Ray (2004)

Ray (2004)

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  2. 152 Minuten

DVD-Review: Bloss weil du blind bist, bist du nicht dumm

Vorfreude auf den Oscar?
Vorfreude auf den Oscar? © Studio / Produzent

In Florida in den 30-er Jahren. In einem Armenviertel lebt eine Mutter mit ihren zwei Söhnen und versucht diese mit harter Arbeit über die Runden zu bringen. Ebenso trichtert sie ihren zwei Jungs immer wieder ein, auf eigenen Füssen zu stehen und sich durch niemanden beeinflussen zu lassen. Und wie wenn das Leben dieser Familie zu dieser Zeit nicht schon genug hart gewesen wäre, schlägt das Schicksal grauenhaft zu. Der kleinere Bruder ertrinkt in der Waschtonne und der Ältere wird mit 6 Jahren blind.

Mit dem Verlust seiner Sehkraft, wird der kleine Ray Robinson auf seine anderen Sinne aufmerksam. Die Ohren sind ab diesem Zeitpunkt seine Augen und er beginnt sich für das Klavierspiel zu interessieren. Im Teenageralter wagt sich Ray aus der bekannten Umgebung ins grosse Unbekannte. Er reist nach Seattle, um in der dortigen Jazz-Szene Fuss zu fassen. Begabt wie kaum ein Zweiter, wird Ray (Jamie Foxx) unter Vertrag genommen und sein Aufstieg zum gefeierten Weltstar nimmt seinen Lauf. Zwischen Jazz, Country, Gospel und R'n'B entwickelt Ray Robinson, der sich jetzt Ray Charles (sein zweiter Vorname) nennt, seinen eigenen Stil und die Erfolge werden immer grösser.

Versuchungen lauern überall....
Versuchungen lauern überall.... © Studio / Produzent

Doch mit grossem Erfolg, kamen auch grosse Probleme. Während er in Bea (Kerry Washington) eine Frau zuhause hat, die ihm zwei Söhne auf die Welt bringt, ist Ray Charles auf Tour ein Frauenheld, der sich in Sexgeschichten und Drogen flüchtet. Anfänglich noch ein schüchterner Mitläufer, entwickelt sich der schwarze Musiker zum Junkie, der ohne Heroin nicht mehr leben kann und mit dessen Konsum seine ganze Karriere gefährdet. Dazu kommen, wie angesprochen, seine Frauengeschichten, die schlussendlich mit einem Todesfall enden, für den sich Ray Charles selber die Schuld gibt.

"Kommt ein Pferd in eine Bar..."
"Kommt ein Pferd in eine Bar..." © Studio / Produzent

Währenddessen sieht sich Ray auch weiteren Problemen gegenüber. Rassentrennung und seine Vermixung von Gospel mit anderen Stilrichtungen, welche als "Teufelsmusik" betitelt wird, sind nur ein paar davon. Denn so strahlend und erfolgreich Ray Charles auf der Bühne war, so zerrüttet, schwach und beeinflussbar war er als Mensch hinter den Kulissen.

Sein Drogenkonsum macht sich bemerkbar. Er ist nervös, kratzt sich überall und kommt nicht von diesem Teufelszeug weg. Aber er muss sich entscheiden. Musik oder Drogen. Und die Entscheidung muss schnell getroffen werden, denn sonst ist es zu spät.

Er war blind, arm und schwarz, drei Eigenschaften, die in den 40er Jahren nicht gerade zuoberst im Wunschprofil für erfolgreiche Musiker standen. Trotzdem hat es Ray Charles geschafft, berühmter zu werden als manch anderer Künstler und hat tausende von Herzen im Sturm erobert. Er wurde siebenmal von sieben verschiedenen Präsidenten ins weisse Haus eingeladen und trat vor etlichen Königinnen und Königen auf. Dieser Film zeigt, wie alles begann und begleitet Ray auf seinem steinigen Weg zum Erfolg.

Es ist kein Film, den man als monotone Lobeshymne auf Ray Charles bezeichnen könnte und das ist auch gut so. Vielmehr wird der Aufstieg des Musikers mit allen Kontroversen und den Ecken und Kanten seiner Persönlichkeit geschildert. Seine musikalischen Meisterleistungen kommen ebenso zum Zug wie seine eher weniger glorreichen Taten auf dem Gebiet der Drogen und unzähligen Weibergeschichten.

Das Wichtige an diesem Film ist nicht zu überraschen, denn jeder kennt Ray Charles und jeder weiss, wer er war. Es geht vielmehr darum, zu zeigen, wie er zu dem geworden ist, was er ist, und das werden wohl die Wenigsten wissen. Die lineare Handlung wird jeweils gelungen durch Rückblicke auf Rays Kindheit unterbrochen und offenbart so nach und nach das harte Schicksal seiner Familie. Dennoch, irgendwie ist das Ganze mit 2,5 Stunden ein Bisschen zu lang, zu monoton und zu einseitig geraten. Trotz Überlänge gibt es aber Dinge, die meines Erachtens wichtig gewesen wären und die mehr oder weniger auf der Strecke bleiben. Die Tatsache, dass sich Ray sein Leben lang gegen Rassismus eingesetzt hat, wird beispielsweise in knapp einer Minute abgehandelt. Die Proteste gegen seine Musik, die zu jener Zeit von vielen als Gotteslästerung empfunden wurde, wurden kaum gezeigt.

Was mich am meisten erstaunt hat, war die verblüffende Ähnlichkeit von Jamie Foxx und dem jungen Ray Charles. Dies verbunden mit der Tatsache, dass Foxx seit er drei Jahre alt ist Klavier spielt (nur darum war es auch möglich, Rays Musik 96 Mal in den Film zu integrieren), lässt ihn in der Rolle sehr authentisch wirken und man könnte ihn manchmal glatt mit dem echten Ray Charles verwechseln.

Die Extras der DVD beinhalten die bereits obligaten geschnittenen Szenen (wer sich die nach den regulären 2,5 Stunden noch anschaut, ist echt geduldig) und diverse Kinotrailer. Auch die ungeschnittenen Musikszenen aus dem Film sind enthalten, aber ehrlich gesagt schaue ich mir da lieber den richtigen Ray am Piano an als Jamie Foxx mit Playback. Was mich aber wirklich bewegt hat ist der Clip "Erinnerungen an Ray" in dem alte Bilder des Musikers gezeigt werden und seine Freunde über ihn erzählen. "Der Tod von Ray Charles ist ein unglaublicher Verlust für die Musikwelt. Er inspirierte so viele Menschen, seine Musik wird ewig leben.", sagt beispielsweise Elton John. Auch Jamie Foxx, der während der Dreharbeiten noch das Glück hatte mit Ray eine Jam Session zu veranstalten meint: "Er wird mehr geliebt, als er sich das jemals hätte vorstellen können. Da sind die Zeichen, die jeder von uns hinterlässt. Wie gross wird sein Zeichen sein? Für die Ewigkeit." und man erkennt, dass Ray Charles wirklich jemand war, der von vielen geliebt und bewundert wurde. An dieser Stelle kullert dann doch noch vereinzelt das eine oder andere Tränchen über meine Wange -- im Gegensatz zum Film, der mich doch eher kalt gelassen hat.

Nicht ganz verstanden habe ich auch, wieso man Jamie Foxx Johnny Depp bei der Oscarvergabe vorgezogen hat. Was die schauspielerischen Fähigkeiten anbelangt, musste Jamie Foxx nämlich nicht wahnsinnig viel zeigen. Die gesamte Gesichtsmimik fällt beispielsweise schon mal weg, da die Brille sein Gesicht verdeckt und den ganzen Film über ein wenig desorientiert durch die Gegend zu hinken, hätte selbst ich zustande gebracht.

Zusammengefasst kann man sagen, dass es nicht der Film ist, der mein Herz erobert hat, sondern der Mann (der unter anderem 20 Millionen an Taube und Blinde Menschen gespendet hat), über den er gedreht wurde. Er ist es, vor dem ich meinen Hut ziehe und von dem ich glaube, dass er einzigartig war.

/ kat

Kommentare Total: 44

Le-Chiffre

Zitat El Chupanebrey (2007-04-05 17:50:32)

Jamie Foxx ist die ideale Besetzung für Ray Charles. Gratulation (Ray Charles hat ja selbst noch mitbestimmt). Auch ansonsten ist der Film super und Foxx' Oscar mehr als verdient.

Du brinst es auf den Punkt. Jamie Foxx spielt Ray Charles brilliant. Habe den Film etwas lange gefunden.

mr.wolf

Ein genialer film. Er hat alles was man von einer Biographie erwartet. Obwohl man ja der wahren Story folgen muss war mir nicht eine sekunde langweilig.
Jamie Foxx hat super gespielt er sieht im film genau wie Ray charles aus und die Bewegungen von Ray hat er perfekt nachgeahmt.

El Chupanebrey

Jamie Foxx ist die ideale Besetzung für Ray Charles. Gratulation (Ray Charles hat ja selbst noch mitbestimmt). Auch ansonsten ist der Film super und Foxx' Oscar mehr als verdient.

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