zu stimmen. Schade, dass die Djoint Ventschr Filmproduktion um Samir hier einen Fehltritt. Denn, wie bereits erwähnt, gut gemeint ist der Film schon...

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Kommentare Total: 5

nwe

DVD-Review: ein Film zum vergessen

th

Zitat gsteinebrunner (20050204180230)

Der Stil und die Argumente des Kommentares von "ma" überzeugen nicht gerade durch grosse Sachlichkeit. Namhafte und seriöse Organe wie die NZZ und SFDRS haben den Film deutlich objektiver (und deutlich positiver) bewertet. Dem kann ich mich nur anschliessen.

nun ja. man kann natürlich die filme auch total objektiv beurteilen. wer uns aber bisschen kennt, weiss, dass das nie unser ziel war. ein outnow-review besteht aus einem objektiven inhaltsteil und einem subjektiven rating. warum dies? ganz einfach: dem einen gefällt der film, dem anderen nicht. dir gefällt der film offensichtlich, und MArco nicht. gerade schweizerfilme sind nicht jedermanns sache... wie auch britney spears nicht jedermanns sache ist. oder oder oder.

mir persönlich spielt der subjektive eindruck eine wichtige rolle. wenn ein film beispielsweise perfekt choreographiert ist, nahmhafte schauspieler mitspielen - aber die story einfach nicht "verhebet", dann möcht ich das wissen... dass manchmal ein rating allzu sehr subjektiv ausfällt, kann vorkommen, aber:

wir sind keine nzz - wir sehen unsere meinung nicht als die einzig wahre an. und bieten deshalb allen die möglichkeit, ihre eigene meinung zum film darzustellen - sei es hier im forum oder beim bewerten der filme. kannst du das bei einem nzz-filmverriss, der dir aber gefallen hat, auch machen? 😉

pb

und warum soll eine positive beurteilung objektiver sein als eine negative?

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