The Passion of the Christ (2004)

Die Passion Christi

The Passion of the Christ (2004) Die Passion Christi

Oder: ...so erlöse uns endlich!

Eine kleine Bibelkunde: Die letzten zwölf Stunden im Leben des Jesus von Nazareth.

Nach dem letzten Abendmahl begibt sich Jesus (James Caviezel) in den Garten Gethsemane, um zu beten. Satan hat ihm zuvor in Visionen offenbart, was ihm in den folgenden Stunden widerfahren wird. Und wirklich, verraten von seinem Jünger Judas (Luca Lionello) wird er kurze Zeit später festgenommen. Ihm wird Gotteslästerung vorgeworfen, die Pharisäer verlangen darum seinen Tod.

Der römische Statthalter in Palästina, Pontius Pilatus (Hristo Shopov), kann jedoch keine Schuld Jesus ausmachen. Doch er erkennt die Lage, um Unruhen zu verhindern übergibt er die Angelegenheit an König Herodes. Doch auch dieser fühlt sich nicht zuständig und lässt Jesus kurzerhand zu Pilatus zurückbringen.

Um das von den Anführern der Pharisäer aufgewiegelte Volk zu besänftigen, überlässt Pontius Pilatus dem Volk die Wahl zwischen Jesus und dem Verbrecher Barrbaras. Die aufgebrachte Menge begnadigt Barbaras und fordert die Kreuzigung Jesus. Pilatus hofft, durch brutale Folter des Angeklagten die Meute zu besänftigen. Doch auch als er den schwer verwundeten Jesus ein weiteres mal vorführen lässt, bleiben die Pharisäer bei ihren Forderungen. Den Römern bleibt nichts anders übrig als nachzugeben und Jesus den Tod am Kreuz sterben zu lassen.

Das Ende ist besiegelt. Jesus muss unter den verzweifelten Augen seiner Mutter (Maia Morgenstern), Magdalena (Monica Bellucci) und seiner Anhänger sein schweres Kreuz selber durch die Strassen von Jerusalem bis nach Golgatha tragen, wo er schliesslich ans Kreuz geschlagen wird...


Film-Rating

Ostern, die Zeit der monumentalen Bibelfilme. Anders als in früheren Jahren muss man diesmal aber seine Feiertage nicht unbedingt mit Ben Hur vor dem Fernseher verbringen. Mit Luther und The Passion of the Christ hat man gleich zwei Kinofilme zur Auswahl...

Wer bei Mel Gibsons Werk Passion of the Christ eine harmlose Bibelverfilmung des Leben Jesu erwartet, der wird bereits in den ersten Filmminuten sein heiliges Wunder erleben. Müsste ich die Filmhandlung mit wenigen Adjektiven umschreiben, so kämen mir spontan nur drei in den Sinn: blutig, blutig, blutig. Der Film zeigt nur einen kleinen (wenngleich wohl für das Christentum einer der wichtigsten) Abschnitte des (Leidens)-Wegs Jesu. Gleich zu Beginn verrät Judas Jesus, welcher von Pharisäern nicht ohne Gewalt und Blutvergiessen schliesslich gefangen genommen wird. Der Anfang vom blutigen Ende.

Was am Ende steht, sollte eigentlich nicht nur jeder Christ wissen: Jesus stirbt am Kreuz. Dazwischen liegen rund 100 äusserst brutale, blutige Minuten Leiden. Nicht nur Christus leidet, auch der Kinozuschauer hat irgendwann genug gesehen. Ist es beispielsweise wirklich von Nöten, mehr als fünfzehn Minuten lang die Auspeitschung zu verfilmen? Vielleicht. Denn das ist doch genau das, worauf viele gewartet haben. Ihre Vorstellungen der Bibel-Szenen bis ins kleinste Detail endlich auch visuell aufgetischt zu erhalten. So muss auch ich zugeben: ich hätte mir Jesus in etwa so vorgestellt, ebenso seine Leiden, die Mit-Menschen...

Trotzdem kann ich nur wenig mit dem Film anfangen, aus verschiedenen Gründen. Einerseits bin ich nicht wirklich gläubig, auch wenn ich auf dem Papier ebenfalls zum Christentum gehöre. Dass Jesus dem einen Soldaten im Film sein abgefallenes Ohr wieder ... ähm... ranmacht, wirkt auf mich eher belustigend als wunderhaft. Andererseits wirft der Film ein äusserst schlechtes Bild auf die damalige jüdische Gemeinschaft. Auch wenn der Film keine rassistischen Tendenzen aufweist, viele streng gläubige Personen können nicht genügend abstrahieren. Ich hoffe, dass Passion of the Christ den Antisemitismus nicht (natürlich ungewollt) weiter schürt, doch irgendwie hab ich ein ungutes Gefühl.

Doch ich wag sogar zu behaupten: Der Film ist schlecht. Blasphemie? Nein. Die Schauspieler, allen voran James Caviezel als Jesus, stimmen zwar optisch, aber ihre Leistungen sind schwach bis nicht vorhanden. Da werden viele künstliche Tränen vergossen und die Maskenbildner sind in Hochform, aber sonst... Doch auch der Regisseur hat nicht wirklich ein Meisterwerk abgedreht. Da das Thema kaum variierbar ist, könnte eigentlich jeder diesen Film gedreht haben. Gut, Herr Gibson, sie haben immerhin noch ein paar wenige - immer wieder beliebte - Flashbacks verwendet. Auch waren sie sich nicht zu schade, genügend künstliches Blut zu verwenden. Doch verfilmt man das Leben einer der grössten religiösen Personen wirklich am besten, in dem man möglichst viel Gewalt zeigt? Eine gewisse Originalität muss man dem Film dann aber doch zustehen. Denn gesprochen wird für einmal nicht Englisch, sondern durchgehend Aramäisch und Lateinisch.

Es mag hart und für viele falsch tönen: ich war froh als Jesus endlich am Kreuz hing. Denn endlich, endlich wurde er UND ich erlöst - er vom Leiden, ich vom Film.


OutNow.CH:

Bewertung: 1.0

 

09.03.2004 / th

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