Finding Neverland (2004)

Finding Neverland (2004)

Wenn Träume fliegen lernen
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  3. 106 Minuten

DVD-Review: Flugkurs für Ungläubige

"Hook? Kenn ich nicht"
"Hook? Kenn ich nicht" © Studio / Produzent

J.M. Barrie (Johnny Depp) wartet gespannt hinter dem Vorhang. Sein neuestes Theaterstück wird in London aufgeführt. Das Publikum ist dummerweise keineswegs begeistert von dem Dargebotenen und Barrie wird sich seiner Mittelmässigkeit wieder einmal bewusst. Der Direktor des Theaters, Charles Frohman (Dustin Hoffmann), zeigt Geduld mit dem Schreiber. Trotz der regelmässigen Verluste, scheint er (noch) hinter Barrie zu stehen und ist bereit, ein weiteres Theaterstück in seinem Etablissement aufführen zu lassen.

Das Privatleben von Barrie hat auch schon bessere Tage gesehen. Im London von 1904 ist es für Mann und Frau schon genug schwierig, sich in die Gesellschaft einzuführen. Und wenn dann noch die einstige Leidenschaft und Liebe langsam aber sicher zerfällt, dann sitzt man schlussendlich vor dem Scherbenhaufen.

Diskussion von Bankgeheimnissen
Diskussion von Bankgeheimnissen © Studio / Produzent

An einem seiner nachmittäglichen Aufenthalte im Kensington Park trifft J.M. Barrie auf Sylvia Davies (Kate Winslet) und ihre vier Söhne. Er platzt in ein Spiel der Kinder und fühlt sofort eine Freiheit, die er lange nicht mehr fühlen konnte. Barrie verbringt den Nachmittag mit den Davies' und begeistert nicht nur die Kinder mit seiner Fantasie und seinen Unterhaltungskünsten.

Aus einem gemeinsamen Nachmittag werden mehrere und die gegenseitige Sympathie beginnt zu wachsen. Besonders die fantasievollen Begegnungen mit den Kindern scheinen dem Schriftsteller einen Auftrieb zu geben und die erlebten, imaginären Abenteuer mit Indianern, Piraten und tanzenden Bären werden auch sogleich schriftlich festgehalten.

Big Fish oder was?
Big Fish oder was? © Studio / Produzent

Die folgende Zeit ist recht unbeschwert. Oder "könnte" recht unbeschwert sein, wenn da nicht die gesellschaftlichen Zwänge wären, in denen sich Barrie und die Witwe Davies wiederfinden. Er, verheiratet und trotzdem dauernd mit einer alleinerziehenden Frau mit Kindern zusammen. Sie, verwitwet, unter der Fuchtel ihrer Mutter und endlich wieder mal lachend. Und das erst noch mit einem fremden, verheirateten Mann. Unfassbar.

Es kommt wies kommen muss. Sylvia Davies wird immer kränker, das neue Theaterstück mit dem Titel "Peter Pan" ist aufführbereit. Doch ist die Gesellschaft bereit für eine kindliche Reise nach Neverland? Bereit für Begegnungen mit Indianern? Piraten? Hunden, die auf Kinder aufpassen? J.M. Barrie hat sich für die Premiere etwas ganz besonderes ausgedacht. Doch was passiert danach? Wie geht es mit Sylvia Davies weiter? Und vor allem ihren Kindern?

"Jööööööö, so schöööön", unsere User aus dem nördlichen Nachbarland mögen mir verzeihen, aber das ist der erste Gedanke, der mir zu Finding Neverland in den Sinn gekommen ist. Viel mehr nicht. Marc Fosters Umsetzung eines Theaterstücks um den Autoren James M. Barrie ist ein rührseliges Stück Kostümfilm, dessen Stärke wohl in den Übergängen zwischen Fantasie und Wirklichkeit liegt, in der Verzauberung durch Vorstellungskraft und kindlicher Imagination, während Monster's Ball seine Stärken aus tiefer Charakterstudie und menschlicher Auseinandersetzung zog.

Finding Neverland bleibt diesbezüglich recht oberflächlich. Der "Schweizer in Diensten Hollywoods" beschränkt sich auf die Darstellung von Fantasie und die Flucht in diese zu zeigen, arglos bringt er einer Todkranken eine neue Welt, Nimmerland, zu Gesicht, auf dass man ihr die Angst vor dem Sterben nähme und die Hoffnung auf ein wünschenwertes Jenseits gäbe. Kate Winslet bleibt in eben dieser Rolle der plötzlich Kranken Witwe enttäuschend blass, während Grossmime Dustin Hoffman ein paar Worte vor sich hinstammeln darf und auf Ersetzbarkeit drängt. Einzig Johnny Depp, in seiner zurückhaltenden Art, und der kleine, sympathische Freddie Highmore konnten dem Film einen darstellerischen Stempel aufdrücken. Selbst die grosse Dame Julie Christie, die als wunderliche Grossmutter eine fast unglaubliche Wandlung zur händeklatschenden Feenanhängerin über sich ergehen lassen muss, mag nicht so recht überzeugen.

Finding Neverland, insbesondere wenn er den Oscar für den besten Film gewonnen hätte, erinnert mich merkwürdigerweise an Shakespeare in Love: Zuerst findet man das alles hübsch, nett und hach so entzückend. Drei Tage später hat man alles schon wieder vergessen. Sorry Mr. Foster, nach dem sackstarken Monster's Ball ist das ein Rückschritt der künstlerischen, kaum aber der kommerziellen Natur (Disney eben). Nächstes Mal aber wieder was Richtiges zum Reinbeissen, bitte.

Extras: Der Bildtransfer der DVD bringt zwar die fantasievolle und "altmodische" Stimmung des Films sehr schön rüber, dem Bild aber geht einiges an Schärfe und Kontrast ab. Im Tonbereich passiert eher wenig, da dialoglastig. Interessant bei den Extras sind der engagierte Audiokommentar von Regisseur, Produzent und Autor und die kurzen Outtakes, die für etwas Belustigung sorgen. Die geschnittenen Szenen sind wohl berechtigterweise rausgeworfen worden. Ansonsten Standart.

/ pb

Kommentare Total: 48

Benni_M

Meiner Meinung nach, ein kleines Meisterwerk. Johnny Depp spielt einen fantastischen Mr Barrie, der einem in der ganzen Tragik doch ab und zu zum Lächeln bringt. Der Soundtrack unterstreicht das Ganze. Und nicht zu vergessen, beachtliche Leistung der Kinder.

mr.wolf

Der ANfang hat michg nicht gerade begeistert. Er war gut gemacht und es faszinierte mich wie die Realität und die Fantasie vermischt wurde, mehr aber auch nicht. Doch je näher das ende kam desto mehr wurde ich in den Film reingezogen. Und das Ende war so berührend, dass ich fast geheult hätte, was mir bei Filmen fast nie passiert.

Lotus

Fand ich schön, aber irgendwie hat er mich nicht richtig begeistern können, schade!

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